Kolumne: Heidels ruhiges Fahrwasser

Hassan2Der neue Sportvorstand des FC Schalke 04, Christian Heidel, ist seit gut einer Woche im Amt und hat bereits zwei wichtige Entscheidungen abgearbeitet. Er beurlaubte den glücklosen und überfordert wirkenden Trainer Andre Breitenreiter und wickelte einen Transfer in atypischer Schalker Art ab – in dem er Klaus Allofs vom VfL Wolfsburg ein stückweit überraschte. Heidel lotste still und heimlich den Abwehrchef Naldo von der Autostadt an den Ernst-Kuzorra-Weg – ablösefrei.

Ein Transfer wie ein Paukenschlag. Zuvor trat häufig ein, dass das Interesse der Königsblauen an irgendeinem Spieler früh durchsickerte und wochenlang ein mediales Thema war – die Causa um Sami Khedira dient da wohl als mahnendes Beispiel. Mit Heidel scheint dies nun nicht mehr oder zumindest weniger der Fall zu sein. Der neue Manager hat das Bestreben, den Verein nachhaltig zu verändern und die für Schalke schon bekannten Zuckungen abzustellen.

Sehnsüchte und Hoffnungen

Es ist gewollte Professionalität in Heidel-Manier. Der 52-Jährige will, dass Ruhe einkehrt, nicht mehr so viel nach außen dringt und Schalke neue Wesenszüge verliehen werden. Auch in kritischen Phasen soll bedachter und wesentlich souveräner mit dem Ist-Zustand umgegangen werden. Eine Mammutaufgabe. Zwangsläufig stellt sich die Frage: Geht das überhaupt mit Schalke 04? Dies lässt sich am heutigen Tage nicht beantworten. Doch die Person Christian Heidel weckt Sehnsüchte und Hoffnungen. Aus der rauen See soll ein ruhiges Fahrwasser werden.

Ein Eckpfeiler dieser neuen Gelassenheit ist der Rückzug vom Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies, dessen mediales Erscheinen seit Sommer letzten Jahres schon etwas abebbte. Heidel war dies allerdings noch nicht genug. Tönnies wird sich, wie er selbst ankündigte, „noch weiter zurückziehen“. Das einzige Sprachrohr in sportlichen Belangen ist nur noch der neue Sportvorstand. Dies machte Heidel zur Bedingung für seinen Wechsel ans Berger Feld.

Eine klare Linie

Schalke 04 hat einmal mehr die große Chance nun endlich aus dem vorhandenen Potenzial, die in diesem Klub lodernde Kraft ans Tageslicht zu befördern. Dazu benötigt es kluge Entscheidungen in allen Bereichen. Transferflops sollen der Geschichte angehören, auch wenn sich dies wohl nicht immer vermeiden lässt. Zudem gilt es, die Trainerfrage zu beantworten, was dem Vernehmen nach noch in dieser Woche geschehen soll. Topkandidat ist Markus Weinzierl vom FC Augsburg, der, glaubt man den Medien, Heidel zum S04 folgen möchte. Auch „die Verzahnung“ (O-Ton Heidel) zwischen der renommierten Knappenschmiede und der Profiabteilung des Revierklubs soll auf ein neues Level gehievt werden. Diesbezüglich sprach Heidel bereits mit U19-Trainer Norbert Elgert, der höchstwahrscheinlich in den nächsten Wochen seinen noch bis 2018 gültigen Vertrag vorzeitig verlängern soll.

Ein Punkt der Heidel besonders wichtig ist und was er klar verständlich machte, ist die Philosophie des Vereins. Schalke soll sich von Personen weniger abhängig machen, da diese „austauschbar sein sollen“. Er sprach indirekt von der Vergangenheit und den gescheiterten Trainern wie Jens Keller, Roberto Di Matteo oder Andre Breitenreiter, die für sich gesehen, unterschiedlich waren. Einheitlichkeit in dem, was Schalke sein will und sein kann, für was der Verein steht, sieht er als unabdingbar an oder um es in seinen Worten zu sagen: Es muss „eine klare Linie“ her, die der Verein als Ganzes selbst bestimmt. Dementsprechend solle das dazu passende Personal verpflichtet werden. In der Theorie klingt dies stets vielversprechend, ob es sich auch so erfolgreich umsetzen lässt, wird die Zeit zeigen. Jedoch wirkt Heidel bereits nach gut einer Woche seiner offiziellen Amtsübernahme als der richtige Mann am richtigen Ort.

Auch wenn das Fahrwasser auf Schalke wohl nicht immer ruhig sein wird.

 

zum Autor:

Hassan Talib Haji wurde 1981 in Mombasa (Kenia) geboren, wuchs aber seit Mitte der Achtziger in Deutschland auf. Sein Stiefvater infizierte ihn bereits in sehr jungen Jahren mit dem königsblauen Virus. Wohnhaft in Gelsenkirchen besucht er regelmäßig die Pressekonferenzen und das Training des FC Schalke 04. In den letzten drei Jahren arbeitete er als Korrespondent des Online-Portals Goal.com. Seit Mitte Januar 2016 ist Hassan selbstständig und hat seine – in Eigenregie produzierte – wöchentliche Newsshow auf Youtube. Zudem schreibt er noch für die Lokalredaktion von Westline.
Bei twitter ist er unter @hassanscorner zu finden.

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