Vorsicht, Explosionsgefahr!

Peng! Da kommt aber gerade mal eine Länderspielpause richtig gelegen. Ich glaube, wenn diese Woche eine englische Woche anstünde, dann würde nicht nur Bruno Labbadia verbal explodieren, dann wäre das 6000 Euro Klopp-Gesicht das Gesicht der kompletten Liga.
Zumindest das von einem Großteil, ein paar wenige sind ja tiefenentspannt. Wobei ein paar wenige ja im Grunde genommen weniger sind, sprich eher ein Paar. Denn mir fällt da ehrlich gesagt – selbstschreibend komplett subjektiv gesehen, ist schließlich meine Kolumne  – nur der SC Freiburg ein und – natürlich – die Fortuna aus Düsseldorf. Bei erstgenanntem wäre nach einer Niederlage gegen die Nürnberger sicherlich auch wesentlich aufgeregter über die Geldstrafe berichtet worden, die Trainer Christian Streich löhnen musste und beim zweitgenannten Verein war die erste Saisonpleite die kleinstmögliche überhaupt und schließlich gab es ja zum Trost das Vereinslogo vor der größtmöglichen (TV)-Kulisse.

Bei allen anderen – bis auf zwei weiteren Ausnahmen, die ich hier nicht namentlich erwähnen möchte, weil es gemein wäre zu schreiben, dass sie eh langweilen und keinen interessieren – geht es mit – schon wieder ein Achtung! Denn es folgt eine der furchtbarsten Sportreporterformulierungen seit der Einführung des Farbfernsehens – mit „ordentlich Dampf unterm Kessel“ in die Spielpause.
Bei manch einem droht nicht nur der Deckel zu Explodieren. Verständlich, denn der Blick auf die Tabelle zeigt: Erste Wegzeichen sind gesetzt, erste Tendenzen zeichnen sich nach einem knappen Saisonfünftel deutlich ab: Zum Beispiel die, das der FC Bayern München national in Sachen Fußball, und international in Sachen Streitkultur vorne weg gehen wird in dieser Saison. Matthias Sammer hat doch alles richtig gemacht, kein Mensch hat sich darüber aufgeregt, dass der Rekordmeister in der Champions League bei einem Verein verloren hat, dessen Namen nicht mal nach der Klatsche alle fehlerfrei aussprechen konnten, kein Mensch hat gesagt, dass der Sieg gegen Hoffenheim beinahe so glanzlos und lätschern war, wie die Absprache zwischen Cheftrainer und Sportchef oder wie der von letzterem so klassifizierte Sieg in Bremen.

Das die Explosionsgefahr dennoch weiter besteht beim Rekordmeister ist am besten daran zu erkennen, dass Präsident Uli Hoeneß jetzt erstmal den Fokus auf andere richtet. Wobei in dem Falle muss ich wohl medienpolitisch korrekt schreiben, anderen den Spiegel vorhält.
Ob Bundestrainer Joachim Löw kontert? Die Diskussion hat uns noch gefehlt. Hoffen wir mal dass die EM-Quali nicht zu einem weiteren Brandherd wird. Die letzte Länderspielpause war schon schlimm genug und war ja im wahrsten Sinne eine Länderspielpause…

Diese sollte eher eine Pause zum Durchschnaufen sein.

Zum Durchschnaufen für Felix Magath beispielsweise, der sich von angesehenen Journalisten nach seiner beruflichen Zukunft fragen lassen muss und in der Süddeutschen Zeitung von einem selbstverschuldeten Wettbewerbsnachteil (Nach dem Motto: Alle Ex-Spieler und Ex-Vereine sind supermotiviert)  lesen kann.
Zum Durchschnaufen aber auch für Tabellennachbarn Fürth. Ironie des Schicksals: Auch einer von den Clubs, die nicht von einem ausgemachten Magath-Freund trainiert werden. Vielleicht sollte Mike Büskens mit dem benachbarten Club einfach das Stadion tauschen. Bei den Nürnbergern häufen sich die Fehler doch aus- wie heimwärts.

Unbegreiflich eigentlich! Da startet die Mannschaft von Dieter Hecking so gut und dann das. Individuelle Fehler der Art, die selbst den stoischsten aller Stoiker zum Rumpelstilzchen werden lassen können. Wie hätte da wohl erst Jürgen Klopp drauf reagiert?
Der ist ja momentan personifiziertes Dynamit. Ich habe ihm nach der gefühlten Niederlage in Niedersachsen gegenübergestanden und noch nie einen derartig missmutigen „Kloppo“ erlebt.

Gut, ich bin auch nicht der „Seuchenvogel“, aber selbst dem „beschimpften“ Kollegen gegenüber blitzte ja noch Humor auf. In den Katakomben der AWD-Arena war davon – verständlicherweise – nix zu spüren. Klar taugen drei verletzungsbedingte Auswechslungen nicht zum Zahnpastalächeln, drei mal drei Punkte Rückstand auf die Bayern sind ja angeblich nicht von Interesse, aber eben auch kein Stimmungsaufheller. Genauso wenig wie die Fragen in der Pressekonferenz nach der „Schlacht von Hannover“. Um deren Güteklasse zu zeigen ein nicht etwa grob wieder gegebenes Beispiel,  sondern tatsächlich ein wörtlich rezitiertes: „Herr Klopp hoffen sie, dass die drei Spieler im Derby gegen Schalke wieder fit sind?“

Da fällt mir dann wirklich nur das Ende von Bruno Labbadias Wutausbruch ein.
Oder vielleicht noch die Replik von Bald-Ex-Ministerpräsident Kurt Beck. Ich habe für beides Verständnis, wobei das nicht viel heißt, wenn selbst Peter Hahne der Jürgen Fliege vom ZDF in seiner Bams-Kolumne solch böse Worte goutiert…

Beide verbalen Vulkanausbrüche beweisen aber auch: Manchmal ist das Fass eben voll, manchmal muss Dampf abgelassen werden. Manchmal hat Explosionsgefahr tatsächlich eine Explosion zur Folge. Die kann aber ja auch mehr als befreiend sein. Nicht immer sorgenbefreiend, aber auch nicht immer jobbefreiend.

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