Lahmweilig

Kolumnenerscheinungstag ist auch Bucherscheinungstag. Das ist auch gut so. Endlich wissen alle, worüber sie da eigentlich reden, was sie da eigentlich beurteilen oder noch schlimmer verurteilen. Wobei, schafft irgendjemand 265 Seiten bis mittags oder abends? Vier Seiten, buchformatig gerechnet acht, sind dann eher zu schaffen. Das ist aber nicht der einzige und mehr als feine Unterschied, zwischen „sprenger spricht“ und „lahm lästert“.

Da gibt es noch ein paar mehr, ganz abgesehen von der Honorierung natürlich. Wobei, ich könnte das Geld gut gebrauchen. Bei Philipp Lahm kann und darf der finanzielle Aspekt ja nicht die Motivation gewesen sein, sonst hätte er in seiner Laufbahn alles falsch gemacht, wäre auch in der Beziehung falsch beraten gewesen. Er selbst hat ja in diversen Interviews und Verlautbarungen erklärt, dass die Selbstreflektion einer der Hauptgründe war, dass bis dato erlebte in Worte zu fassen. Zu schreiben hat er sogar gesagt. Nicht schreiben zu lassen, sondern schreiben. Aktiv, nicht passiv.

Ich weiß in der Tat nicht, was Lahm geritten hat, mit 27 Jahren ein Buch herauszugeben, für „groß und klein“, wie er selbst gesagt hat. Bleiben wir im Kinderduktus, alles was ich gelesen habe , war auch eher klein(scheiß), denn groß(überraschung), geschweige denn skandalös, frech, unterirdisch und wie Rudi Völler sagt „höchst unanständig“. Respektlos ja. So klang es oft in vielen Stellungnahmen und Diskussionssendungen. Dem stimme ich zu. Respektlos.

Ich wurde selbst in der vorigen Woche in der Sendung Heimspiel bei center.tv gefragt (wer es nachgucken möchte: Center-TV-Link) und das wirklich einzige, was ich (auch unter Berücksichtigung des Vorabdruckes in der Bildzeitung) noch gesagt habe: Du kannst dich nicht vor ein paar Tagen darüber beschweren, dass Ex-Kollege Oliver Kahn (wohlgemerkt: Ex-Kollege, wohlgemerkt Ex-Fußballer und noch wohlgemerkter: jetzt Experte) sich mit Kritik meldet und dir das lautstark, eingeschnappt und schnippisch verbieten, um wenig später mehr als annähernd dasselbe tun. Noch verwerflicher: Zum Zeitpunkt der Kahnkritik zu wissen, dass das eigene Buch bald raus kommt und – ganz schlimm – per Vorabdruck in der BILD steht.

Es muss doch ein jedem, erst recht Philipp Lahm, der ja im Buch auch darauf verweist, wie das ist mit den Medien und mit dem Geschäft insbesondere, dass die Bildzeitung sich jetzt nicht die überwiegend harmlosen, belanglosen und beinahe langweiligen Passagen raussucht. Das sind die Vorwürfe, die sich Philipp Lahm machen lassen muss. Dass die Bildzeitung mit den Offenbarungen über Rudi Völlers Trainingseinheiten und Jürgen Klinsmanns Fitnesswahn nix neues abgedruckt hat, hat die Bildzeitung natürlich nicht geschrieben. Warum auch?

Die Bild verkauft sich eben, wie ein Buch über spektakuläres, über fette Balkenüberschriften. Das sind Fakten, ich wiederhole mich gerne nochmal, das hätte Philipp Lahm wissen müssen, wenn es schon sein Berater nicht weiß, respektive ihn da ins offene Messer laufen lässt.
Dass der Verein involviert war, in Sachen Vorabdruck, ist ja mittlerweile offiziell bestätigt und längst kein gut gehütetes, geheimes Selbstverständnis mehr.
Uli Hoeneß, Christian Nerlinger und Markus Hörwick, der Mediendirektor vom FC Bayern, haben das Buch gegen gelesen und wohl ohne große Einsprüche abgenickt. Karl-Heinz Rummenigge hat dies, was zu hören ist, nicht getan und telefoniert wohl nur zur nachträglich Schadensbegrenzung in der aufgeregten Fußballwelt herumt.

Ob der Vorstandsboss des Rekordmeisters und damit auch irgendwie Chef von Philipp Lahm, die Wogen glättet, nach dem Motto ist doch alles halb so schlimm, ist noch nicht durchgesickert. Das würde allerdings wenig wundern.
Denn wie soll jemand, der gerne verbal übers Ziel hinausschießt, die Brisanz dessen einzuordnen verstehen, was da geschrieben steht? Zugegeben FIFA-Präsident Sepp Blatter ist niemand, dem Rücksichtnahme entgegengebracht werden muss, geschweige denn jemand, der es sich verdient hat, in Watte gepackt zu werden. Aber Blatter mit einem Verbrecher in einen Topf zu werfen ist daneben.
Nicht jeder, dem Korruption, Missmanagement, Despotismus und vieles mehr vorgeworfen wird, ist ein Mörder oder mit einem solchen zu vergleichen.
Das gibt es wahrlich mehr als feine Unterschiede. Karl Heinz Rummenigges Vergleich mit Ägyptens Ex-Präsident Mubarak, der sich zu Recht vor Gericht verantworten muss, der ist und war daneben.
Der war und ist kritikwürdig. Und – der Bedarf wahrlich einer Entschuldigung.

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Ein Kommentar

  1. Geht gar nicht was der Lahm sich erlaubt hat. Finde es zudem noch mehr als peinlich den Kahn zu rügen und dann selbst sowas zu machen.
    Lächerlich und eine Bestätigung zugleich, daß der kleine Mann eine Witzfigur ist, der ab und zu mal guten Fussball bietet. Als Kapitän der Nationalmannschaft und des FC Bayern hätte ich mehr Anstand erwartet und mal überlegt was denn passiert, wenn das Buch rauskommt. Sind die Leute wohlgestimmt oder eher verärgert. Aber dazu reicht die weitsicht des Kleinen wohl doch nicht. Und welche Vögel haben das Buch vor der Veröffentlichung gelesen und abgesegnet, denen gehört auch ein Applaus.
    Naja wie dem auch sei, Junge konzentrier Dich auf die Teams die Du vor Mio. Fans führst und blamiere Deutschland nicht!!!

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