Borussia Dortmund wie Uli Hoeneß

Die Überlegung gab es wirklich. Ja, ich habe daran gedacht Pfingstpause zu machen. Keine Kolumne am Feiertag schreiben und auch nicht danach. In der Abgeschiedenheit der Eifel, wo ich nach kurzem Aufenthalt in Sachen DFB-Pokal der Frauen, wieder gelandet bin, geht das eigentlich ganz einfach. Hier gibt es nicht nur wie überall im Land keine Tageszeitung an diesem Feiertag und natürlich auch keinen kicker. Ja, hier gibt es sogar nur stockend Internet.

Der USB-Stick und auch das Handy finden ihren Weg noch langsamer auf die Fußballseiten, als die Fakten und die Folgen des letzten Bundesliga-Spieltages in mein Bewusstsein. Und das geht nicht wirklich so richtig schnell. Vielleicht hat es eben auch mit den mangelnden Quellen zu tun, die mir das ganze Drama nochmal vor Augen führen.
Wie geschrieben hier fällt es nicht nur schwer sich via sky-go oder anderer legaler Video-Archive die Grausamkeiten bildlich vor Augen zu führen, hier geht es nicht mal in der online-Version von Bild, Express und Co zu schmökern. Vielleicht wäre das hier genau der richtige Ort für alle Fans und Verantwortlichen von Fortuna Düsseldorf.

Hier ist die Welt noch in Fortuna-Ordnung, hier ist die unglückselige Meier-Elf noch erstklassig. Und wenn der Fernseher ausbleibt, bekommt auch keiner mit, ich zitiere die ARD-Sportschau, wie ein ganzes Dorf kopfsteht und seinen Verein feiert.

Ein Bild das jeden schmerzt, der nicht aus dem Kraichgau stammt: Eine Hand voll Fans feiert eine Hand voll klatschende Spieler, die fröhlich auslaufen. Ich hoffe, ich habe die Szene richtig wiedergegeben. Ich habe nämlich nur ganz, ganz kurz hingeguckt. Nicht nur, weil ich es nicht sehen wollte, sondern weil ich während der Sendung im Ersten die Höhepunkte vom DFB-Pokalfinale der Frauen zusammengefasst habe. Ein unterhaltsames Spiel, aber das wirklich nur mal wieder so ganz nebenbei, aber auch dabei kamen die Erinnerungen an einen verrückten Samstag immer wieder hoch.

Denn, mein Samstag, den ich beim Spiel zwischen Freiburg und Schalke verbracht habe, endete im Zug damit, dass mein kleiner Sohn mich tief traurig anrief und weinend darüber informierte, dass Holger Stanislawski den 1. FC Köln verlässt. Und eben in diesem Stadion fand dann ein gut und prominent besuchtes Endspiel statt, mit anschließender Jubelfeier, die bewies, was Köln für ein großartiger Fußballstandort ist. Ein Standort als Bürde?
Nein! Aber wohl ein Standort, dem nicht jeder gewachsen ist und ein Standort, der einmal mehr beweist, dass die Liebe der Fans zum Verein, das einzig wahre und glaubwürdige ist.

Wem kann denn der Fußballfreund noch glauben, nach diesen Wochen, nach diesem finish? Außer vielleicht den Schiedsrichtern, die den letzten Bundesligaspieltag der Jubiläumssaison erst noch so richtig spannend machten. Da gab es gleich zweimal verfrühten Jubel, in vielen Stadien der Republik und wohl nicht nur in Hannover, wie Düsseldorf leidlich erfuhr, sondern unter anderem auch in Freiburg, wo mir jeder seine Abneigung gegenüber der TSG 1899 aus Hoffenheim bekundete. In beiden Fällen galt aber nicht nur zu früh gefreut, in beiden Fällen galt aber auch: Chapeau liebe Unparteiische, zweimal das Richtige zu tun. Wenn auch im Falle des wiederholten Elfers für die Spielvereinigung Greuther Fürth festgestellt werden muss: Wo bleibt die Linie, wo bleibt die Konsequenz? Aber das ist ja ein anderes, und in dieser Saison durch Hand oder nicht Hand, erst richtig hochgekochtes Thema.

Fakt aber ist: Die Wiederholungs-Entscheidung in Augsburg war korrekt, die Abseits-Entscheidung in Dortmund auch.Wenn der überlieferte Dialog zwischen Markus Gisdol („was regst du dich so auf, für euch geht´s doch um nix“) und Jürgen Klopp („für uns nicht, aber für Düsseldorf“) stimmt, frage ich mich, wo blieb denn vorher die Hartnäckigkeit des Vize-Meisters und Champions-League-Finalisten im Duell gegen den Vorletzten der Bundesliga? Im Duell gegen ausgerechnet den Verein, gegen den gerade die Dortmunder seit Jahren und immer wieder neu schießen. Von Clubchef Watzke bis hin zu Chefcoach Klopp.
Mal ganz abgesehen von den Fans, die durch die ein oder andere ungute Aktion auch bewiesen, dass wird nie eine Freundschaft zwischen den Hopps und Klopps.

Da darf sich dann wirklich keiner wundern, wenn viele – nicht nur Fortuna-Fans – auf den BVB gerade nicht gut zu sprechen sind und plötzlich dem FC Bayern für das Finale die Daumen drücken. Ganz nach dem Motto, der BVB ist doch genau wie Hoeneß.
Na, wenn wir dann dieses fatale Facebook-Posting einfach mal annehmen wollen, dann kann ich nur hoffen, dass das Resultat dasselbe ist, wie bei Uli Hoeneß Selbstanzeige: Die ausgelöste Welle der bekennenden Steuerbetrüger gleicht ja, was die Radio-Nachrichten stündlich melden – immerhin eine Quelle, die sogar in der abgelegenen Eifel funktioniert – einer Reue-Flut. Also: Setzt keine Maßstäbe an andere, die ihr nicht einhalten könnt. Und / oder auf fußballdeutsch: Nur die Tabelle lügt nicht.

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