Finale um die finalen Finals

Das hätte ich nicht gedacht, simste mir der Geschäftstführer von kickwelt am Samstag mit dem Schlusspfiff. „Das hätte ich nicht gedacht, dass das alles noch einmal so spannend wird“. Nun ja, ehrlicherweise gebe ich gerne zu, dass meine Antwort lautete: „Was meinst du denn?“. Denn noch ehrlicher gebe ich gerne zu, dass es jetzt nicht so ist, dass ich eine Woche vor lauter Aufregung nicht schlafen kann, nur weil ich nicht weiß, wer jetzt Tabellenvierter wird. Anhänger und Schatzmeister, wenn es letztere denn tatsächlich noch geben sollte in der Welt der Finanzen und Bilanzen, werden das sicherlich komplett anders sehen. Für die geht es um Millionen. Oder eben auch nicht. Denn die Rechnung, dass Platz vier Einnahmen in Höhe von vielen Millionen Euro bedeuten mag ist sicherlich genauso falsch, wie mein Desinteresse. Wobei das nicht falsch, sondern nur leicht vorgegaukelt ist.

Denn, um das klarzustellen: Klar, interessiert es mich, ob Schalke 04 die Qualifikationsrunde bestreiten darf oder die Überraschungsmannschaft aus Freiburg. Jedoch ist dieses Finale am 34. Spieltag kein finales Finale. Da warten gleich noch zwei weitere Finals. Im Falle von Schalke 04 sicherlich dann eher lösbare, als im Falle des Sportclubs. Die Breisgauer treten europaweit nicht nur ohne ihre halbe Erfolgsmannschaft an, sondern eben auch ohne internationale Erfolge. Das heißt, in der Quali warten nur die ganz großen Kaliber. Immerhin hat Christian Streich bewiesen, dass er mit seinem Team, welchem auch immer, er europäisch spielen will. Trotz aller Unkenrufer, trotz aller Skeptiker und kicker-Almanacher, die darauf hinweisen, dass nach dem letzten europäischen Gastspiel die zweite Liga nahte. Noch beeindruckender aber als den kauzigen Coach finde ich den Spieler Kruse. Max Kruse. Nicht weil der vom Breisgau zur Borussia wechselt, sondern weil der das komplett ausblendet und sein jetziges Team Richtung Europa ballert, obwohl er in der kommenden Saison donnerstags am Niederrhein Schiffe zählen kann. Ein Typ der den Fans der anderen Borussia Hoffnung machen sollte: Seht her, trotz Wechsel können Profis Profis sein.

Wobei ich ganz ehrlich nicht wissen will, was passiert wenn Mario Götze in Wembley beim Elfmeterschießen anlaufen muss. Aber, ich will nicht rumspinnen, wobei ich gerne an dieser Stelle aufs Archiv verweise, wo ich nicht nur in der Weihnachtskolumne bereits von einem deutschen Champions-League-Finale geschrieben habe. Aber wie geschrieben, ich will nicht weiter rumspinnen und im Grunde genommen soll es in dieser Kolumne ja auch nur darum gehen, das es am letzten Spieltag um nichts geht. Also eben nicht um nichts, aber eben um nichts entscheidendes. Es geht ums Vorspiel zu zwei weiteren Spielen.

Und das nicht nur bei der Partie im Breisgau, sondern auch bei Dortmund – Hoffenheim, Augsburg-Fürth und Hannover-Düsseldorf. Wobei es bei diesen Spielen, nicht nur nach Meinung des so geschätzten kickwelt-Geschäftsführers, um rein gar nichts mehr geht. Besser gesagt: Nicht nur er meint, der Ausgang ist klar. Borussia Dortmund rächt sich mit Pauken und Trompeten für Tinnitus-Attacken an 1899 Hoffenheim und schickt den Club nicht nur mit dem Applaus der 80 000 Zuschauer im Signal-Iduna-Park in die Zweitklassigkeit. Hannover spielt zuhause mal so, wie nie in dieser Saison auswärts und die Fortuna hilft mit einem Eigentor noch obendrein. Ja und die Spielvereinigung Greuther Fürth macht ganz bayrisch auf Amigo und verabschiedet sich so leise wie die Minister mit der eigenen Frau im Büro.

Gibt es irgendwen, der nicht glaubt, dass Fortuna Düsseldorf Tabellensechzehnter wird und gegen den 1. FC Kaiserslautern in der Relegation ran muss? Ich kenne keinen und ich kenne mehr als genug Fans der Fortuna. Zugegeben mehr Nicht-Fans, aber das hat eher mit meinem Wohnort, denn mit meinem Geburtsort zu tun.Und dass diese dann auch noch glauben, Düsseldorf bräuchte nicht mal die beiden Spiele gegen den FCK austragen, mus ich wohl nicht extra erwähnen. Also, da ist dann nicht mal mehr Spannung vor den beiden finalen Entscheidungsspielen, geschweige denn vor dem vermeintlichen Abstiegsfinale am Samstag.

Und da ich auch überhaupt nicht wissen will, ob sich der Hamburger SV peinlicherweise doch noch für Europa qualifiziert, gucke ich Samstag erst gar nicht hin. Stattdessen freue ich mich auf den Sonntag, auf ein tolles und packendes Zweitligafinale. Oder habe ich da am Sonntag irgendetwas verpasst?

Ähm, wer es nicht verstanden hat: Das war ironisch! Worauf ich hinaus will: So wenig wie entschieden ist, ob Aue oder Dresden bzw. Heidenheim, Osnabrück oder Münster in die Verlängerung dürfen/müssen, so wenig ist das in der ersten Liga entschieden. Ich glaube, dass wir mal wieder überrascht werden, am letzten Spieltag dieser Jubiläumssaison. Und deshalb, ja deshalb werde ich auch Pfingsten opfern und gucken. Spannung hin oder her…

GD Star Rating
loading...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*