Boateng beklagt Rassismus in Deutschland: „Zuschauer brüllen Affenlaute“

München – Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng von Bayern München hat einmal mehr über rassistische Beleidigungen in Deutschland geklagt. „Wenn ich mich am Rand des Spielfelds warm mache, höre ich öfter, wie Zuschauer Affenlaute von der Tribüne brüllen, obwohl ich für Deutschland so viele Spiele bestritten habe. Oder sie rufen Sachen wie ‚Verpiss dich in dein Land!‘ oder ‚Scheißneger!'“, sagte der 30-Jährige in einem Interview mit seinem Lifestyle-Magazin Boa.

Boateng war schon als Kind und Jugendlicher immer wieder mit dem Thema konfrontiert worden. Bei manchen Spielen in Marzahn oder in Leipzig hätten die Eltern der gegnerischen Mannschaft ihn und Mitspieler bespuckt. „Dabei waren manche von uns gerade mal zehn Jahre alt“, sagte Boateng.

Er erinnere sich „an ein Pokalspiel beim Köpenicker SC. Da ist der Vater eines Gegenspielers auf unsere Seite gekommen, hat mich die ganze Zeit beleidigt und seinem Sohn zugerufen: ‚Mach den fertig, den Scheißnigger‘. Irgendwann hab ich angefangen zu heulen“, erzählte der dunkelhäutige Verteidiger.

Heute spüre er bei Beleidigungen keinen Stich mehr, so Boateng, „aber als ich jünger war, war das brutal. Meine Eltern sprachen lange nicht mit mir über meine Hautfarbe. Sie war gar kein Thema. Dann ruft dir plötzlich jemand ‚Hey, mein kleiner Nigger‘ zu. Meine Eltern haben mir da erklärt, dass manche Menschen Probleme mit meiner Hautfarbe haben. Ich konnte das nicht glauben. Für ein Kind ergibt das keinen Sinn.“

In Berlin und im Osten Deutschlands gebe es „manche Orte, an die ich meine Töchter auf keinen Fall lassen würde, nach Marzahn oder Weißensee etwa“, sagte Boateng. Wenn rechte Parolen bis in die Mitte der Gesellschaft vordringen, „sollte jeder aufstehen und Stellung beziehen. Wir Spieler bekommen viel Aufmerksamkeit. Mir ist in den vergangenen Jahren immer klarer geworden, dass ich für viele Menschen auch ein Botschafter bin.“

Mit Künstler Herbert Grönemeyer beantwortete Boateng in dem Doppelinterview vor allem Fragen zur gesellschaftlichen Stimmung in Deutschland. Das Land ringe mit sich, sagte er. Die Flüchtlingskrise werde in seinem Freundes- und Kollegenkreis nach wie vor viel diskutiert.

Er spüre, dass viele Leute ihre Mitmenschen wieder mehr in Schubladen steckten: „Eine für die Deutschen, eine für die Migranten. Und die Deutschen, deren Eltern vielleicht ausländische Wurzeln haben und die nicht weiß sind, sich aber völlig deutsch fühlen, weil sie hier aufgewachsen sind, werden wieder skeptischer angeschaut.“ (SID)

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