Ostdeutschland ist Fußball-Diaspora

Die Bundesligasaison 14/15 ist zu Ende und wir möchten bei kickwelt zum Schluss eine Statistik der etwas anderen Art anschauen, die in dieser ausführlichen Form noch nirgendwo zu sehen war. Insgesamt standen in der abgelaufenen Spielzeit 454 verschiedene Spieler für die 18 Clubs auf dem Platz.

Wir haben uns diesmal aber keine „Leistungsdaten“ angeschaut, sondern zusammen mit unserem Partner n-tv.de einfach mal die „Herkunftsdaten“ der Profis gesammelt und aufbereitet. Hier ist zunächst einmal die interaktive Grafik, in der kräftig geklickt werden kann.

Dabei kommen einige sehr interessante Details ans Tageslicht, die wir im Folgenden genauer beleuchten wollen: 216 von 454 Spieler wurden im Ausland geboren, das entspricht einer beeindruckenden Quote von fast 48 Prozent. Die Nummer 1 ist dabei Brasilien, wo 16 Spieler das Licht der Welt erblickten. Dahinter rangieren die Eidgenossen aus der Schweiz mit 14 „Geburten“, gefolgt von Frankreich (13) und etwas überraschend Japan (12).

Schaut man sich die deutschen Bundesländer an, gibt es aber auch einige Überraschungen: 238 Bundesligaspieler wurden in Deutschland geboren (unabhängig von deren Staatsangehörigkeit). Davon kommen nicht überraschend die meisten aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (genau 63 Akteure), was etwas überproportional zur tatsächlichen Einwohnerzahl liegt. Danach folgt Baden-Württemberg mit 44 Spielern (auch etwas mehr, als aufgrund der Einwohnerzahl zu erwarten war) und auf dem dritten Platz Bayern mit 33 Spielern (in etwa pari mit der Gesamteinwohnerzahl).

Betrachtet man allerdings Ost-Deutschland, dürfte man doch etwas verwundert sein. Nur zusammen 25 Spieler wurden in den mittlerweile nicht mehr so neuen Bundesländern geboren. Davon kommen alleine 19 aus Berlin und Sachsen (12 und 7), der Rest darf doch als Fußball-Diaspora bezeichnet werden, zumindest auf die Häufigkeit in den Kreißsälen bezogen. Nicht ein aktueller Bundesligaspieler wurde in Brandenburg geboren und in Thüringen (Tobias Werner und Clemens Fritz), Sachsen-Anhalt (Nils Petersen und Marcel Schmelzer) und Mecklenburg-Vorpommern (Felix Kroos und Daniel Brückner) auch nur jeweils zwei. Insgesamt kommen die fünf „Ostländer“ plus Berlin auf circa 16 Millionen Einwohner, was in etwa 20 Prozent der Gesamteinwohnerzahl entspricht. Die 25 Spieler bedeuten aber nur 10,5 Prozent der in Deutschland geborenen BL-Spieler, worin ein deutliches Gefälle zu erkennen ist. Die Ursachen dafür lassen Raum für Spekulationen offen.
Julian Brandt ist ein Unikum im Westen der Republik. Er ist der einzige Profi, der im Stadtstaat Bremen geboren wurde. Bei den Flächenländern liegt im Westen das Saarland mit fünf Profis ganz hinten. Schaut man sich die Geburtsstädte genauer an, liegt auch wieder Berlin mit den schon erwähnten 12 Spielern ganz vorne. Danach folgen Köln und München mit jeweils neun Geburten. Die Abstiegsstadt Paderborn kommt immerhin auf vier Spieler, von denen drei auch noch im Verein spielen (Lukas Kruse, Christian Strohdiek und Mahir Saglik sowie der im Winter vom HSV zu Besiktas Istanbul gewechselte Tolgay Arslan) . Die „erfolgreichste“ Stadt im Ausland ist etwas überraschend Abidjan in der Elfenbeinküste: Serey Die, Constant Djakpa, Johan Djourou und Didier Ya Konan teilen sich den Geburtsort.
In der Grafik sind außerdem alle Heimatvereine der aktuellen Bundesligaspieler eingetragen. Hier ergibt sich ein ähnliches Bild, wie wenn man die Bundesländer anschaut. Hier kann jeder selbst seine persönliche Recherche starten.

Außerdem haben wir noch die Debütvereine in der Bundesliga von den aktuellen Spielern analysiert. Hier ergibt sich erneut ein sehr interessantes Ergebnis: 35 Spieler feierten ihr BL-Debüt bei Werder Bremen. Auf den weiteren Plätzen folgen Mainz 05 (28) sowie der VfB Stuttgart und der SC Freiburg (jeweils 27). Ganz unten bei den aktuellen Vereinen stehen in dieser Rangliste der FC Augsburg und der SC Paderborn mit jeweils 13 Spielern.

Es gibt in der interaktiven Grafik noch viele weitere Dinge zu entdecken und die Sommerpause bietet dafür wahrscheinlich genug Zeit. Wir werden zum Start der neuen Saison an dieser Stelle mit frischen Statistiken zurückkommen.

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