Der neue König im Dschungel

Ich weiß es gibt eine neue Königin. Keinen König. Ich habe es gelesen, nicht geguckt. Ich würde es aber auch zugeben, wenn ich bei jeder Live-Sendung dabei gewesen wäre. Kein Problem. Soll doch jeder gucken, was er möchte. Oder um es mit dem aktuellen Kölner Karnevalsmotto zu sagen: „Jedem Jeck/Narr seine eigene Pappnase“. Problematisch wird es dann, wenn du davon nichts mit kriegen willst und dem ausgesetzt bist. Weil jeder drüber schreibt (Bild erstklassig), jeder drüber spricht und noch mehr drüber bloggen, die sich lieber erst einmal den neuen Volksduden kaufen sollten oder zumindest die Grammatik-CD auf ihren Computer installieren. War gar nicht so? Leser(in) hat nichts, aber auch gar nichts vom Dschungelcamp mitbekommen? Und denkt nur an Brigitte Nielsen, wenn in den Nachrichten etwas über den Silikonskandal  aus dem Baumarkt hört? Kann schon sein. Irgendwie kam man drum herum, wenn man wollte.

Ganz anders bei dem Mann, der wahrscheinlich nie aus finanziellen Gründen den Weg Ailtons beschreiten muss: Michael Ballack! Dem Thema aus dem Weg zu gehen war und ist beinahe unmöglich. Seit dem 22. Januar, seit dem Tag ohne Handschlag, gab und gibt es täglich einen kräftigen Nachschlag. Oder sollte ich besser schreiben einen Nackenschlag? Wahrscheinlich schon, ist treffender und passender. Denn es wurden Dinge publik, die ich nie für möglich gehalten hätte. Nicht etwa die Tatsache, dass ein Bundesligaverein, einen Spieler ein gestelltes und vorgegebenes Interview führen lässt. Das gehört wohl zu einer PR-Strategie dazu, wie spätestens jetzt ein jeder wissen sollte.

Dass aber dieses Vorhaben von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Sportdirektor Rudi Völler, öffentlich wird, das hat mich dann doch mehr als erstaunt. Zumal es ja nicht in dem Sinne öffentlich wurde, dass es ein investigativer / vernetzter Kollege es herausgefunden hat.  Nein – es wurde vom Verein veröffentlicht, nicht per Verlautbarung aber offenherzig.
Ist das eine beispielhafte Transparenz? Eine, an der sich zum Beispiel unser Bundespräsident orientieren kann / soll / muss? Oder ist das nicht viel mehr eher eine öffentliche Hinrichtung?

Es war zumindest eine weitere Salamischeibe, zu der am Tag danach noch ein Pfund obendrauf kam: „Das Projekt Ballack ist gescheitert“. Und nach dem Metzgerei-Theken-Motto, darf es noch ein bisschen mehr sein, hieß es dann: „Wir werden das professionell abwickeln!“
Das Michael Ballack da keine Purzelbäume vor Freude schlägt, da wäre selbst Philipp Lahm ohne Ghostwriter drauf gekommen. Dass Ballacks Berater verbal um sich schlägt, noch klarer und vorhersehbar. Wann hat Michael Ballack eigentlich zuletzt selber was gesagt?
Dass der Herr Rechtanwalt und Spielerberater aus Luxemburg seine Kritik natürlich nicht intern macht, ebenfalls klar. Auch, dass er, die, die er normalerweise an die Kette legt, jetzt für seine Zwecke einspannt.  Es ist dies nur ein weiteres fieses und unappetitliches Detail.

Für alle, die nicht wissen, was ich meine: Ballack-Berater Becker hat mehr Journalisten verklagt als Brigitte Nielsen Schönheitschirurgen. Der Rechtsanwalt, der gerne mal das gesprochene und verbriefte Wort einfach so streichen ließ oder eben umformulierte, gab ausgerechnet dem Sportinformationsdienst ein Interview.
Inhalt und Überschrift waren ebenfalls so vorhersehbar, wie die Klamotte vom Nacktmodell in Australien: „Der Verein lenkt vom eigentlichen Problem ab!“. Vielleicht wäre das mal ein positiver Nebenaspekt gewesen. In der Tat. Aber es sind zwei Paar Schuhe. Bayers Probleme und das Problem Ballack.

Sicher hat der der Club, der seinen Ambitionen weit hinterherhinkt und spätestens nach diesem Wochenende die Champions League abhaken sollte große Probleme. Mit und durch den Trainer Robin Dutt. Ob die in den Griff zu kriegen sind, wird sich zeigen.
Ob es ohne Michael Ballack einfacher wird, sei mal dahingestellt. Ob der Trainer dann einen Draht zum Team findet und das Team wiederum zum Fußball zurückkehrt, den man von ihm erwarten muss und kann? In dieser Saison wird es keine Antwort geben. da bin ich sicher. Denn erst einmal wird es weiter gehen in der öffentlichen Schlammschlacht.

Dagegen war/ist das Dschungelcamp tatsächlich ein Ponyhof.  Und wie bereits erwähnt: Bei dieser Reality-Show aus dem Rheinland bleibt keiner außen vor. Die läuft und lief eben nicht nur bei RTL.
Ob Doppelpass  oder sky90, ob Bildzeitung  oder Süddeutsche, ob Radio NRW oder Bayern3 – es gab und gibt kein Entkommen. Und ich bleibe dabei, es wird auch noch so weitergehen. Leider. Eine Schlammschlacht ohne Ende, eine Schlammschlacht ohne Sieger, sondern nur mit einer Reihe von Verlierern: Bayer, Ballack, Becker.

Vielleicht gucke ich, im nächsten Jahr dann doch lieber das Dschungelcamp! Sonja Zietlow und Dirk Bach sind nun allemal lustiger als Wolfgang Holzhäuser und Michael Ballack und unappetitlicher kann es auch nicht sein.

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Ein Kommentar

  1. Das ist eine riesen Unverschämtheit was in Deutschland passiert.
    Ballack ist ein Ausnahmespieler der sehr viel für uns (Deutschland)
    geleistet hat. Seine Präsenz aufm Platz ist für jedes Team wichtig!
    Egal, ob für Bayer, Bayern, Chelsea, Nationalmannschaft, er ist ein Leader
    und hat wichtige Spiele gewonnen. Ich finde seine Karriere sollte
    mehr gewürdigt werden und sein Abgang aus dem Profifussball
    könnte schlimmer nicht sein. Erst aus der Nationalmannschaft „gemobbt“,
    jetzt aus Leverkusen?! Ich versteh die Fussballwelt nicht mehr! Haben
    alle alles vergessen? Das Fussballgeschäft ist echt grausam :(
    Wünsche Ballack alles Gute, er ist ein sehr guter Spieler und hat fantastisches geleistet!!!

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