Sieger im abseits: Dortmund!

Nein, ich werde nicht den Christian Heidel machen und (auch) das (Transfer-)Verhalten des FC Bayern München als eines für einen Meister unwürdiges bezeichnen. Zum einen habe ich keinen Bock, mir wie der Manager des FSV Mainz 05 von Matthias Sammer eine Ohrfeige abzuholen, nach dem Motto, ich kann ja auch nicht beurteilen, wie sich ein Meister verhält, zum anderen, finde ich muss ich das Verhalten nicht auch noch kommentieren. Das, was der FC Bayern gerade macht – ganz unabhängig von der ein oder anderen durchschaubaren Anbiederung in Richtung Uli Hoeneß – spricht doch für sich.

Wobei das ja die falsche Vokabel ist. Denn gesprochen werden darf ja beim Rekordmeister nicht. Zumindest nicht über alles. Siehe die Pressekonferenzen auf dem Weg nach Wembley. Da gab´s vom Mediendirektor die klare Ansage: Eine falsche Frage und Aus die Maus. Neben dem Spott den es bei den übertragenden Sendern gab, Sky-Sport News HD erklärte zum Beispiel seinen Zuschauern, warum die deutschen Journalisten keinen Arsch in der Hose hätten, kassierte der FC Bayern noch fragende Blicke im Ausland, Zensurvorwürfe und: Nicht nur die Medien fühlten sich vor den Kopf gestoßen, was man hört, auch der ein oder andere Vereinsangestellte, sprich Spieler. Ganz nach dem Motto: Wenn wir nichts dazu sagen wollen, dann können wir das selber sagen. Schließlich beweisen die Profis das oft genug und im Nachgang haben sie ja das nötige Gespür auch verbal bewiesen.

Zudem sollten die Verantwortlichen wissen, spätestens nach der Verkündung der vermeintlichen Pensionierung von Jupp Heynckes, dass auch der Trainer nicht gerade auf Bevormundung steht. Und – auch, respektive gerade – Jupp Heynckes zeigt und beweist doch wie schnell er selber ein unangenehmes Thema beenden kann. Lenkt eine Aussage, wie Jupp Heynckes sie nach dem Sieg gegen Barca gemacht hat, etwa ab oder verhindert eine Gala, wenn sie vorher getätigt wird? Ich glaube nicht, ich glaube ganz und gar nicht.

So sprach dem Rekordmeister zwar niemand seine Glanzleistung auf dem Rasen ab, aber irgendwie bekam das dann doch alles ein paar Schlieren. Natürlich auch durch den Transfer von Mario Götze und besonders natürlich durch den Zeitpunkt des Bekanntwerdens.

Wer auch immer die Info der Bild-Zeitung gesteckt hat, der einen Vorwurf zu machen ist absurd und lächerlich. Kein Journalist hätte mit der Veröffentlichung gewartet. Journalisten sind auch nicht dafür da, dass keine Unruhe aufkommt, sie sind dafür da zu informieren und eben auch zu fragen. Wenn sie denn können und wenn sie denn dürfen. Aber das hatte ich ja schon. Und so bewies Borussia Dortmund in der Niederlage vor dem Real Spiel Übergröße. Zwar wurde durch den Kommunikationsdirektor Sascha Fligge vor der Pressekonferenz gemahnt und gebeten nicht zu ausschweifend zum Thema Götze zu werden, aber als dann doch mehrere Fragen kam, brach niemand ab, geschweige denn rastete aus.

Ganz im Gegenteil, diese Pressekonferenz war ein Musterbeispiel für gelungene und perfekte Kommunikation. Ein trotz allem Frust blendend aufgelegter Jürgen Klopp, der weder mit sich Mätzchen machen ließ noch mit den Anwesenden Mätzchen machte und ein Vereinsvorsitzender sowie ein Manager, die sich erst gar nicht in die Bredouille brachten.

So geht Reden und Schweigen auch. Nur so geht´s eigentlich. Und noch mal: Jürgen Klopp hat für diese Pressekonferenz einen Preis verdient. Das war meisterlich, das war souverän, das war brillant. Jeder der es nicht gesehen hat, sollte es sich noch einmal anschauen.

Klopps Anteil an den wenigen Pfiffen gegen Mario Götze kann gar nicht hoch genug bewertet und geschätzt werden. Ich war und bin immer noch begeistert. Natürlich auch von den BVB-Fans. Das war und ist einmalig. Egal, was jetzt am kommenden Samstag beim – dieses Mal wirklich seinem Namen alle Ehre machenden Toppspiel passiert, für ihr Verhalten vor dem Real-Spiel haben die Borussen-Fans den Fairplay-Preis verdient.

Wie erwähnt, ich weiß nicht, was bei der Begegnung gegen Götzes künftigen Arbeitgeber passiert, aber ich kann (und möchte) mir auch da nicht vorstellen, dass sich die Dortmund-Fans ähnlich niveaulos verhalten, wie – viel zu viele – Schalker Anhänger beim Wechsel von Torwart Manuel Neuer zum FC Bayern München.

Ich glaube die Pfiffe schmerzen noch jedem in den Ohren, die Bilder einprägsam, verstörend. Auch damals stand übrigens die Champions League auf dem Programm. Vielleicht ist das für Sonnabend noch einmal ein spezieller Reiz für die BVB-Fans: Wir beweisen im Gegensatz zu den – gerne noch mal unterstrichen viel zu vielen – Anhängern vom FC Schalke 04 Anstand und Benehmen. Sie müssen ja nicht gleich mit Rosen werfen, manchmal hilft auch einfaches schweigen. Nicht erzwungenes Schweigen, sondern gewolltes.

GD Star Rating
loading...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*