Kolumne: Heidel und Schalke 04 – Mit aller Macht zur neuen Ära

HassanVon Hassan Talib Haji

Als Manager Horst Heldt während der Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 im vergangenen Jahr das Podium betrat, um den anwesenden Mitgliedern aus dem sportlichen Bereich zu berichten, wurde sein Gang zum Rednerpult von Pfiffen begleitet. Als er dieses wieder verließ, erntete er Applaus. Es war zwar nicht annähernd so euphorisch wie in den Jahren zuvor, dennoch war zu spüren, dass das gemeine Schalker Volk dem Sportvorstand seine flammende Entschuldigungsrede abnahm.

Die allgemeine Meinung war, dass der gebürtige Königswinterer eine Wiedergutmachung der sportlich „beschissenen Saison“ (O-Ton: Heldt) gestattet wurde – er sollte Zeit zur Reparatur erhalten. Im Hintergrund auf der obersten Ebene der Vereinsführung bastelte aber bereits der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies an dem FC Schalke 04 der Zukunft mit einem anderen Mann an der sportlichen Spitze. Der Fleischfabrikant sprach zu dieser Zeit schon längst mit anderen Managern der Bundesliga. Der kicker berichtete vom Interesse und Gesprächen mit Max Eberl von Borussia Mönchengladbach, der jedoch krachend Tönnies‘ Bestrebungen eine Absage erteilte.

Heldts Zeit war abgelaufen

Tönnies suchte weiter und bemühte sich um Christian Heidel vom 1. FSV Mainz 05. Das Urgestein des Karnevalsklubs gilt als einer der gewieftesten Führungskräfte Fußball-Deutschlands. Letztlich und nach monatelangem Eiertanz sagte dieser zu. Schalke 04 und Mainz 05 bestätigten vor einiger Zeit, dass Heidel nach 24 Jahren im Chefsessel der 05er den Weg ins rauchige Revier auf sich nimmt. Ein mutiger Schritt, da beide Vereine unterschiedlicher kaum sein können. Die Maßnahme von Tönnies und der Wille von Heidel zeigen allerdings eines: Beide wollen auf Schalke mit aller Macht eine neue und erfolgreiche Ära einleiten.

Da Heldt nach sechs Jahren am Berger Feld, davon fünf als Sportvorstand, den Klub auf sportlicher Ebene nicht an Erzrivale Borussia Dortmund hat heranführen können, ist der Manager-Wechsel ein legitimer und nachvollziehbarer Schritt. Schalke 04 brauchte einen neuen und starken Impuls, frische Ideen und andere Sichtweisen. Heidel soll die Königsblauen peu à peu auf ein besseres Level hieven. Zuzutrauen ist es dem 52-Jährigen – gilt dieser in der Branche ja durchweg als exzellenter Gestalter.

Zurück zur Spitze

Aus einem abstiegsbedrohten Zweitligisten formte er in Mainz einen soliden Erstligaklub trotz großem Aderlass im personellen Segment. Er verlor zuletzt seine Trainer Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, sowie immer wieder diverse Leistungsträger der Mannschaft. Heidel fand stets Mittel und Wege den Qualitätsverlust aufzufangen und den Klub weiter zu entwickeln – mit Erfolg.

Auch wenn einige es am Schalker Markt nicht zugeben wollen, die Entwicklung des ungeliebten schwarzgelben Nachbarn nervt sie. Borussia Dortmund zeigte dem FC Schalke 04 im Laufe der jüngeren Vergangenheit die Rücklichter. Nun soll mit Heidel an dieser für den S04 nicht befriedigenden Situation gearbeitet werden, da es Heldt nicht gelang, aus dem Verein einen ernsthaften Konkurrenten des BVB zu formen. Waren die Königsblauen 2001, 2005, 2007 und 2010 noch knapp vor der deutschen Meisterschaft, 2011 gar DFB-Pokalsieger, so blieb man in den Jahren unter Heldt als Sportvorstand weniger erfolgreich. Dass andere Mannschaften wie zum Beispiel Borussia Mönchengladbach als Fast-Absteiger 2011 binnen vier Jahre zum Champions-League-Klub avancierte, zeigt die Stagnation der Blauen gnadenlos auf.

Dem will man am Ernst-Kuzorra-Weg Einhalt gebieten und seinerseits mit Heidel am Ruder in eine neue Ära aufbrechen – mit aller Macht.

 

zum Autor:

Hassan Talib Haji wurde 1981 in Mombasa (Kenia) geboren, wuchs aber seit Mitte der Achtziger in Deutschland auf. Sein Stiefvater infizierte ihn bereits in sehr jungen Jahren mit dem königsblauen Virus. Wohnhaft in Gelsenkirchen besucht er regelmäßig die Pressekonferenzen und das Training des FC Schalke 04. In den letzten drei Jahren arbeitete er als Korrespondent des Online-Portals Goal.com. Seit Mitte Januar 2016 ist Hassan selbstständig und hat seine – in Eigenregie produzierte – wöchentliche Newsshow auf Youtube. Zudem schreibt er noch für die Lokalredaktion von Westline.
Bei twitter ist er unter @hassanscorner zu finden.

 

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