Von wegen: Wettbewerbsverzerrung!

Natürlich beginne auch die Kolumne mit einem Glückwunsch, ach was heißt mit einem Glückwunsch. Besser doch mit einem Rekord-Glückwunsch. Der Adressat ist auch klar: Jupp Heynckes. Wenn es einer verdient hat, hochzuleben, dann der Trainer des FC Bayern. Auch deshalb, weil er nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt erst einmal wieder den Gegner lobte und über das Spiel sprechen wollte. Ich habe selten eine derart beeindruckende Pressekonferenz nach einem Bundesligaspiel erlebt. Hier der sachliche und frischgebackene Meistertrainer, auf der anderen Seite der hoch emotionale Aufstiegstrainer, der zwar verloren hatte, aber in diesen denkwürdigen zehn Minuten mehr gewonnen hat, als es vorher auf dem Rasen überhaupt zu gewinnen gab. Wer erlebt hat, wie Armin Veh über seinen Podiumsnachbarn sprach, der war gerührt. Da wurden aus den Lachtränen über Jupp Heynckes Witz zur Wintermeisterschaft („es war noch nie so kalt“), plötzlich Tränen der Rührseligkeit. Wenn Uli Hoeneß gesteht, dass er Tränen in den Augen hatte, als die Spieler ihren Trainer hochwarfen, dann gestehe ich das gerne hier auch.

Das Bild, was den Bayern-Präsidenten rührte, als er es wohlgemerkt am Fernsehbildschirm sah, ist für mich auch das beste Meisterbild seit Jahren. Sicherlich wird es auch in die Auswahl zum Foto des Jahres kommen, und sei es als meistgedrucktes. Schön, dass es der kicker zum Titelbild erkoren hat. Ich finde dieses Foto strahlt mehr aus als jedes Bild, das gemacht worden wäre, wenn es denn Weißbierduschen gegeben hätte. Insofern kann ich auch überhaupt nicht verstehen, dass viele Kollegen von einer „komischen“ Atmosphäre sprachen. Wenn Karl-Heinz Rummenigge vom ehrlichsten Titel spricht, schreibe ich von der ehrlichsten Feier. Ich habe dieses alberne Wettrennen auf der Flucht vor der Weißbierdusche nicht vermisst. Freunde dessen und der Schadenfreude, wenn Trainer, Funktionäre und Journalisten begossen werden, werden ja sicherlich auch noch auf ihre Kosten kommen.

Durch den Feier-Verzicht haben die Rekord-Bayern neben der vielzitierten Fokussierung auf ihrer anderen Ziele aber nebenbei noch etwas anderes dokumentiert: Respekt vor den Gegnern. Auch vor denen, die in der Bundesliga noch kommen. Selbst wenn es nur die egoistischen Gründe nach weiteren Rekorden sein sollten, die die Mannschaft und Trainer antreiben, ausgeschlossen wird damit quasi im Vorbeigehen eine Wettbewerbsverzerrung. Der FC Bayern wird sich in den letzten Bundesligaspielen nicht gehen lassen und da es qua Kader auch keine B-Mannschaft gibt, dürfen sich in der Bundesliga weder der
1. FC Nürnberg noch Hannover 96, weder der SC Freiburg noch Borussia Dortmund, weder der FC Augsburg noch Borussia Mönchengladbach auf Geschenke freuen. Ganz zu schweigen vom VfL Wolfsburg im Pokal-Halbfinale, wobei wir da sicherlich das Team auf dem Rasen sehen werden, was die Champions-League-Träume erfüllen soll.

Aber, wie ja bereits oft beschrieben und betont, die Bayern haben nun mal zwei A-Teams. Ganz anders als zum Beispiel Borussia Dortmund. Klar, dass viele als sie die Aufstellung gegen Augsburg gehört haben, sofort das böse Wort von der Wettbewerbsverzerrung in den Mund nahmen oder bei facebook posteten. Ich selbst habe dort zu Spielbeginn geschrieben, dass ich hoffe gegen Fortuna Düsseldorf spielt dasselbe Team. Acht Abweichungen gegenüber Malaga, das fand ich krass. Die krasseste im Tor! Aber Roman Weidenfeller war wohl leicht angeschlagen und – Jürgen Klopp besserte ja nach dem Rückstand auch fix nach. Der Sportsmann will sich schließlich nichts nachsagen lassen. Und – ein bisschen was hatte der Dortmunder Trainer ja auch in der Hinterhand, besser gesagt auf der Bank. Schließlich landeten nicht alle zur Erfüllung des großen und mehr als nachvollziehbaren Traums von Wembley, auf der beinahe ebenso großen Tribüne.

Beim Ex- und beim Neu-Meister denke ich müssen sich die Fans auch keine Sorgen machen. Da gibt es sicherlich andere Kandidaten, die ja auch schon in der BL-Historie bewiesen haben, dass sie Charakter ganz klein schreiben. Muss ich Namen nennen? Ich glaube nicht. Und der Blick auf die Tabelle lässt befürchten, dass es aber genau die Kandidaten wieder sein werden, die zwar nicht ins Titelrennen, aber vielleicht im Kampf um Platz 15 und 16 (k)ein Wörtchen mitreden werden. Die große Euro-Motivation hat sich eventuell bald erledigt. Entweder, wie im Falle des VfB Stuttgart durch Erreichen des DFB-Pokals oder wie im Falle des Hamburger SV durch weitere Bankrotterklärungen wie die, die als Antwort auf das Debakel von München folgte. Da wird sich dann im Endspurt wohl viel eher die Frage nach dem unschönen W-Wort stellen. Wetten?

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Ein Kommentar

  1. Erst wollen Sie keine Namen der Mannschaften nennen, die eventuell Wettbewerbsverzerrung betreiben, doch dann werden doch Stuttgart und Hamburg genannt.

    Und zuvor liest es sich so als hätte Jürgen Klopp gegen Augsburg später Weidenfeller eingewechselt
    Naja…

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