Schalke 04 zieht Kraft aus neuer Ruhe

„Die Tendenz stimmt“, sagte Trainer Markus Weinzierl nach dem Bundesligaheimsieg (3:0) über FSV Mainz 05. „Es war in den vergangenen Wochen nicht alles schlecht, die Ergebnisse stimmten leider oft nicht“, betonte ein erleichterter Leon Goretzka. Schalke 04 hat sich aus dem tiefen Tal und der Bürde eines vollkommen missratenen Bundesligaauftakts herausgekämpft. Das Geheimnis, wenn man so will, war, dass man im Verein nach außen „mit einer Stimme sprach“ und sich seiner vorhandenen Stärke bewusst war, wie Manager Christian Heidel anmerkte.

Schalke, ein Verein, dem man nach fünf bitteren Pleiten in der Liga durchaus zutrauen konnte, auseinanderzufallen, verstand sich plötzlich als eine Einheit und besaß das Selbstverständnis, aus bedächtiger Ruhe die Kraft für die Wende zu ziehen. Es wirkt wie ein neuer Geist, der Einzug hält. Aus den letzten drei Ligaspielen ergatterten sich die Königsblauen sieben Punkte und verließen die Abstiegsränge. In der Europa League führt man nach drei Siegen in drei Partien souverän die Gruppe an, und steht so gut wie in der K.o.-Phase.

Rotation als Stilmittel

Nach dem sich die – in weiten Teilen – veränderte Mannschaft zunächst noch finden musste, hat Weinzierl nun ein Grundgerüst gefunden, so dass er aus dem vorhandenen Personal heraus nahezu beliebig umstellen kann. So spielte der Klub bereits in verschiedenen Systemen – ohne merklichen Qualitätsverlust. Weinzierl hat die Rotationsmaschine angeschmissen, die er aufgrund der Konkurrenzsituation im Kader schadlos verwenden kann. Ein großer Vorteil, da Schalke 04 auf drei Hochzeiten tanzt und die Belastung gewinnbringend kanalisieren muss.

Durch den verkorksten Saisonstart läuft der Revierklub in der Bundesliga dennoch weiterhin den eigenen Ansprüchen hinterher. Die schweren Verletzungen von Coke und Breel Embolo erschweren die Situation zusätzlich. Worauf es jetzt ankommt, ist den Zusammenhalt und die Malochermentalität weiterhin auf den Rasen zu transportieren. Schalke 04 muss und wird das kurzfristige Ziel haben, zum Ende der Hinrunde den Anschluss an die Europapokalplätze herzustellen. Nur dann besteht eine realistische Chance in der Rückrunde jene begehrten Plätze für sich einzunehmen und die Saison zufriedenstellend zu beenden. Kein einfaches Unterfangen.

Früchte der Besonnenheit

Unabhängig von den nackten Zahlen und Ergebnissen hat das oft nervöse Umfeld des Revierklubs großes Vertrauen in die handelnden Personen. Heidel und Weinzierl planen dem S04 eine Bewusstseinsveränderung zu verpassen. Der erste kleine Schritt war der Umgang mit der doch sehr kritischen Situation zu Beginn der aktuellen Spielzeit. In der Vergangenheit sprach man in solchen Phasen oft von „Krisensitzungen“ oder „Chaos“ und schwupps wurde der Trainer infrage gestellt – oder entlassen. Weinzierl verstand es jedoch, einen kühlen Kopf zu bewahren und mit Sachlichkeit zu punkten. Als es Heidel – anhand der schlechten Ergebnisse – zu viel wurde, brachte es dieser in einer konstruktiven Analyse so weit, den Laden zusammenzuhalten. Nun scheint man die Früchte der eigenen Besonnenheit zu ernten.

Schalke 04 hat in dieser Saison noch einen weiten Weg vor sich, aber wie Weinzierl schon richtig sagte: „Die Tendenz stimmt.“ Und das ist der Grund, weshalb man durchaus optimistisch in die nächsten Wochen und Monate gehen kann.

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