Glückwunsch, wir haben es überstanden!

Klar bin ich froh, dass das Champions-League-Finale gelaufen ist, ich bin auch froh, wie es gelaufen ist. Aber, bevor jetzt die BVB-Fans gleich wegklicken, stelle ich diesen Satz direkt klar: Ich meine damit nicht den Ausgang des Spiels. Ich meine damit das Spiel selbst und das drum herum: Eine Werbung für die Bundesliga, eine Werbung für Deutschland. Glückwunsch an alle Beteiligten: Die beiden Mannschaften, aber auch die Fans beider Teams.

Gerne und jederzeit wieder, meinetwegen nicht erst im Jahr 2015, wenn, wie wir ja seit der vergangenen Woche wissen, in Berlin innerhalb von nur zwei Wochen gleich zwei Endspiele ausgetragen werden. Zweimal FC Bayern gegen Borussia Dortmund? Wie gesagt, ich hätte nix dagegen. Nicht gar nichts, aber fast nichts.

Denn das Grauen erfasst mich jetzt schon, wenn ich denke, was dann erst los ist. Ein deutsches Finale in Deutschland? Wird dann jede Zeitung in schwarzrotgold erscheinen? Wird es dann schon vorher zahlreiche Sonderhefte geben? Vielleicht ein Panini- oder Rewe-Sammelbildalbum? Sicher wird dann auch der Sender Phoenix wie in den vergangenenn Tagen n-tv und N24 zu einem verkappten Sportnewssender werden. Aber: Waren und sind das News, wenn ich erfahre, dass hier in acht Stunden der Bus vom FC Bayern vorfährt?

Das ist das, was ich meine mit meinem ersten Satz in der Kolumne und mit der Überschrift: Ich bin froh, dass das Event vorbei ist und jetzt wieder der Fußball im Vordergrund steht.

Jetzt geht es darum aus den sportlichen Erfolgen und aus dem Spiel die richtigen Lehren zu ziehen, die weiteren Weichen zu stellen. Jetzt geht es nicht mehr darum, dass irgendwelche Prominente, wie am Samstag, einer der Klitschkos, in der Bildzeitung, sich offenbaren: „Ich bin für rot, weil Sebastian Schweinsteiger mein Freund ist“. Oder – auch nicht viel besser – sämtliche Politiker meinen, es wäre lustig schwarzgelbe Wortspielereien in jede Kamera zu abzusondern. Nun ja, das zumindest haben wir überstanden. wie auch die Unsinns-Reporterschalten die im Fangebrüll untergingen.

Wobei ich an dieser Stelle sehr gerne loswerde, dass was das ZDF und sky am Finaltag gemacht haben, echt großes Kino war. Da ist jede Mäkelei und jede Kritik kleinkariert, fehl am Platze und vollkommen überflüssig. Sowohl an den Kommentatoren, als auch an den Moderatoren oder den Interviewern. Geschweige denn, den Sendungsmachern. Ein unfreiwillig komisches Highlight war natürlich die Schalt-Gratulation von Joachim Löw an Jupp Heynckes: „Ich höre Sie gut, hallo?“ – Ja, hallo, wer spricht denn da?“ – „Hier ischt der Jogi, der Jogi Löw, Glückwunsch Jupp.“

Das letzterer beinahe unsanft zu Boden gefallen wäre, war eins der Bilder das hängen bleibt, von diesem Finalabend. Eins für das Bastian, ja lieber Herr Klitschko, ihr Freund heißt Bastian Schweinsteiger ebenso verantwortlich war, wie für die Weiterreichung des Pokals an Uli Hoeneß. Eine Geste die sicherlich nicht nur den Präsidenten zu Tränen rührte. Eine Geste, die aber auch verdeutlicht, warum Bastian Schweinsteiger einer der ganz großen Sieger dieses Finals war, selbst wenn er das auf dem Rasen erst nach einer Stunde unter Beweis stellte. Überhaupt zeigten sie viel Menschlichkeit, die vermeintlichen „Mia-san-Mir-Typen“.

Sie gestanden allesamt den besonderen Druck ein, der auf ihnen lastete, am deutlichsten brachte es Manuel Neuer mit seinem „Arsch auf Grundeis“ auf den Punkt. Aber selbst der sonst so auf seine Wortwahl bedachte Karl-Heinz Rummenigge gab tiefe Einblicke ins Seelenleben und sein 1,8 Promille-Spruch darf und sollte ihm niemand als Missachtung des VfB Stuttgart auslegen oder gar als typische Bayern-Arroganz.

Ganz im Gegenteil, ich fand das eher sympathisch und menschelnd. Die Bayern für mich nicht nur ein gerechter Gewinner, auch ein Guter. Und – aber muss ich das erwähnen? – die Dortmunder ein sehr guter Verlierer. Kaum ein böses Wort Richtung Schiedsrichter, nur ein paar Giftpfeile von Hans-Joachim Watzke gegen Jupp Heynckes: „Lewandowski ist nicht sein Thema, er soll sich aufs Pokal-Endspiel konzentrieren“. Bei dem spielt bekanntlich Lewandowski keine Rolle. Aber nicht nur deshalb werden die Tage davor sicherlich entspannter. Es steht ein Fußballspiel an, ein Finale. Kein Event!

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