Kickwelt Euro 2016 Medien-Rückschau Teil 2

Im ersten Teil unserer Euro 2016 Medien-Rückschau haben wir uns mit den Sendern insgesamt und mit den Einzelkritiken bei den ARD-Leuten beschäftigt. Im zweiten Teil geht es jetzt um die ZDF-Frankreichfahrer im einzelnen:

Oliver Welke:

Wir haben nicht oft die Note sehr gut vergeben, aber Oliver Welke ist unter den wenigen, die mit dieser Note belohnt wurden der Beste. Durch seine Persönlichkeit drückte er den Übertragungen im ZDF seinen gewohnten Stempel auf und dieser Stil wurde in den letzten Jahren immer ausgereifter. Niemand (außer vielleicht Kai Dittmann bei sky) versteht es so gekonnt mit Selbstironie die Herzen der Zuschauer zu erreichen. Früher merkte man ihm an, dass er Unterhaltung und Sport trennen wollte, mittlerweile macht er das oft gar nicht mehr und das ist auch gut so. Dazu hat er sich mit Oliver Kahn den perfekten Mann an seiner Seite geformt. Während Kahn zu Beginn seiner ZDF-Zeit mit seiner Gesprächspartnerin Katrin Müller-Hohenstein oft hölzern wirkte, schafft es Welke exzellent Kahn einzusetzen, was auch zu seiner Beurteilung sehr gut mit einem Extra-Sternchen führt.

 Oliver Kahn:

Wie bei Oliver Welke schon angedeutet ist Oliver Kahn der beste Experte, der bei der EM mitmischte. Fundierte Analysen, starke Sprüche und einfach eine feste Meinung machen ihn für uns zum perfekten Partner für Welke. Die „Kabbeleien“ in den sozialen Netzwerken der beiden (ob gespielt oder nicht) runden den starken Gesamteindruck noch ab. Für Oliver Kahn gibt es die Note 1.

Jochen Breyer:

Er galt einmal als der Shootingstar im ZDF, mittlerweile ist er etabliert. Der Nachteil an der starken Position von Oliver Welke ist, dass für Breyer logischerweise weniger Raum bleibt. Was Breyer im ZDF bei der EM anpackte, war aber ohne Fehler und gut. Deshalb erhält er auch eine 2.

Boris Büchler:

Boris Büchler war beim ZDF wieder einmal für Beiträge zuständig und dazu auch wie immer als Interviewer. Wir sind sicher nicht für „kumpelhafte“ Interviewer, aber Büchlers Art ist irgendwie das genaue Gegenteil und das ist oft auch schwierig. Er versucht in unseren Augen oft eine künstliche Distanz zum Interviewpartner zu schaffen, die dann selten zu einem produktiven Gespräch führt. Ein bisschen mehr Lockerheit würde ihm guttun und dann reicht es beim nächsten Mal vielleicht auch zu mehr als einer glatten 4.

Katrin Müller-Hohenstein:

Unser großes Sorgenkind im ZDF-Team ist erneut Katrin Müller-Hohenstein. Bei den Mainzern hatte sie quasi den Job, den bei der ARD Gerhard Delling inne hatte. Wir möchten hier gewiss keine neue Diskussion über Frauen bei der Fußball-Berichterstattung führen, aber am Beispiel „KMH“ muss man sich immerhin die Frage stellen, warum zum Beispiel erneut ein seit 25 Jahren arrivierter Kollege Norbert König daheim bleiben musste. Ihre Schalten aus dem DFB-Lager brachten null Mehrwert, bei den Gesprächen mit Simon Rolfes stimmte die Chemie nicht und ihre Interviews mit Joachim Löw haben regelmäßig den Charakter, als würden die MoMa-Kinderreporter auf den Bundestrainer losgelassen. Insgesamt vergeben wir in ihrem Fall eine 5, die gleichzeitig die schlechteste aller vergebenen Fünfen ist.

Holger Stanislawski:

Holger Stanislawskis Platz bei der EM war größtenteils der große Touchscreen. Während das am Anfang  noch teilweise sehr hölzern rüberkam, steigerte sich „Stani“ im Laufe der EM deutlich und sorgte damit auch für einen deutlichen Mehrwert in den ZDF-Übertragungen. Am Ende belohnen wir das mit einer 2-.

Simon Rolfes:

Unter den festen ZDF-Experten hat uns Simon Rolfes am wenigsten überzeugt. Das mag auch daran liegen, dass Katrin Müller-Hohenstein es nicht schaffte, ihn richtig einzusetzen. Oft waren vom Ex-Leverkusener nicht mehr als die üblichen Floskeln zu hören, auch wenn vielleicht mehr Potential vorhanden wäre. Wir geben ihm dafür eine 4.

Sebastian Kehl:

Sebastian Kehl war für uns auch eine sehr positive Überraschung. Bei seinen Auftritten beeindruckte uns vor allem seine klare Meinung und die Fähigkeit, seinen Analysen zwar für jedermann verständlich, aber trotzdem gehaltvoll zu präsentieren. Wenn jetzt im Laufe der Zeit noch die „kahnsche“ positive Abgehobenheit dazu kommt, dürfte er im TV-Experten-Business eine große Zukunft haben. Diesmal reicht es für eine 2.

Oliver Schmidt:

„Oliver“ im ZDF bürgt ja anscheinend für Qualität. Welke und Kahn wurden ja weiter oben schon hinreichend gelobt und auch der dritte Oliver im Bunde wusste zu überzeugen: Oliver Schmidt ist für uns analog zu Gerd Gottlob in der ARD ein unaufgeregter Kommentator, der aber trotzdem im entscheidenden Moment die nötige Emotionen rüberbringt. Für uns war er der beste Kommentator im ZDF und erhält am Ende eine 2.

Béla Réthy:

Béla Réthy ist auf dem Papier die Nummer 1 unter den Kommentatoren der Mainzer. Wir können das nicht nachvollziehen. Niemand versucht mehr in den gewählten Momenten eher sinnlose Statistiken unterzubringen und seine Analysen sind auch oft falsch. Dazu fehlt Réthy komplett der Stallgeruch für die Dinge abseits des Platzes, sprich die Beurteilung der Dinge, die auf den Tribünen stattfinden. Das sind für ihn maximal negative Begleiterscheinungen des Spiels. Am Ende reicht es aber trotzdem zu einer 4-, weil wir ihn auch schon schlechter gesehen haben.

Claudia Neumann:

Claudia Neumann war die meistdiskutierte Person im ZDF-Team. Ihre beiden Einsätze als Kommentatorin wurden oft auch unter der Gürtellinie diskutiert. Klar, wenn eine Frau kommentiert ist das zunächst einmal ein bisschen anders. Klar ist aber auch, dass Claudia Neumann merklich Ahnung vom Fußball hat und das auch mehr als so mancher männliche Kollege. Wir haben nichts groß auszusetzen gehabt, außer vielleicht die teilweise doch sehr großen Lautstärkeunterschieden in ihrer Stimmlage. Für ihren soliden Job erhält sie von uns eine 3.

Martin Schneider:

Wie schon in der Champions League, durfte Martin Schneider auch bei der EM erstmals als Live-Kommentator ran. In seinen vier Einsätzen gab es für uns nur wenig zu beanstanden, allerdings ist der Funke auch nicht richtig übergesprungen. Unterm Strich reicht es deshalb zu einer 3-.

Anna Kraft:

Die dritte Frau, die wir beim ZDF benoten, ist Anna Kraft. Die kam vor einem Jahr von Sport1 und wird oft im ZDF eingesetzt. Uns gefällt ihre Art als Interviewerin nicht. Eine Mischung aus albern und naiv kommt für uns sehr deplatziert rüber. Wir glauben nicht, dass viele Interviewte sie dabei ernst nehmen und es kommen selten gehaltvolle Gespräche zustande. Die Leichtathletik-EM kam leider drei bis vier Wochen zu spät und von uns kann es nur eine 5 geben.

 

Den dritten Teil unserer Euro 2016 Medien-Rückschau mit den Einzelbewertungen bei Sat.1 gibt es morgen zu lesen.

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