Schalkes wiederkehrendes Spiel mit der Hoffnung

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Ein Satz, den jeder schon mal hörte. Behaupte ich es jetzt mal. So auch rund um den FC Schalke 04. Die besagte Hoffnung ist einmal mehr groß, dass sich – ab der kommenden Saison – Prozesse in Gang setzen, die diesen oft als „schlafenden Riesen“ bezeichneten Klub wachküssen. Der königsblaue Goliath befindet sich im Dornröschen-Schlaf. Noch, scheint man hoffnungsvoll zu denken.

Am vergangenen Sonntag fand die Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 in der Veltins-Arena statt. Eine mit viel Spannung erwartete Veranstaltung, die viel Zündstoff versprach, aber gesitteter ablief, als anzunehmen war. Es ging im Besonderen um die Wahl in den Aufsichtsrat. Clemens Tönnies, Peter Lange, Michael Stallmann und Andreas Goßmann waren die Kandidaten. Im Vorfeld dieser Wahl entbrannte eine regelrechte Schlammschlacht. Im Schalker Aufsichtsrat knallte es gewaltig. Die sogenannte Opposition um die Aufsichtsratsmitglieder Thomas Wiese, Axel Hefer und Dr. Andreas Horn lagen – den Medienmeldungen entsprechend – auf Kriegsfuß mit dem Rest des Gremiums.

Machtwort der Mitglieder

Die zwei Seiten, auf der einen Seite die Befürworter von Tönnies und auf der anderen die Gegner des Fleischfabrikanten, waren sich spinnefeind. So steckte deshalb viel Brisanz um die zu treffende Wahl der anwesenden Mitglieder. Der Ausgang und das Ergebnis waren jedoch absolut eindeutig: Tönnies und dessen Intimus Lange wurden mit überwältigender Mehrheit erneut in den Aufsichtsrat gewählt, Tönnies wurde im Laufe des Abends dann als Vorsitzender des Kontrollorgans bestätigt. Es bleibt also vorerst alles beim Alten. Die Vereinsmitglieder haben sich entschieden, den eingeschlagenen Weg mit Tönnies weiterzugehen.

Nun kann sich der pulsierende Verein wieder mehr mit den sportlichen Dingen auseinandersetzen. Und damit kommen wir auch wieder zurück zur Hoffnung. Die ist vorhanden und trägt dieses Mal den Namen Christian Heidel. Der neue Vorstand „Sport und Kommunikation“ hielt eine flammende Rede über die angestrebte Zukunft des Klubs und wurde dabei des Öfteren aufgrund des Applauses der Mitglieder unterbrochen. Schalkes Anhängerschaft hat offenbar große Lust auf seine Ideen und Denkanstöße, seine Taten und die neue Aufbruchsstimmung. Heidel haute auch mal direkt einen neuen Rekordtransfer raus. Das als Supertalent betitelte Juwel Breel Embolo aus der Schweiz wechselt für kolportierte 21 Millionen Euro vom FC Basel ans Berger Feld. Und Routinier Sascha Riether verlängerte seinen auslaufenden Vertrag um ein weiteres Jahr.

Die guten Voraussetzungen

„Schalke 04 ist ein erfolgreicher Verein, und wir wollen gemeinsam versuchen, dass er noch erfolgreicher wird“, sagte der 53-Jährige. In der Tat stehen die Königsblauen nicht so schlecht da, dennoch entwickelte sich – zumindest bei mir – der Eindruck, dass dieser massive Verein stärker sein könnte, wenn an den richtigen Stellschrauben gedreht wird. Die bedeutendste Stellschraube ist die Position des Trainers, den Heidel gerne als „den wichtigsten Mann im ganzen Verein“ tituliert. Ein guter Trainer mache aus einer durchschnittlichen Mannschaft eine gute und ein schlechter Trainer mache aus einer guten Mannschaft eine schlechte – so Heidels Credo. Mit Markus Weinzierl, so die  Überzeugung des Ex-Mainzers, habe er nun diesen „guten Trainer“ gefunden. Ein Umstand, der der Hoffnung zusätzliche Nahrung verleiht.

Mit Blick auf die Zukunft scheinen die Weichen für eine neue und erfolgreiche Ära auf Schalke gestellt zu sein. Finanzvorstand Peter Peters gab bekannt, dass das eigene Stadion 2019 abbezahlt sei. Das Vereinsgelände bekommt in den nächsten Jahren, wenn die schon gestarteten Baumaßnahmen abgeschlossen sind, das „modernste Trainingszentrum Deutschlands“, wie Tönnies ausführte. Der Klub verfügt mit der preisgekrönten Knappenschmiede zudem über eines der besten Nachwuchsleistungszentren Europas. Was fehlt, ist der Angriff auf die Bundesligaspitze und Kontinuität in Deutschlands höchster Spielklasse. „Ich möchte mich ab sofort um diejenigen kümmern, die in der Tabelle vor uns stehen. Und nicht um die dahinter“, klang es schon wie eine Kampfansage von Tönnies. Der aber auch darum warb, den Führungskräften Zeit zu geben: „Wir brauchen Geduld. Lasst die Geduld unsere Stärke sein.“

Mit der Geduld hat es der gemeine Schalker ja bekanntlich nicht so, aber mit der Hoffnung – oder?

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