Otto – find ich gut

Der Spruch, der gleichzeitig Titel dieser Kolumne ist, ist beinahe so alt, wie der, für den er eigentlich nie gedacht war: Otto Rehhagel. Einst galt diese altbacken anmutende Werbebotschaft für den Versandhandel. Und so wie viele dachten dessen Zeit wäre lange, lange um, geschah ganz das Gegenteil: Er blühte erst richtig auf. Siehe amazon, den heimlichen Retter sämtlicher, lange Zeit dahinsiechender Paketzusteller. Tja und auch der Spruch „Find ich gut“ feierte ein weltweites comeback. Als blauer Daumen bei facebook.

Genauso mit der Zeit mitgehend präsentierte sich Otto Rehhagel auf seiner Vorstellungskonferenz in Berlin: Keine Spur von Verachtung und Missachtung gegenüber Journalisten, die er früher schon mal aufs Übelste beschimpft hat. Und auch keine Spur von Skepsis gegenüber seiner, zuletzt bei der Euro 2004 erfolgreich praktizierter, Taktik. Alle waren fasziniert von der Ausstrahlung des 73-jährigen. Ich auch. Sehr sogar.

Ich habe mich königlich amüsiert, bei allen Sprüchen, bei allen – zum Teil ja durchaus selbstironischen – Bemerkungen. Ich würde Otto jederzeit liken. Ich finde es toll, dass er wieder auf der Bühne „Bundesliga“ mitmischt. Und genau deshalb schreibe ich in dieser Kolumne auch über ihn. Dabei gibt es seit diesem Wochenende doch so viele andere Themen: Die wieder erstarkten Schalker, die immer noch starken Gladbacher, die weiter schwächelnden Bayern und die selbst im Fieberwahn siegenden Borussen aus Dortmund. Wobei die ja nur gegen Hertha BSC gewonnen haben, gegen eine Mannschaft, gegen die bis dato sogar der Verein hätte gewinnen können, der geradewegs und fröhlich schunkelnd Richtung Abgrund trudelt.

Leider hat der 1. FC Köln das Pech und trifft erst auf die Berliner, wenn die Ottos Sprüche und Taktik, wie auch immer die aussehen wird, längst verinnerlicht haben. Andererseits eint die Kölner mit den anderen gerade erwähnten Vereine: So richtig bekommt das alles keiner mit, weil eben gerade König Otto die Bühne wieder betreten hat. Da „liken“ selbst die, die Otto einst vom Hof jagten, ihn wieder: Die Bayern.

Denn was ich gelesen habe, freut sich ja ein jeder über das Comeback. Also fast jeder, denn Thomas Strunz Zuneigung hält sich, was ich gelesen und gehört habe, wohl in Grenzen. Vielleicht hätte der, wenn er denn noch irgendwo Manager wäre, Giovanni Trappatoni, verpflichtet. Und sei es nur damit die legendäre „Struuunz“-PK wieder rauf und runter gesendet wird. Das wäre zum Beispiel bei Otto Rehhagel nicht passiert: Der hat früher nie Spieler beleidigt, wenn es ans Eingemachte ging, dann ging das gegen Journalisten.

Da wurde er oftmals richtig giftig und vergaß auch nicht so ganz schnell, um mal mit eigenen Erfahrungen hier um die Ecke zu kommen. Seine Auskunfts- bereitschaft und sein Verständnis für angebrachte Fragen äußerte er gleich zur Begrüßung im Studio, wenn es bei ihm hieß: „Nur Fragen zum Spiel.“
Ich habe ihn aber auch damals schon als charmanten und eloquenten Plauderer erlebt, der auch zu Späßen auf gelegt war, wenn er mich zufällig in der Stadt, wo er arbeitetet traf: „Was machen Sie denn in meinem Café?“, lautete dann die Begrüßung.

Otto Rehhagel wird sich auch in Berlin seinen Kaffee und sein Café nicht nehmen lassen. Er wird sich auch da, mit dem einen oder anderen Journalisten anlegen und sei es auch nur, um von der Mannschaft abzulenken. Denn, das sei gerne noch mal wiederholt: Auf seine Jungs lässt Rehhagel nichts kommen. Und für ihn sind halt alles Jungs, selbst wenn sie mittlerweile locker sein Enkeljungs sein könnten. Allein das reicht schon aus, um Hertha zu der sensationellen Verpflichtung zu gratulieren.

Der Fokus ist weg, nicht nur von den anderen Vereinen und ihren Problemen, wie bereits oben erwähnt, sondern vor allen Dingen auch von dem eigenen Verein. Keiner spricht über einen unglücklich agierenden Präsidenten, keiner über den wieder einmal größer werdenden Schuldenberg und keiner über den, wie bereits zu lesen war, Immer-Noch-Manager-Lehrling. Schon bei der Vorstellungs-Pressekonferenz musste der, ja durchaus zu Recht umstrittene Michael Preetz (siehe auch im Kolumnen-Archiv) nicht eine Frage mehr beantworten. Am Tag davor wurde er noch gelöchert, ob denn sein Schicksal auch mit dem des neuen, sehr alten Trainers verknüpft sein. Nach dem Motto scheitert der Methusalem, scheitert der Manager.

Fakt ist: Sollte Hertha absteigen, was ja trotz allem durchaus möglich ist, braucht der Verein nicht nur einen neuen Trainer, sondern ein neues Präsidium und einen neuen Manager. Und wenn Otto Rehhagel die Berliner rettet, weil vielleicht zum Beispiel der 1. FC Köln die Kurve nicht mehr kriegt und der SC Freiburg weiterhin nur glänzt, aber keinen Dreier holt, kriegen die Berliner am Ende der Saison ein Problem.

Dann müssen sie mit Otto Rehhagel auch in die neue, kommende Saison gehen und Manager Michael Preetz kann niemandem mit dem Gegenentwurf Ralf Rangnick daher kommen. Dass der Urvater aller „Konzepttrainer“, sozusagen der Rehhagel der neuen Generation, wieder genesen ist, gut erholt und bestens aufgelegt im Aktuellen Sportstudio seine Bewerbungs-Unterlagen einreichte, hat ja jetzt schon keine großen Schlagzeilen produziert. Die, inklusive der Titelblätter (siehe Montagskicker) gehören Otto, dem neuen König von Berlin.

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Ein Kommentar

  1. Matze Klopps Spruch ist hammer: Rehagel sei so alt wie das Olypiastadion. Lol
    Falls Rehakles die Hertha vorm Abstieg rettet dann ist er wahrscheinlich ein guter Trainer. Diese Hertha zu retten wird jedoch sehr schwer sein! Favre hätte es geschafft :)

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