Steuerhinterziehung? Ja, ich auch!

Was für ein Wochenende, das da hinter uns liegt. Spannend, überraschend und keinesfalls langweilig. Fürth gibt ein Lebenszeichen von sich, aus dem Zweikampf, wobei die Bezeichnung Duell wohl treffender ist, um Relegationsplatz 16 wird ein Dreikampf. Nicht mehr nur der FC Augsburg und Fortuna Düsseldorf, sondern auch der SV Werder Bremen muss ab sofort auch die verbleibenden Montagabende vor dem Fernseher verbringen. Wer wird der Gegner im Nachsitzen, wer bleibt direkt drin?

Dann der Kampf um Platz 4: Schalke 04 und der SC Freiburg schwächeln bei der Aussicht auf die möglicherweise viel Geld bringende Champions-League-Qualifikation. Borussia Mönchengladbach stolpert an eben diese wieder heran. Ja und sogar der ja eigentlich nur durch peinliche Auftritte auffallende Hamburger SV darf mit nur zwei Punkten Rückstand davon träumen. Nach einem Mega-Pack in München, bald mit Reise-Gepäck nach Manchester? Unglaublich, aber nach diesem 30. Spieltag ist wieder alles möglich. Was für eine zurückliegende Woche also. Inklusive Pokal-Halbfinals.

Und – was für eine Woche, die da vor uns liegt. Fußball vom Feinsten, Feiertage in Dortmund und in München. Die Bundesliga erlebt einen Höhepunkt, nie dagewesenen Ausmaßes. Gleich zwei deutsche Topvereine messen sich mit zwei Vereinen aus der Liga, die bis dato über allem schwebt, aus der Primera Divison. Borussia Dortmund gegen Real Madrid und Bayern München gegen den FC Barcelona. Alle vier Halbfinalisten haben am Wochenende gewonnen. Die aus Dortmund und Barcelona glanzlos, die aus Madrid und München glanzvoll. Es wird spannend, Dienstag und Mittwoch.
Was für eine tolle, vor uns liegende Fußballwoche. Vielleicht sogar noch garniert mit spektakulären Transfers, dazu würde für mich persönlich auch der sich anbahnende
Jobtausch zwischen Jörg Schmadtke und Dirk Dufner gehören.

Wie gesagt, das sind viele, viele tolle Themen die uns/mich beschäftigen können. Tun sie auch. Aber: Leider interessiert es im Moment keinen. Ob im Sportstudio, beim Edeka oder selbst beim Telefonat mit der Mutter, es gibt nur ein Thema. Im Radio fällt der Name Uli Hoeneß in einer Sendestunde gefühlt 20-mal, im TV gefühlt 50-mal.
Und da habe ich Günther Jauchs Sendung noch nicht mitgezählt. Geschweige denn die anderen Talkshows, die noch folgen werden. Uli Hoeneß Steuerhinterziehung schlägt alles. Tatort Finanzamt: Ein neuer Zuschauerrekord am Sonntagabend. Und klar, deshalb komme auch ich nicht drumherum: ja, auch ich. Ja, auch ich schreibe über das Thema, über das Thema Steuerhinterziehung. Wohlgemerkt, ich schreibe darüber.

Wer sich jetzt von der Überschrift getäuscht sieht: Entschuldigung, aber ich glaube, es gibt schlimmeres als mit einem Kolumnentitel die Leser zu locken. Beispielsweise eine Straftat zu begehen. Und – Steuerhinterziehung ist nun einmal nichts anderes. Das ist keine Sünde, das ist Betrug. Den hat Uli Hoeneß selbst angezeigt, deshalb ist das wahrlich keine Spekulation. Aber, ob es sich nur um nicht versteuerte Zinsen von bereits versteuertem Einkommen handelt und ob es sich um drei, sechs, hundert oder 600 Millionen dreht, ist alles Spekulation.
Zumindest solange bis Uli Hoeneß sich dazu äußern wird respektive äußern darf.
Dieter Kürten, der laut Untertitelung in der Sendung „Günther Jauch“ Uli Hoeneß sehr gut kennt und sich verwundert zeigte darüber, dass Hoeneß gerne an der Börse spekuliert, sagte in der Talkshow einen richtig guten Satz: „Ich hätte gerne Uli Hoeneß dazu gehört“.
Ich auch. Er ist der einzige, denn ich hören will. Keine Politiker, die jetzt Wahlkampf betreiben, keine Journalisten die menschlich enttäuscht sind, keine Fans, die sich verarscht fühlen, keine Experten, die Uli Hoeneß zweimal über den Weg gelaufen sind und sein soziales Engagement aus Wikipedia kennen, keine Steuerrechtler die neben ihrer Anwaltskanzlei noch so ganz nebenbei im Landtag sitzen, keine Comedians, die schlechte Witze reißen, keine Sportreporter, die jahrelang antichambriert haben, keine Zeitgenossen, die  meinen sie müssten jetzt offene Rechnungen begleichen, weil ihnen mal übel mitgespielt worden ist. Die gibt es wohl auch. Nur trauen die sich im Moment noch nicht aus der Deckung. Das ist nicht minder peinlich wie inhaltloses Geschwafel.

Wie gesagt, der einzige, den ich gerne hören und sehen würde wäre Uli Hoeneß. Seine Motive, seine Beweggründe. Wenn nicht der EXPRESS am Montag getitelt hätte: „Warum Du, Uli?
Dann wäre das meine Kolumnenüberschrift gewesen. Denn das interessiert mich wirklich. Warum und wieso Uli Hoeneß betrogen hat und – warum er via Sportbild plus sagt: „An einen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender bei Bayern München denke ich nicht.“.

Das würde ich gerne wissen. Von ihm alleine und von niemand anderem.

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