Pause ist nicht gleich Pause

Von wegen Länderspielpause – dieses Mal ist sie anders als sehr viele andere davor. Dieses Mal wird so viel in der Länderspielpause diskutiert, wie selten zu vor. Spätestens jetzt  sollte jedem klar werden: Es darf eigentlich nie mehr von Länderspielpause gesprochen werden, denn es gibt keine Länderspielpause, wenn Länderspiele anstehen!

Ab dem kommenden Wochenende ist Länderspielpause – und zwar bis zum 14. November. Im Moment war/ist einfach nur Bundesligapause. Aber das sagt/schreibt kein Mensch. Es wird ja sogar von Sommerpause und Winterpause geschrieben. Wobei ersteres in diesem Jahr ja zumindest aufs Wetter bezogen stimmte und Zweiteres hat sich ja auch erledigt, seitdem die Bundesliga ja seit längerem nur noch eine Weihnachtspause macht…

All denen, die sich jetzt gerade denken, der Begriff Weihnachtspause ist doch dann auch falsch, sei gratuliert, die Botschaft ist angekommen. Aber kann das das eigentliche Thema der Kolumne sein? Klar, denn all das, was wir ja gerade lesen / erleben zeigt doch eben es gibt gar keine Länderspielpause. Hätte sonst Oliver Bierhoff auf Uli Hoeneß „Tischtennisplatten-Kritik“ direkt reagieren können? Hätte sonst Bundestrainer Joachim Löw mehr schwer als verschnupft sagen können, dass ihn das alles nicht interessiert, wer was sagt oder was wer sagt? Nee, wenn es eine Pause gäbe sicherlich nicht. Dann hätte es auch keinen interessiert. So aber ist es schon ein Riesenthema, mal wieder, das Wohlfühlklima in der Nationalmannschaft. Am besten hat mir dazu die Replik von Philipp Lahm gefallen. Der, den ja plötzlich, obwohl er nun wirklich nie anders war als heute, auch viele kritisieren. Der Kapitän sagte im kicker: Wenn ich Tischtennis spiele, dann im Verein, bei Bayern.

Er hätte, aber das ist eben nicht Philipp Lahm, auch sagen können: Uli (Hoeneß) guck dich doch mal bei uns um und kümmere dich doch lieber um Vereinsangelegenheiten. Nun ja, immerhin hat er dem Präsidenten wider- sprochen, dem viele ja zugesprochen haben. Und alle aus der Liga sagen: Der Hoeneß darf das, der Hoeneß hat gute Absichten, der will was „anschieben“. Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn Joachim Löw es wagen würde, die Wohlfühlatmosphäre an der Säbener Straße zu kritisieren?

Hat der FC Bayern in der Vorsaison drei Titel vergeigt, weil er seine Spieler verhätschelte? Ich glaube, egal wer das sagt/schreibt – der bekommt richtig Ärger. Und wem nutzt die Diskussion der Hierarchie? Wenn Hoeneß die der Nationalmannschaft kritisiert, kritisiert er de facto auch die beim FC Bayern. Schließlich spielen dort ja auch Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer.

Das die beiden ersteren sich gerade verbal positionieren (Lahm siehe oben; Schweinsteiger siehe Bankkritik) kann auch mal als Schuss nach hinten losgehen. Mir stellt sich nur immer die Frage: Warum predigen immer alle, alles soll intern angesprochen werden, aber faktisch macht es dann keiner? Weil sich die Medien (ich liebe diese Pauschalierung…) freuen?
Weil sich nachher alle dahinter verstecken können, ganz nach dem Motto, ach, das haben die Medien doch nur hochgepusht, intern war das gar kein Thema? Ich glaube viele Dinge sind einfach nur nicht durch dacht, sowohl in der Wieder- als auch in der Weitergabe. Das erschwert vieles, als das es Dinge erleichtert.

Nehmen wir mal Schmelzer-Schelte. Im Grunde genommen hat Joachim Löw in der Pressekonferenz („ich kann mir keinen schnitzen“) nichts, aber auch gar nichts Neues gesagt. Dass Marcel Schmelzer gegen Österreich nicht seinen besten Tag hatte, hat jeder gesehen, auch die, die mit einer schwarzgelben Binde durch die Gegend laufen. Für viele gibt es auf links ja nur einen, unseren Jetzt-Wieder-Nur-Rechten-Verteidiger, Philipp Lahm.
Ich habe mir die Pressekonferenz, respektive die Formulierungen von Joachim Löw später noch mal bei DFB.TV angesehen. Sorry, aber das ist nun wirklich kein Grund für einen Massenprotest oder einen Wutausbruch bei BVB-Boss Watzke.
Selbst wenn Oliver Bierhoff nachher von einer unglücklichen Äußerung sprach,
Joachim Löw sich am Montag ja sogar öffentlich für seine Wortwahl entschuldigte, das war nichts Schlimmes. Ganz im Gegenteil. Wenn nicht der Cheftrainer, dem sie viele vorwerfen, dass er stets Dinge beschönigt und nicht wahrhaben will, die Wahrheit sagen darf, ja wer denn dann? Und manchmal hilft eben auch der harte Ton.

Dass Harmonie nicht immer alles ist, hat sich doch zuletzt gezeigt. Was nutzen Superserien in der Quali, wenn du dann in Eintracht vor dem großen Ziel untergehst. Kann sich die Deutsche U21 etwas kaufen für die (fast) makellose Bilanz bis zu den entscheidenden Playoffs gegen die Schweiz? Nein – natürlich nicht. Und das A-Team hat auch nichts gewonnen, weil von der Bank bis hin zum Tribünenhocker alle mitjubeln, wenn ein drittklassiger Gegner wie die Iren überrollt werden. Gewonnen ist dann was, wenn alle offen und ehrlich miteinander umgehen, wenn alle offen und ehrlich miteinander sprechen. Kommunikation ist wie so oft alles. Deshalb darf es auch diese Pause nie geben, die Kommunikationspause.

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