Schalke 0, Null

Wer die Beziehung vom Vize-Chef der Bild-Zeitung, Alfred Draxler, zum FC Schalke 04 kennt, dem war klar, dass das was am Samstag in dem Boulevardblatt stand, dann auch eintreffen wird. Bei einer Niederlage ist Trainer Hub Stevens weg, hieß es da. Und – der Coach war natürlich dann auch weg. Wie gesagt, wer weiß, dass Draxler nicht nur ein Riesen-Fan von Königsblau ist, sondern auch ein absoluter Insider, für den war die Meldung vom frühen Sonntag keine Überraschung, sondern nur noch Vollzug.
Der Holländer ist geflogen! Aber das ist mehr als nur ein dämliches Wortspiel und auch mehr als nur die dritte Trainerentlassung dieser Hinrunde. Das ist eine Demütigung und eine Peinlichkeit, wie wir sie auf Schalke gleich mehrfach erlebt haben am Wochenende.

Schalke 04 bewies mal wieder, die Null im Vereinsnamen steht (auch) für null Größe. Muss nach der Niederlage gegen den SC Freiburg vor jeder Kamera „rumgeeiert“ werden? Oder wie soll ich Äußerungen von Sportvorstand Horst Heldt anders nennen, der da sagte: „Haben Sie Verständnis für mich, ich muss das erst einmal analysieren?“ Ich fand die Aussage, als ich sie live bei sky hörte, peinlich. Warum sagt er nicht was Sache ist?
Dass Heldt nicht zugibt, dass die Bild-Zeitung Recht hat, ist das eine. Aber muss er so tun, als ob er derjenige ist, der das alleine überlegt, geschweige denn alleine eine Entscheidung trifft, in Sachen Trainerfrage. Es wäre doch so einfach gewesen und so ehrlich, der Satz: „Ich kann keine Treuebekenntnis zum Trainer abgeben, wir werden beraten.“ So war es einfach nur eine von vielen Peinlichkeiten auf Schalke.

Die ganz große Peinlichkeit ist nicht nur das Wie der Entlassung, sondern die Entlassung überhaupt. Ein absolutes „No-Go“, dieser Rauswurf, diese Entlassung oder, um es arbeitsrechtlich korrekt auszudrücken, die Freistellung von Huub Stevens.
Sie zeugt nicht nur von null Größe, sondern auch von null Anstand, null Gespür, null Charakter und null Dankbarkeit. War es nicht der Jahrhunderttrainer, der Schalke im Vorjahr nach dem plötzlichen Burn-Out von Ralf Rangnick aus der Patsche geholfen hat?
Oder, um es  noch krasser zu formulieren, Schalke „den Arsch gerettet hat“? War Huub Stevens nicht der Mann der Schalke in die Champions League geführt hat? War er nicht sogar in der vergangenen Saison relativ erfolgreich auf europäischer Ebene? Oder verwechsele ich da irgendetwas? Ich glaube doch wohl eher nicht!

Der Verein hätte sich viel früher vor Stevens stellen müssen. Der ist und war sicherlich nicht einfach im Umgang. Auch nicht in seiner zweiten Amtszeit, obwohl ihm ja alle zuerst die Wandlung vom Knurrer zum Kuscheltier aus Kerkrade attestierten. Trotzdem: Als die Mannschaft aufmuckte, hätte sich der Vorstand klar zum Coach bekennen müssen.
Schon da fehlte die klare Linie, schon da machten sich die Verantwortlichen mitverantwortlich in Sachen Autoritätsverlust und damit dann auch in Sachen sportlicher Talfahrt. Ein klares Bekenntnis hätte dies sicher verhindert. Das heißt ja nicht, dass intern das Gespräch mit Huub Stevens über eine Trennung im Winter hätte geführt werden können.

Denn natürlich gibt es auch Argumente für die Entlassung, klar. ABER: Muss das drei Tage vor einem Pokalspiel sein? Kann das nicht danach in Anstand und Würde über die Bühne gehen? Gab es keine Möglichkeit, Huub Stevens in der Winterpause zurücktreten zu lassen?
Ich glaube, mit entsprechendem Willen wäre dieses durchaus möglich gegeben.
Stattdessen heißt es jetzt: „Der Trainer hat ja zugegeben, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht hat“. Das ist ein richtiges Armutszeugnis. Und noch mal: Nach dem Pokalspiel in Mainz hätte die Chance bestanden, dass Huub Stevens ohne Demütigung den Weg freimacht.
Von sich aus. Das wäre nicht nur für den Trainer, besser muss es ja jetzt heißen, Ex-Trainer, gewesen, sondern sicherlich auch für den Verein und seine Verantwortlichen.
Das Achtelfinal-Resultat gegen Mainz wäre das gleiche geblieben. Das ist zwar sehr hypothetisch, aber mir kann auch keiner das Gegenteil beweisen. Zumal es im Pokal ja nun einmal andere Gesetze gibt. Ich weiß, der Spruch kostet drei Euro, aber: Lieber drei Euro als null Anstand.

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