Umparken im Kopf: Schalke ist atypisch

Was benutzt man, um eine Wand durchzubrechen? Ein Vorschlaghammer wäre wohl die richtige Wahl. Doch was muss man tun, um in sturen Charakterköpfen, alte Muster durchzubrechen? Eine knifflige Frage, die der FC Schalke 04 zu beantworten versucht – mit guten Leistungen und dem Sichtbarmachen eines neuen Kurses. Beim brisanten Aufeinandertreffen gegen den FC Bayern München ist dies geschehen, trotz einer 0:2-Niederlage.

Auf Schalke war man sich letzten Freitag einig: „Da stand eine Mannschaft vollen Willens auf dem Platz.“ Wohlgemerkt, damit war das eigene Team gemeint. Es stimmte vieles. Die Bereitschaft, der Matchplan – so gut wie alles. Nur eben das Ergebnis nicht. Schließlich hieß der Gegner FC Bayern. Um den Rekordmeister zu bezwingen, braucht es stets einen Sahnetag. Irgendwie schien das Resultat nur die Wenigsten gekümmert zu haben. Schalke 04 hat die eigene DNA auf den Rasen transportiert. Mehr braucht es zumeist nicht, um das königsblaue Volk zufrieden nach Hause ziehen zu lassen.

Schalke wirkt befriedet

Bei all der Freude, ob des engagierten Auftreten der elf Männer in blau: Es stehen harte Wochen bevor. Und in diesen Wochen sollte möglichst auch das Ergebnis stimmen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Das Spiel bei OGC Nizza in der Europa League steht bevor und einige Tage später wartet Hertha BSC auf die Delegation aus dem Ruhrgebiet.

Nach diesen Spielen wird man eventuell erkennen, wie weit es Trainer Markus Weinzierl in der kurzen Zeit schon gelungen ist, seinen Plan zu offenbaren. Die zwei Niederlagen in den ersten beiden Bundesligapartien sind alles andere als optimal für die Stimmung auf Schalke – sollte man meinen. Doch, noch stört sich kaum jemand an den Ergebnissen. Schalke wirkt befriedet und gelassen. Schalke ist atypisch.

Das königsblaue Umfeld neigte in der Vergangenheit gerne dazu, nach zwei, drei Niederlagen zu brodeln, nervös und hektisch zu werden. Manager Christian Heidel und sein Team genießen aber großes Vertrauen. Dies spürt man förmlich. Die Situation nach der Heimniederlage gegen Ancelottis Bayern war ein kleiner Schritt in die Richtung, die Heidel einschlug.

Die Performance stimmt

Das „typisch Schalke“-Denken war nicht aufzufinden. Heidel strebt eine Bewusstseinsveränderung an. Dies geht nicht von heute auf morgen und vermag auch nur Step-by-Step zu funktionieren. Dazu benötigt es jedoch die nötige Geduld, die dem Schalker Umfeld allzu oft abgesprochen wird. Sollten die beiden angesprochenen Auswärtspartien ebenfalls sieglos enden, wird diese Geduld auf die Probe gestellt.

Ein endgültiges Urteil verbietet sich natürlich in der kurzen Zeit. Doch bereits jetzt ist es augenfällig, dass der große Plan für die treue Anhängerschaft greifbar wird. Anders als in den Jahren zuvor. Am offensichtlichsten ist die Veränderung in der Mannschaft zu finden – dem Herzstück. Die halbe Truppe in der Startelf gegen den FC Bayern war neu. Bewusst ausgesuchte Charaktere. Es wirkte wie eine Operation am offenen Herzen, die gelang. Obwohl das Team um Trainer Weinzierl selbstverständlich noch nicht eingespielt sein konnte, stimmte dennoch die Performance. Dies zeigt auf, was möglich wäre, wenn sich der Kader weiter positiv entwickelt.

Schalke hat zwar noch keine Punkte geholt und kein Tor geschossen, aber beides ist nur eine Frage der Zeit. Auch nach zwei Niederlagen herrscht überwiegend Optimismus – verrückt, aber wahr. Und dafür braucht es noch nicht einmal einen Vorschlaghammer, um es begreiflich zu machen.

Hassan Talib Haji

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