Komisch, gibt’s nicht.

Klar, war es das MOTIV des Tages, an diesem Wochenende. Wo es bis vor kurzem noch vollkommen normal war, dass sich die Fotografen nur um einen neuen Trainer, der zum Glück seit geraumer Zeit nicht einer aus dem bekannten Regal war, drängelten, ist es seit dieser Saison normal, dass das Objekt der Linse gerne auch mal ein Manager sein kann, darf, muss und soll.
Den Anfang machte Matthias Sammer, fortgesetzt am Sonntag wurde es mit Klaus Allofs. Und im Grunde genommen ist es ganz richtig so, dass die Manager und Sportdirektoren im Fokus und somit im Vordergrund stehen. Trainer sind schließlich temporäre Erscheinungen, wie es einst, der nicht bei allen sehr beliebte Bayer-Chef Wolfgang Holzhäuser, formulierte.

Müssen wir jetzt umdenken, sind auch Sportdirektoren variable Größen? Ich glaube, dass das zu viel gedacht und zu weit gegangen ist. Selbst, wenn es vor nicht allzu langer Zeit mit Christian Nerlinger auch einen Sportdirektor erwischte, wie viele Trainer, in Liga 1 und 2, sind in der Zeit gegangen?
Nein, ich glaube, die Sportdirektoren / Manager werden / sollten in einem gut geführten Club auf lange Basis arbeiten. Deshalb ja auch großartig, dass Jörg Schmadtke in Hannover einen unbefristeten Vertrag unterschrieben hat. Das zeugt dann auch mal von Loyalität und Courage. Schließlich bedeutet solch ein Vertrag auch immer die viel kleinere Abfindung, wenn es dumm läuft, sogar den Totalverzicht darauf. Aber das nur mal ganz nebenbei.

Ob Klaus Allofs in Wolfsburg solange wie in Bremen bleibt, kann natürlich kein Mensch sagen. Ob es wünschenswert ist? Ist die Frage der Perspektive. Ganz ehrlich, mir ist es ehrlich gesagt, ziemlich egal wie lange Allofs beim VW-Club werkelt, ich hoffe für ihn zumindest solange, dass alle Kratzer und Schrammen, die er und sein Image bei dem Wechsel bekommen haben, vergessen oder verheilt sind. Denn selbst, wenn alle in Bremen eingeweiht waren, wie es jetzt heißt, war das mehr als unglücklich und bleibe ich bei dem, was ich in der Vorwoche geschrieben habe.

Der Wechsel war zumindest mal ein Kommunikations-Desaster. Ich kann, auch das habe ich in der Vorwoche bereits geschrieben, sowohl den VfL Wolfsburg  als auch Klaus Allofs verstehen. Für beide ist das, um mal im geschäftsdeutsch und damit auch im bundesligadeutsch zu bleiben, eine Win-Win-Situation. Der Club bekommt einen Experten und Renommee, Klaus Allofs einen monatlichen Gehaltszettel auf dem nach allem, was zu lesen war, es alleine Abzüge in sechsstelliger Höhe gibt und – er darf sich der Mammutaufgabe widmen, den Club von den Altlasten des Felix Magath zu befreien.

Im Umfeld wird sich der Rheinländer schon auf Grund seiner Art her leicht damit tun. Das Vertrauen der Mitarbeiter wird schneller wachsen, als die Nachsicht der Werder-Fans. Die haben immerhin die Gewissheit, dass es schon nächste Woche zu einem Wiedersehen kommen wird. Soweit sie denn von Bremen nach Wolfsburg mitreisen, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Dieter Hoeneß, einer der „Magath-Miesmacher“ behaupten sogar, der Vorgänger von Klaus Allofs auf dem Managerposten bei den Niedersachsen begrüßte die vergangene Woche die Verpflichtung ausdrücklich und fand sie mehr als konsequent.
Aber  – er sagte bei „Bundesliga aktuell“ auf SPORT1, dem mehr als geschätzten Kollegen Oliver Schwesinger auch, dass es keinesfalls komisch sei, dass Klaus Allofs nun nach zwei Wochen, auf seinen alten Verein treffen würde. So sei eben nun mal der Spielplan.

Klar, was ist schon komisch in der Liga, in der ein Verein nach drei Tagen auf seinen Ex-Trainer trifft. Auch diese Abnormität ist seit Felix Magath keine mehr. Ich finde es auch nicht komisch, ich finde es mehr als unkomisch, im Sinne von (un)lustig.
Natürlich ist Klaus Allofs niemand, der Interna von seinem vorherigen Arbeitgeber ausplaudert, geschweige denn in einem Buch veröffentlicht und das vorher noch verkaufsfördernd über den Boulevard jagt, aber: Auch seiner Anmerkung im kicker, „ich bin kein Söldner“, wird niemand widersprechen. Aber Klaus Allofs ist auch ein Mensch, ein kluger Mensch zu dem, der sich sein Wissen zu Nutze machen wird.
Sonst wäre er ja auch schön doof. Aber ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn Sebastian Mielitz als Nachfolger von Diego Benaglio nach Wolfsburg kommt, was passiert, wenn sogar Thomas Schaaf dort unterschreibt. Ob dem so sein wird, ich weiß es nicht, wirklich nicht. Ich weiß nur, wenn es denn so kommen sollte, wird das Geschrei groß sein.

Vielleicht gibt es aber auch schriftliche Abmachungen zwischen den beiden grünweißen Vereinen, auch das wissen wir ja nicht. Wenn ja, wäre das durchaus begrüßenswert. Wenn sich alle dran halten noch mehr. Denn wenn nicht, dann wird der Fotografen-Auflauf beim nächsten Wolfsburger Trainer noch größer, als beim neuen Manager. Dann ist das das Motiv der Woche, und je nach dem, wer es wird, sogar das Motiv des Jahres.

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