Sportwagen, Luxuslimousine und Kombi

Was für ein Wiederbeginn. Die Schreie, die laut und deutlich zu hören waren klingen mir immer noch nach. In erster Linie allerdings nicht die Jubelschreie. In erster Linie wirklich eher die Verletzungsschreie.  Leider gab es davon ja mehr als genug. Oder um es mit der ersten Samstag-Halbzeit zu vergleichen: Mehr Verletzte als Tore. Gruselig. Wie irgendwie der gesamte Samstag. Da war die Vorfreude nach dem Freitagauftakt so groß und dann das.
Und bevor jetzt alle Dortmund-Fans jubeln, weil ich über den mauen Hauptspieltag meckere: Das einzige Hinsehenswerte war das Spiel in Gelsenkirchen und das klare Ergebnis von Schalke gegen den VfB Stuttgart.

Jetzt aber daraus direkt abzuleiten, dass wir einen Vierkampf in Sachen Meisterschaft erwarten können, halte ich dann doch etwas zu verwegen. Sicher hat das erste Wochenende eine Richtung angezeigt, mehr aber auch nicht. Das heißt jetzt nicht gleich, dass nach der Niederlage in Mönchengladbach der FC Bayern nach unten durchgereicht wird.
Das glaube ich tatsächlich nicht. Aber ich hätte auch nicht daran geglaubt, dass der Rekordmeister  derart auseinandergenommen wird. Auch dass gebe ich gerne zu.
Und dass ich in der Bildzeitung Köln darüber in der Montagausgabe auch kein Wort mehr finde, hätte ich auch nicht gedacht. Nichts, kein Wort. Weder über Manuel Neuers erneuten Patzer, noch über Bastian Schweinsteigers verbalen Ausrutscher. Von wegen der Rasen!

Wobei ich dazu gerne eins loswerden würde: Mir hat das sehr imponiert, wie Marco Reus den Kollegen im gemeinsamen Interview in Schutz genommen hat, ihm sogar noch zur Seite gesprungen ist. Man kann ja von der Begründung halten was man will, aber wenn sie von denjenigen, die vor Ort waren, für absurd gehalten wird, dann müssen sie das auch sagen. Ich habe viele (TV)-Journalisten gehört, die sich über Schweinsteigers Aussage lustig gemacht haben, ich habe allerdings keinen gehört / gesehen, der dass dem Nationalspieler ins Gesicht gesagt hat. Das hat nichts mit Respekt zu tun, den bewies fast kniggehaft Reus.
Das hat doch eher etwas mit Feigheit oder Falschheit zu tun. Und auch da bin ich mir ziemlich sicher: Bastian Schweinsteiger hätte sich beim Widerspruch zu wehren gewusst.

So wie Thomas Müller das ja bewiesen hat, bei der beinahe absurden Frage ob die Bayern schon ans Championsleague-Finale gedacht hätten. Sorry – aber wer das glaubt, der muss dann auch zwangsläufig glauben, dass das Freitagsspiel auf einem Acker stattgefunden hat.
Und um damit dann endlich mal zu einem der Gründe für die Überschrift dieser Kolumne zu kommen:  Welche Luxuslimousine kommt schon auf einem Acker in Schwung?
Ich kenne keine. Bevor ich gleich meinen Vergleich, der – aber das habe ich ja schon oft in vielen anderen Kolumnen geschrieben – natürlich hinkt, erläutere. Sei noch klargestellt: Nein, ich kenne auch keinen Sportwagen, der auf holperigem Boden in Schwung kommt.

Trotzdem bleibe ich dabei: Bayern ist die Luxuslimousine, Borussia der Sportwagen. Welche Borussia? Beide! Die aus Mönchengladbach ist nicht ganz so hoch motorisiert, nicht ganz so hoch getunt und aufgemotzt, wie die aus Dortmund, aber dafür hat sie noch mehr Überraschungsmomente auf ihrer Seite. Kilometerfresser sind auf alle Fälle beide. Und Sprit sparend ist das sicherlich nicht, wenn du einen Kaltstart hinlegst und gleich von Null auf Hundert ziehst. Der Vorteil aber: Der Sportwagen kann das. Die Limousine nicht. Die braucht lange, bis sie in Schwung kommt und dann ganz gemächlich – quasi mit Automatikgetriebe – auf Touren kommt. Ob der Sportwagen auf Sicht noch einzuholen ist bis zum Ziel? Das ist die Frage, die wir uns jetzt noch 16 – um im Bild zu bleiben – Rennen stellen können.

Es gibt sicherlich auch gute Argumente für die Luxuslimousine, die im Falle eines Totalschadens wahrscheinlich auch noch besser versichert, aber: Sie ist und bleibt erst einmal schwerfälliger und viel, viel unwendiger. Dabei fällt mir so ganz nebenbei ein, dem Championsleague-Fragesteller, müsste mein Bild übrigens auch gefallen.
Aber das ist echt ein Nebenaspekt ich will damit nur verdeutlichen, dass noch nichts entschieden ist, geschweige denn, dass es nicht Befürworter oder sollte ich in dem Falle besser schreiben, Anhänger für beides gibt: Den Sportwagen und die Luxuslimousine.

Jetzt rufen natürlich alle, die das Bild so verstanden haben wie es gemeint war/ist, die zudem noch Ahnung von Autos haben auf: Die besten Anhänger gibt es aber für Kombis!
Stimmt – und den  Kombi sollten wir auf keinen Fall vergessen im Rennen um den Vergleich Borussia (D und M) und Bayern, und im Rennen um die Deutsche Meisterschaft.
Damit sind wir dann wieder bei der Mannschaft und dem Verein, der uns / mir den Samstag gerettet hat. Schalke 04, das ist weder Luxus pur noch Schnittigkeit ohne Ende.
Das ist in der Tat eher so bieder wie ein Opel-Kombi mit „Baby an Bord-Schild“
auf der Heckscheibe. Selbstredend will ich nicht vergessen, dass eine gewisse Sonderaustattung Innen (Huntelaar und Raul) und ein Fuchsschwanz außen  (Jermaine Jones) vorhanden sind. Und bevor jetzt königsblaue Leser (gibt es eigentlich welche?) richtig wütend werden: Ein Kombi kommt überall durch. Nicht nur auf der Autobahn, sondern auch auf ´nem Acker. Und für alle Leser gilt der Hinweis: Ich fahre einen Fiat 500. Also nichts von alledem.

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2 Kommentare

  1. Der BVB hat eine wunderbare Partie gegen den HSV abgeliefert. Wirklich
    in allen Belangen dominiert und ist aufgetreten wie ein Ferrari 😉
    Der HSV sah eher aus wie ein Oldtimer:). Dennoch glaube ich das der FCB
    Meister wird, da sie einfach die besseren Einzelspieler haben und wenn Rib und Rob fit sind alle Teams besiegen werden auch den BVB. Die Meisterschaft
    holt sich die Mannschaft mit den wenigsten verletzten. Da Gladbach zu sehr von Reus abhängig ist, ist der BVB als kollektiv schon besser und der FCB am Besten aufgestellt. Mein Tipp: 1.FCB, 2. BVB, 3. Schalke, etc.

  2. Also als Bayern Fan muss ich gleich dazwischen grätschen. Gladbach hat Bayern auf keinen Fall auseinander genommen. Bayern hat grotten schlecht gespielt und Geschenke verteilt. Gladbach hat diese gern angenommen.

    Den Autovergleich finde ich sehr gut wobei ich glaube, dass Bayern aka Luxuslimousine auch auf schlechten Boden wieder gewinnt, sobald sie ihren Rhythmus gefunden haben.

    Für mich wird die Meisterschaft ein Duell zwischen Bayern und BVB. Gladbach wird sich gegen die vermeidlich kleineren Klubs (siehe 16. Spieltag Augsburg) schwer tun und Schalke spielt zwar eine gute Rolle bisher, aber deren Qualität reicht nicht an die Luxuslimo oder an den Sportwagen aka BVB ran.

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