Jogi oder Joachim? Egal: Hauptsache Jürgen!

Nein, natürlich ist es noch nicht verkraftet, dieses 0:4 gegen die Schweden. Dafür war der Schwedenhappen zu gewaltig und zu groß, den es da ab der 62. Minute zu verdauen gab. Gut, dass es vorher 4:0 stand und so am Ende „nur“ 4:4 hieß. Obwohl ja nun wirklich der Eindruck entstanden ist, bei allen lobenswerten Bemühungen der Berichterstatter, dass es sich nicht um ein Remis, sondern um eine Niederlage handelte. Nur noch einmal festgehalten: Es war und ist keine Niederlage, aber es war und ist selbstverständlich eine Riesenpleite. Und – noch schlimmer – eine Riesenblamage, in der großen weiten Fußballwelt.

Klar, dass es da Kritik hagelte, berechtigte Kritik. Und eben auch Häme. Unsachliche Häme. Zur letzteren muss kein Mensch Stellung nehmen, weder der Bundestrainer, noch der DFB-Präsident, noch der Nationalmannschafts- manager. Und zu Löw-Rauswurf-Vorschlägen oder -Theorien schon mal gar nicht. Joachim Löw ist und bleibt für mich, der beste Bundestrainer, den wir haben können. Und der beste Bundestrainer, den wir seit Ewigkeiten haben. Zugegeben, ob ich das jetzt schreibe oder nicht, hat nicht viel Bedeutung. Mehr Gewicht haben die deckungsgleichen Äußerungen von Franz Beckenbauer und auch Günter Netzer. Letzterer gilt ja beinahe als der Über-Bundestrainer, seit seinen ARD-Zeiten. Was Netzer sagt ist Gesetz und gesetzt. Da gibt es nichts dran zu deuteln.

Und dass der Ex-Experte damit Recht hat, dass dieses Schweden-Spiel analysiert werden muss, ist ja nun auch mal klar. Was aber zur Analyse dazu gehört, ist Schonungslosigkeit. Ich habe es sehr bedauert, dass Joachim Löw nicht im ZDF-Sportstudio zu Gast war.
Zum einen hätte mich sehr interessiert, ob er mittlerweile Gründe für dieses Debakel in Berlin hat, zum anderen, ob er auch mit sich selbst ins Gericht gegangen wäre. Anders formuliert, ob der Bundestrainer innerhalb kürzester Zeit, nach dem Schelten-Schmelzer-Rückzieher, den nächsten gemacht hätte. Zur Schmelzer-Schelte habe ich bereits in der Vorwoche geschrieben, ich bleibe immer noch dabei, es gibt schlimmeres und das darf der Trainer machen. Er darf kritisieren, auch in der Art. ABER: Er muss im Gegenzug auch sich kritisieren.

Seine Fehleranalyse darf nicht bei anderen enden. Führungsspieler hin oder her, falsche Wechsel – die fallen definitiv in den Trainerbereich, in die Trainer- verantwortung. Genauso wie eine falsche Taktik. Und dass die für das Aus bei der Europameisterschaft gesorgt hat, sage/schreibe ja nicht nur ich. Auch da sind sich alle Experten einig. Von A (RD) bis Z (DF).
Auch da hätte ich im Sportstudio sicherlich Klärendes zu gehört. Mit Michael Steinbrecher wartetete im ZDF-Sportstudio genau der richtige. Ein absoluter Fußballfan und vor allen Dingen auch ein absoluter Fußballfachmann. Was das hier zu suchen hat? Nicht viel, ich wollte es nur mal loswerden, weil ich mich echt auf diese Konstellation gefreut habe. Nun ja, es ist bekanntermaßen anders gekommen, Joachim Löw kam nicht.

Die Niederlage, die ja eigentlich keine war, hat nicht zur Genesung beigetragen, im Gegenteil, wahrscheinlich hat sie die Erkältung nur verschlimmert. Es muss ja nicht immer alles auf den Magen schlagen, es kann ja auch andere körperliche Folgen haben. Und dieses Wortspiel vom verschnupften Joachim Löw wurde ja schon überstrapaziert.

Wenn er denn im medizinischen Sinne verschnupft ist, ist ja auch alles gut. Also nicht gesundheitlich, aber eben ganzheitlich. Denn, wenn der Bundestrainer wegen der Kritik verschnupft wäre, wäre er auf dem falschen Weg. Joachim Löw ist in der Bringschuld, er hat noch, zumindest bei denen, die nicht populistisch und dämlich sind, großen Kredit. Den verspielt er nur dann, wenn er jetzt nicht Fehler zugibt.                                                                                                         Wie das geht, hat einmal mehr Jürgen Klopp, der zuletzt vielleicht durch seine Auftritte den ein oder anderen nicht ganz so großen BVB-Fan irritiert und geärgert hat, bewiesen. Die Niederlage, in diesem Fall reden wir ja wirklich auch von einer faktischen Niederlage, gegen Schalke 04 hat der Meistertrainer auf seine  (Pöhler-) Kappe genommen. Die Umstellung  auf die Dreierkette floppte und auch die Rückumstellung nach einer halben Stunde aufs alte System führte nicht zur Wende.

Alles in allem war der BVB schlecht. Wohlgemerkt, das komplette Team!
Was aber hängenbleibt ist, dass der Trainer auf Grund von Aufstellungs- alternativen, sich schuldig bekennt, die falsche Taktik gewählt zu haben. Das ist sicher was, wo sich Joachim Löw ein Beispiel dran nehmen kann.

Löw entschied sich – gegen Italien – keinesfalls aus verletzungsbedingten Gründen für die falsche Taktik.
Er entschied sich gegen Schweden für die Götze/Podolski-Einwechslung.  Und er entschied auf den Verzicht des dritten Wechsels, der spätestens in der Nachspielzeit hätte erfolgen müssen. Fehler, die Joachim Löw eingestehen sollte und sogar muss.
So, wie Jürgen Klopp das (schon des öfteren) getan hat. Der Dortmunder Meistertrainer wiederum kann dagegen von Joachim Löw und der National- mannschaft etwas anderes lernen: Vier Tore Vorsprung sind genauso wenig eine Garantie, wie ein zwölf Punkte Vorsprung.

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