Kickwelt Euro 2016 Medien-Rückschau Teil 1

Die Fußball-Europameisterschaft 2016 ist vorbei und für uns ist das Grund genug, auf die Arbeit der deutschen TV-Rechteinhaber zu schauen. Mit Sat.1 war diesmal ein Neuling im Kreis dabei, der in unseren Augen seine Sache viel besser gemacht hat, als viele Interessierte vorher gedacht haben.

Wir haben uns dazu entschlossen, die On-Air-Gesichter und Stimmen einzeln zu bewerten und dazu den drei Sendern eine Gesamtnote zu verpassen. Wie immer ist vieles subjektiv, aber wir können immerhin sagen, dass wir die Noten unabhängig und fair vergeben haben. Uns ist dabei bewusst, dass eine Fußball-EM eine Veranstaltung von „nationaler Bedeutung“ ist, d.h. es wird nicht für ein (Experten-)Nischenpublikum produziert. Trotzdem darf man eine gewisse Qualität erwarten, mit der auch das Fußball-Kernpublikum erreicht wird.

ARD:

Das „Erste“ ist in unserer Beurteilung leider nur das „Dritte“. Vieles lief nicht sauber, Fanmeilen waren oft wichtiger als inhaltsreiche Spielanalysen. Teilweise wurde 30 Minuten vor dem Anpfiff von wichtigen Spielen lieber aus dem DFB-Lager berichtet, was vielleicht gut für die breite Quote ist, aber sicher nicht für den Anspruch eine gute Übertragung abzuliefern. Die Gästeauswahl  war im Vergleich zum ZDF einfallslos und die On-Air-Gesichter konnten uns oft auch nicht überzeugen – auch wenn es da zum Glück auch Ausnahmen gibt.

Gesamtnote: 4 und damit das Kellerkind unter den drei Sendern

ZDF:

Die Mainzer überzeugten uns insgesamt. Neben größtenteils guten Leistungen im Moderationsbereich und bei den Kommentatoren gefiel uns auch die Gästeauswahl. Hier zeigte man sich wirklich einfallsreich und die Gäste brachten auch oft einen Mehrwert. Kritisieren müssen wir das ZDF in erster Linie für die teilweise lausigen Interviews und wir haben die Talkshow von Markus Lanz sowie die Berichte im Morgen- und Mittagsmagazin nicht mit eingerechnet, sonst wäre es auch sehr knapp mit der guten Gesamtnote geworden.

Gesamtnote: 2 und damit auch „Testsieger“ unter den drei Sendern

Sat.1:

Sechs Spiele durfte der Privatsender übertragen. Größtenteils wurde unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit gesendet. Wir haben uns die Spiele trotzdem auch angeschaut und ziehen am Ende ein positives Fazit. Das Konzept, aus dem Europapark zu senden, ist immerhin einfallsreicher gewesen, als damals die legendär schreckliche ZDF-Usedom-Nummer. Insgesamt überzeugte uns Sat.1 aber weniger mit dem Konzept der Übertragungen, sondern mehr mit den Köpfen, die man ins Rennen schickte. Wen wir speziell damit meinen, wird in den Einzelbewertungen deutlich.

Gesamtnote: 3 und damit in der Mitte des Rankings, wir hätten gerne noch mehr Komplementärspiele gesehen

 

Im Folgenden erhalten die Kommentatoren, Moderatoren, Interviewer, Experten und Beitragsmacher ihre Individualnoten. Die Noten der einzeln genannten Leute ergeben im Durchschnitt nicht die Sendernote, weil da ja noch die Redaktionsleistung dazu kommt und auch weitere nicht genannte On-Air-Gesichter, bei denen für uns eine fundierte Bewertung nicht möglich war. Wir beschränken uns auch bewusst auf die Sendungen im „Hauptprogramm“.

Matthias Opdenhövel:

Der Hauptmoderator der ARD hatte schon bessere Auftritte als bei dieser EM. „Opdi“ wirkte oft fahrig und insgesamt moderierte er zu viel an der Oberfläche anstatt in die Tiefe zu gehen. Bei veränderten Abläufen wirkte er oft hilflos und seine Witze fanden wir im Vergleich zu früheren Sendungen auch eher unlustig. Die Harmonie mit Experte Scholl stimmte, aber bei der Gesamtnote reichte es maximal zu einer 3-

Mehmet Scholl:

Mehmet Scholl war mal der Liebling unter den deutschen TV-Experten. Mittlerweile – und das merkte man gerade bei dieser EM – ist er oft nur daran interessiert, gute Sprüche platzieren. Seine „Gehirn-Schluckauf“-Kritik war immerhin spontan und authentisch, aber leider ohne jegliche seriöse Argumente. Dass er sich bei der nächsten Sendung dafür entschuldigte, bringt Scholli wieder Bonuspunkte in der Benotung ein. Außerdem spricht für ihn, dass er den Mut hatte, seine „Wutrede“ nach einem Sieg zu halten wo eigentlich niemand damit rechnen konnte. Auf der anderen Seite nervten uns die ständigen Anspielungen zum Thema „Packing“. Insgesamt reicht es diesmal aber nur für eine 4.

Alexander Bommes:

Alexander Bommes ist für viele Experten so etwas wie ein Shootingstar am Moderationshimmel. Mag sein, dass er im Unterhaltungsbereich seine Stärken hat. Für uns reicht seine jugendlich-kesse Art nicht, denn oft gab es außer Plattitüden nichts zu hören. Was ihm dazu auch oft fehlt: Respekt vor Themen und Gesprächspartnern. Von uns gibt es gerade noch so eine 4-

Arnd Zeigler:

Arnd Zeigler ist bei der ARD so etwas wie das „Fangewissen“. Seine kuriosen Funde und auch seine Meinungen sind oft auflockernd, aber in Verbindung mit Bommes kann Zeigler diese Stärken in unseren Augen zu wenig ausspielen. Trotzdem gibt es am Ende eine 3.

Reinhold Beckmann:

Durch Bommes Aufstieg (nicht erst seit der EM) muss sich Reinhold Beckmann mit anderen Aufgaben abfinden. Deshalb erfand der Premiere-Gründervater und ran-Gründer jetzt „Beckmanns Sportschule“. Das Format startete mit herber Kritik, entwickelte sich am Ende aber immerhin zu so etwas wie Kult. Nico Patschinski und auch Tim Wiese waren dabei nicht so schlecht wie sie gemacht wurden. Die letzte Ausgabe nach dem Finale war gespickt mit Selbstironie, was hoffentlich viele der Kritiker registriert haben. Für den Mut, das Format zu starten und trotz aller Kritik so durchzuziehen, belohnen wir Reinhold Beckmann mit einer 3.

Tom Bartels:

Tom Bartels ist so etwas wie der Chefkommentator der ARD. Das Finale gab er dem Vernehmen nach diesmal freiwillig an Gerd Gottlob ab. Das spricht für ihn. Viel mehr haben wir nicht gefunden, was für ihn spricht. Niemand schafft es mehr als er das „Deutsche“ zu loben. Das Achtelfinale Polen gegen Portugal war der negative Höhepunkt. Seine Lobtiraden auf den deutschen Schiedsrichter Brych, der definitiv nicht seinen besten Tag hatte, brachten ihm mehr als Gespött im Netz ein. Dazu bleiben in unseren Augen noch seine merkwürdigen Ansichten zum Thema echte und gute Fankultur hängen und wir müssen deshalb eine glatte 5 vergeben.

Gerd Gottlob:

Gerd Gottlob kommentierte das Endspiel und machte dabei seine Sache so wie immer: unaufgeregt und gut. Als einziger ARD-Kommentator eckt er nur selten irgendwo an in den sozialen Netzwerken. Der Norddeutsche schafft es trotzdem, ein Spiel so zu kommentieren wie wir es uns wünschen. Mit der nötigen Portion Emotion gespickt mit Informationen und der Mischung, dass sowohl die Alles-Seher als auch die Event-Fans mit ihm zufrieden sein können. Die Gesamtnote 2 macht ihn damit zum besten ARD-Mann in unserer Liste, auch wenn es noch noch mehr Leute mit „gut“ gibt.

Steffen Simon:

Wenn es um negative Kritik in den sozialen Netzwerken geht, ist Steffen Simon meistens ganz vorne dabei. Wir fanden ihn insgesamt diesmal aber für seine Verhältnisse einigermaßen solide. Allerdings eine große Ausnahme: „Scheiß-Italiener“-Sprechchöre beim Spiel Deutschland gegen Italien werden vom Sportschau-Chef gelobt. Außerdem wollte er uns fast eine halbe  Stunde verkaufen, dass die Strafstoß-Ausführung von Bonucci nicht korrekt war. Insgesamt reicht es aber für Simon diesmal nur zu einer 5.

Julia Scharf:

Als einzige Frau durfte in der ARD wieder einmal Allzweckwaffe Julia Scharf bei den Top-Positionen ran. Wir haben an ihr eigentlich kaum etwas negativ zu kritisieren, da die Schalten von und mit ihr eigentlich immer fehlerfrei blieben. Allerdings hatte sie dabei auch nur wenig Chancen sich richtig auszuzeichnen. Wir vergeben deshalb am Ende eine 2-.

Gerhard Delling:

Gerhard Delling war in der ARD sicherlich der Mann mit dem (aus unserer Sicht) undankbarsten Job. Seine Hauptaufgabe bestand darin, die Statusmeldungen über den DFB-Bus durchzugeben. Anstatt überfälliger Analysen „wertete“ die ARD mit diesen Fanmeilen-konformen Storys gerne das Programm auf. Für Delling spricht aber noch etwas: anders als beim ZDF waren seine Interviews mit Joachim Löw gehaltvoll und gut und das wertet wiederum seine Gesamtbewertung enorm auf. Am Ende wird es eine 3-.

Jürgen Bergener:

Jürgen Bergener ist so etwas wie der „erste Fieldinterviewer“ der ARD. Warum das so ist, wissen wir nicht so genau. Fakt ist, dass kaum einer bei der Fragenauswahl so vorhersehbar nach Schema F vorgeht. Kaum ein Interview kommt ohne die „Gefühlsfrage“ aus. Uns gefällt sein Stil überhaupt nicht und wir vergeben deshalb eine 5

Bernd Schmelzer:

Bernd Schmelzer ist uns in erster Linie als Beitragsmacher während der EM aufgefallen und diese Beiträge waren oft ziemlich gut. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Für diese „Erinnerungen“ erhält er die Note 2.

 

Den zweiten Teil unserer Euro 2016 Medienrückschau gibt es hier.

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