Kolumne: Breitenreiter fehlt Rückendeckung der Schalke-Bosse

Nach dem Revierderby gegen Borussia Dortmund (2:2) vergangenen Sonntag lobte Andre Breitenreiter sein Team und schoss einmal mehr gegen die mediale Berichterstattung im Umfeld des FC Schalke 04. Auf seine Mannschaft und dem Trainerteam werde permanent „draufgetreten“, beklagte er. Der Trainer sieht sich unnötigen Widerständen ausgesetzt und betont, dass ihn die Begleitumstände auf Schalke „völlig kalt“ ließen. Diese Sichtweise kann man nicht unbedingt teilen, da er seit Wochen den Eindruck vermittelt, als führe der Fußballlehrer einen Kampf gegen die Medien.

Foto: Uwe Bassenhoff

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Breitenreiter hat sich vor einiger Zeit mit dem zukünftigen Sportvorstand Christian Heidel zu einem persönlichen Gespräch getroffen, dessen Inhalt er nicht öffentlich kommunizieren möchte. Angesichts der hartnäckigen Gerüchte um ein offenbar ernstes Interesse an Augsburg-Trainer Markus Weinzierl oder anderen gehandelten Kandidaten wie Lucien Favre oder sogar Ralph Hasenhüttl, über die spekuliert wird, wäre es für Schalke 04 ein Leichtes, dieser Trainerdiskussion den Wind aus den Segeln zu nehmen. Würde sich beispielsweise Heidel zu Breitenreiter bekennen, könnte dieser Heldt darüber informieren, dass der amtierende Trainer auch in der kommenden Saison an der Seitenlinie der Schalker Arena stehen wird. Doch dies geschah offensichtlich nicht.

Größer werdende Einsamkeit

Bei der obligatorischen Pressekonferenz vor dem Bundesligaspiel bei Tabellenführer FC Bayern München ließ Manager Heldt die Chance ungenutzt, seinem Trainer Rückendeckung zu verleihen. Es wirkt allmählich so: Je genervter Breitenreiter wird, umso entspannter gibt sich Heldt. In der Vergangenheit stützte der Noch-Sportvorstand seine Trainer in schwierigen Phasen immer, bei Breitenreiter ist dies nicht der Fall. Ganz gefährlich wird es, wenn dies selbst Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies unterlässt. Dieser gab (vor dem Revierderby) der FUNKE Mediengruppe ein großes Interview. „Wann werden Sie dem Trainer mitteilen, dass seine Zeit auf Schalke endet?“ – so die Frage der Journalisten.

Es wäre die Gelegenheit gewesen, ein Plädoyer für den Trainer abzuhalten. Tönnies antwortete wie folgt: „Natürlich werden wir einfordern, und das wird auch der Trainer von der Mannschaft einfordern, dass die am Sonntag einiges wieder gutmachen. Es geht darum, dass bei allen die Antennen ausgefahren sind: Was müssen wir korrigieren, um erfolgreich zu sein?“ Weder von Tönnies, Heldt oder Heidel erfolgte ein klares Bekenntnis zu Breitenreiter. Vielleicht ist der Fall um den Ex-Trainer vom SC Paderborn schon so weit, dass dieser davon in Kenntnis gesetzt wurde, dass seine Tage auf Schalke nach Ende der Saison gezählt sind und niemand seiner Vorgesetzten möchte sich mit einem Treueschwur den Mund verbrennen. Da klare Aussagen fehlen, ist auch dies eine Spekulation.

Was hängen bleibt, ist der Eindruck, dass Breitenreiter im Verein die Fürsprecher ausgehen. Seine Spieler haben sich in der Vergangenheit stets positiv über den Trainer geäußert. Etwas Negatives kundzutun wäre wohl schwerlich möglich, da auch die Protagonisten selbst bemüht sind, kein Öl in die lodernde Glut zu gießen. Die Entscheidung zu einer Zukunft Breitenreiters am Berger Feld, falls sie noch nicht getroffen wurde, fällt logischerweise Heidel. Mit ihm soll auf Schalke ein kompletter Neuanfang her.

Ob dies auch mit Breitenreiter als Steuermann der Mannschaft geschehen wird, gilt nach jetzigem Stand als unwahrscheinlich.

Von Hassan Talib Haji

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