Das Ende der Zweiklassengesellschaft

Der Liebe Jung verfolgt schon seit ein paar Wochen den Fußball. Anfang der Achtziger war es, als er begann, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Das Panini-Album der WM 1982, die taktische Meisterleistung gegen unsere österreichischen Nachbarn und die Schwalbe von Battiston jejen dä Tünn bleiben bis heute unverfälscht in Erinnerung. Ebenso wie etwas später Magaths Treffer im Landesmeisterfinale gegen Zoff, Dieter Hoeneß‘ Turban und Lothars absichtlicher Fehlschuss im Pokalfinale gegen die Bayern, mit dem er den ersten Teil seiner Ablöse einspielte.

Mindestens so alt wie diese Erinnerungen ist auch die Verzweiflung über die Zweiklassengesellschaft im Deutschen Fußball. Die Trennung ist dabei recht einfach: FC Bayern vs. der Rest. Dabei wurde man nicht müde, die immer wiederkehrenden Argumente zu bemühen:
– die Millionenstadt,
– das große Stadion nach den Olympischen Spielen,
– das starke wirtschaftliche Umfeld,
– man kauft anderen die besten Spieler weg, um sie gezielt zu schwächen.

Diese Argumente waren stets berechtigt. Denn München ist die einzige Millionenstadt in Deutschland und nur dort wurden Spielstätten gebaut, sowohl für Olympia als auch für die WM. Der Rest der Republik wird staatlich subventioniert, da die dort dominierende Agrarplanwirtschaft zu wenig abwirft und deswegen hat man auch zu wenig Geld für Spieler außerhalb eines 15-Min.-S-Bahnradius ums Stadtgebiet.

Diese ewige Polemik erlebte einen Aufschwung auf ohnehin schon hohem Niveau, als die Champions League eingeführt wurde. Mit den Milliarden, die man dort einnahm, war klar: Das katapultiert die Bayern nochmal so richtig nach vorne! Niemals wieder würde ein anderer Verein Meister und so ist es bekanntlich auch gekommen.

Das Bedauerliche an dieser Sache ist nicht etwa, dass die Bayern alles gewinnen und die Liga in der Spitze langweilig ist. Vielmehr ist es eine Tragödie, mit welcher Selbstaufgabe der Rest hinter den Bayern diesen Status abnickt und sich alles Andere als kämpferisch zeigt. Vor wenigen Monaten werden die Bayern und Pep kritisiert, dass sie sich von Jahr zu Jahr verschlechtern. Erst Triple, dann lediglich Double, schließlich sogar nur die Meisterschaft. Eine miese Bilanz gegen den 2. – 5. der Endtabelle 2015 (3S – 3U – 4N) und das erneut klägliche Scheitern im Champions-League-Halbfinale stehen für eine Saison, der Blinzelmäuschen Didi „Das Metronom“ Hamann den Bayern und Pep „eine Vier Minus“ erteilt. Die Folge: Die Bayern nehmen sich diese Kritik, wie jede eines ihrer ehemaligen Spieler, zu Herzen und gabeln einen Brasilianer aus ostukrainischem Kriegsgebiet rein aus Nächstenliebe auf. Zufällig stellt sich heraus, dass er so fix ist, dass er sogar vor Kugeln weglaufen kann. Dazu ein junges Möchtegern-Wesley-Snipes-Double von Juves Ersatzbank sowie ein chilenischer Casinogänger mit den Attributen eines Favela-Crack-Dealers. Und die spielen gar nicht mal schlecht.

Und was macht Wolfsburg? Die verkaufen DeBruyne und Perisic.

Und was macht die Republik? Die schreit: Die Liga ist nicht ausgeglichen!

In Spanien kennt man das gar nicht anders. Vorne teilen sich Barca und Real die Titel untereinander auf, schon seit jeher. Und was machen dort die anderen? Die jammern nicht, sondern sehen zu, wenn sie aus Sevilla kommen, dass sie dann ab und zu mal die Europa League gewinnen. Und Atlético wird sogar mal Meister. Von unseren „Topteams“ schafft es Wolfsburg als einzige Mannschaft ins Europa-League-Achtelfinale, kommt dann sogar weiter, um dann im Viertelfinale gegen Neapel zu Hause einen auf die Mütze zu kriegen und kläglich auszuscheiden. Und dann verkaufen Sie noch Herz und Seele ihres Spiels… und dann schreit der Rest der Republik: Die Liga ist nicht ausgeglichen.

Theorie: Das Problem sind nicht die Bayern, das Problem ist der Rest.

Wenn die Lösung für das „deutsche Problem“ nicht von innen kommt, warum dann nicht von außen?

Als jemand, der eine Europakarte zu lesen weiß, ist sich der Liebe Jung schon lange gewahr geworden, dass die Katalanen früher oder später aus ihrer Zweigniederlassung einen Betrieb auf eigene Rechnung machen werden. Sie werden dann einen zusätzlichen Farbtupfer auf Europas Flickenteppich darstellen und den Kontinent mit ihrer Kultur, Sprache und Fußballliga bereichern. Das wirklich Interessante an diesem Thema ist jedoch: Was wird aus dem FC Barcelona? Die spanische Liga hat schon mehrfach erklärt, dass nur spanische Teams in der Liga mitspielen können. Okay, also wird Spanien so ähnlich wie die schottische Liga nach dem Rangers-Zwangsabstieg: Die Katholiken räumen bis auf weiteres alles ab. Wo aber wird Barca spielen? In einer katalanischen Liga zu kicken, macht genauso viel Sinn wie – nach der sicher auch irgendwann kommenden Sezession Bayerns, die sich vermutlich der Rest der Republik mehr wünscht, als die Bayern selbst – eine Bayernliga, wo die Bayern-Amateure mehr zweite Plätze einheimsen als Leverkusen jemals zuvor in seiner Geschichte.

Warum nicht das machen, was die Amis in ihrem unendlichen Sportkommerz vorleben? Eine nationale Liga, die sich auf mehrere Länder erstreckt! Barca spielt in der Bundesliga mit! Die Lösung aller Probleme:

a) Bayern hat einen ernstzunehmenden Gegner, der nicht nur rumlamentiert und wenn doch, dann versteht es keiner, weil kein Mensch Katalanisch spricht.
b) Barca darf sich weiterhin in einer europäischen Topliga messen und verliert nichts von seinem Ansehen.
c) Die Bundesliga erlebt einen ungeahnten Boom an nationaler und internationaler Aufmerksamkeit. Die Welt wird Schlange stehen, um „den neuen Klassiker“ zu erleben.

Im Grunde eine Winwinwinwinwinwin..-Situation! Aber natürlich gibt es auch die ständigen Nörgler, die auch bei dieser Lösung noch ein Haar in der Suppe finden. Diese Pseudoargumente sollen hier kurz ausgeräumt werden:

“Ja, aber die Tradition…”

„Tradition ist die Illusion der Permanenz“, sagte Woody Allen in einem seiner Filme. Von ihm stammt auch die fast ebenso tiefsinnige Weisheit: „Sag nichts gegen Masturbation. Das ist Sex mit jemandem, den ich liebe!“
Kommen wir zunächst zum Traditionsgefasel. Ist Euch mal aufgefallen, dass man nur bei Mannschaften von Tradition spricht, die sich im Tief befinden? Beispiele: Der HSV, VfB und 1860 – allesamt Traditionsvereine! Bei FC Bayern oder Real Madrid redet kein Mensch von Tradition. Da sind es Rekorde und Titel, die aufgezählt werden. Gladbach war bis vor ein paar Jahren ein Traditionsverein, jetzt verwendet diesen Begriff keiner mehr. Ebenso der FC. Auf Sport1 war montagsabends immer die Rede von „dieser Traditionsverein, der in die 1. Liga gehört“. Im Moment ist es ein grundsolider Erstligist.

In Köln sagt man bekanntlich: Dinge, die zwei Mal in Folge passieren, sind Tradition. Entsprechend sollte man es mit Barca handhaben. Wenn die erstmal ihre 2. Bundesligasaison auf dem Buckel haben, wird sich niemand mehr daran stören.

“Ja, aber die weite Anreise für Gästefans.”

Das Problem entsteht sowieso nur in eine Richtung. Bei den (Ex-)Spaniern sind die Auswärtsfahrten nicht so populär wie unter den hiesigen Fans. Und hier kann man bspw. ein festes Flug-Shuttle ab Frankfurt einrichten. Rechtzeitig zu jedem Heimspiel von Barca hebt der Flieger zu von der Liga subventionierten Preisen inkl. Gästeticket ab, so dass der Fan „nur noch“ den Transfer zum Fraport organisieren muss.

Wer es nostalgisch mag, kann sich in die Saisonabschlussfahrten an die Costa Brava zurückerinnern, in dem er einfach mal eine 22-stündige Bustour auf sich nimmt. Sicherlich ein geringeres Risiko, dass auch daraus eine Tradition wird.

“Ja, aber dann sind es ja nur noch Bayern oder Barca.”

Also doch lieber Bayern alleine?

Der Rest könnte sich Barca als „Zweitverein“ nehmen. Die Dortmunder machen ihre 67. Fanfreundschaft, die Sechzger stellen fest „de hom aa Blau in dern Leiberln!“ und alle Anderen ergötzen sich einfach an dem Duell. Man stelle sich vor, Pep bliebe Trainer der Bayern und Barca holt Mourinho und sie würden sich eine Saison lang bekämpfen, in der Liga, im Pokalfinale, im Champions-League-Finale! Die Bundesliga wäre der Fußballnabel schlechthin und die Welt würde danach lechzen, ihren Zeigefinger darin zu puhlen.

Ihr seht also, das ist die Lösung, auf die Fußballdeutschland sehnsüchtig wartet. Und mit jedem Liken/Teilen dieses Artikels unterstützt Ihr einen Appell an die DFL, hier rechtzeitig Verhandlungen aufzunehmen und diese eine solche Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen!
Bis zum nächsten Mal, wenn wir uns mit dem Thema Masturbation und Selbstliebe näher auseinandersetzen.

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