Was bedeutet Fairplay?

Noch bevor jemand ahnen wollte, dass es in der Liga doch noch mal spannend wird, nämlich in der Frage, die neben der Meisterschaft für mich immer noch am wichtigsten ist, die Abstiegsfrage, musste der Kampf um Platz 3 ausgerufen werden. Und glücklicherweise spielten auch noch die Tabellen-Nachbarn gegeneinander um die Position, die so viel Geld bedeutet. Was also lag/liegt da näher, als das Spiel zwischen dem FC Schalke 04 und Bayer Leverkusen zum Endspiel um Platz 3 auszurufen. Spätestens nach dem Spiel – und dem Blick aufs Restprogramm sowie die Tabelle – sind alle schlauer. Das war kein Finale.

Schon mal gar keins um Platz 3, dem Spielverlauf und dem Resultat entsprechend ging´s nachher eher um die finale Klärung der Frage, was ist Fairplay und was nicht. Oder ums mit dem Tugendwächter Bildzeitung auszudrücken: War das 0:1 ein unmoralisches Tor? Ich glaube dass ist eine Diskussion, die völlig fehl am Platze ist. Die Einschätzungen der Spieler und Verantwortlichen muss ich glaube ich nicht noch mal wiedergeben, die wird jeder Interessierte verfolgt haben. Egal ob im TV, Radio, Web oder in der Zeitung. Respekt gehört sicherlich an dieser Stelle Benedikt Höwedes, der so ehrlich war zu sagen, dass seine Mannschaft wohl auch weitergespielt hätte. Den gleichen Respekt haben aber auch die Leverkusener Spieler verdient. Simon Rolfes, Lars Bender oder Stefan Kießling eine  Moralpredigt zu halten und Vorwürfe zu machen, ist vollkommen absurd. Auch wenn mich der letztgenannte in der Mixed-Zone in der Veltins-Arena vor Wut fast umgerannt hätte, und meinen Interviewwunsch aufs derbste pöbelnd ablehnte, hatte er mein Verständnis.

Was können die Spieler dafür, wenn der Schiedsrichter nicht abpfeift. Manuel Gräfe hat sich abseits der Kameras, in der Schiedsrichterkabine lange und ausführlich dazu gegenüber sky-Kommentator Kai Dittmann geäußert. Vor die Kameras wollte der Referee nicht treten: Er ließ nur ausrichten, für ihn sei weder ein Foulspiel an, noch eine Gesundheitsgefährdung für Marica gewesen. Kann man ja auch gerne mal öffentlich sagen und in die Kamera sprechen. Warum nicht zur Entscheidung stehen, so wie dass die Bayer-Spieler gemacht haben. Auch zu der Entscheidung, dass es kein Foulspiel war. Das ist wirklich das Einzige, wo ich auch sage: Okay, darüber lässt sich gerne noch mal diskutieren. Auch deshalb zitiere ich jetzt mal gerne den Sport-Chef vom Kölner Stadt-Anzeiger, dessen Kommentare sonst nicht immer ganz so meins sind.                        Karlheinz Wagner schreibt: „Die gespielte Selbstverständlichkeit, mit der das Befolgen dieser ungeschriebenen Anleitung zur moralischen Grätsche gefordert wird, hat einen hohen Preis: Wenn das Ritual über seinen Inhalt gesetzt wird, dann verliert wahrhaft sportliches Verhalten seine Größe – wenn nämlich tatsächlich Spieler einen verletzten Kollegen schützen und/oder eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters auf eigene Kosten korrigieren, indem sie den Ball ins Aus spielen.“

Ist dem noch was hinzuzufügen? Ja, ein bisschen was. Zum einen möchte ich Julian Draxler,  falls er die Kolumne tatsächlich lesen sollte, mit auf den Weg geben, dass ich ihm das glaube, was er mir am Samstag ins Mikrofon gesagt hat: Er hätte den Ball ins Aus gespielt. Warum ich ihm das glaube und mich bedanke: Weil Julian Draxler auch eine  katastrophale Ballverwertung seinerseits nicht etwa auf die Bodenbeschaffenheit in Gelsenkirchen geschoben hat, sondern auf sich nahm und einen Fehler eingestand. Und das Danke: Weil Julian Draxler mit diesen beiden Aussagen fairplay abseits des Rasens bewiesen hat. Das finde ich in diesen Tagen fast noch wichtiger. Andersrum: darüber ärgere ich mich gerade richtig und das geht mir auf den Zeiger, was sollen Häme, Anfeindungen und Spott? Mal ganz zu schweigen von dem dabei benutzen Vokabular.

Darüber hat sich wiederum die Süddeutsche Zeitung in der Pflichtkolumne „hängende Spitze“ Gedanken gemacht. Da schreibt mit Klaus Hoelzenbein ebenfalls ein Sportchef darüber, dass früher, das Wort „scheiße“ nicht gedruckt werden sollte und dadurch beispielsweise die schöne Weisheit von Andi Brehme, „haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“ nie ins Blatt gefunden hat.
Gedurft hätten es die Kollegen sicher. Nur: Sie wollten wohl nicht und sind ja auch in der Lage anderer Wörter zu finden, was in der Kolumne gleich durch mehrere Synonyme für die Vokabel Arsch belegt wird. Ist nur die Süddeutsche dazu in der Lage?

Nein, das will und mag ich nicht glauben. Ich kenne auch noch ein paar andere Wörter, aber das tut hier mal grade nichts zur Sache und ich bin auch keiner, der sich nicht mal gerne krass ausdrückt. Ich habe auch nichts dagegen, wenn Jürgen Klopp sich nicht nur jünger ausdrücken, sondern auch noch jünger aussehen will. Was ich meine sind andere Dinge.

Ist der Besuch von José Mourinho in Fürth so lächerlich, dass sich alle darüber lustig machen? Und damit meine ich explizit nicht nur, das was aus Dortmund zu hören war. Ich kenne Mourinho leider nicht persönlich, zu meiner Champions-League-Zeit saß er noch nicht auf der Trainerbank, deshalb vermag ich nur zu beurteilen, was er sportlich geleistet hat. Aber genau aus diesem Grund finde ich, dass sein Besuch des Gastspiels der Borussia beim Bald-Wieder-Zweitligisten Greuther Fürth von Respekt zeugt. Und deshalb sollte ihm auch Respekt entgegengebracht werden. Das bedeutet Fairplay.

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