Berichterstattung rund um das „Rafati-Drama“

Kickwelt FlopAuf das Rafati-Unglück wollten wir zunächst nicht eingehen, aber da das Thema in dieser Woche alle Medien beherrscht, wollen wir auch unseren Senf dazugeben. Natürlich war der Selbstmord-Versuch für viele am Samstag ein großer Schock, aber wie teilweise mit dem Thema umgegangen wurde, bleibt uns unverständlich. Christian Sprenger hat in seiner Kolumne bei uns hier ja schon (fast) alles gesagt, aber wir möchten noch drei Aspekte dazu anfügen:

1. Jessica Kastrop: Die sky-Moderatorin hatte das Pech, während ihrer Live-Sendung mit der Nachricht konfrontiert zu werden. Dass sie sich in einer absoluten Stresssituation befand, wollen wir sicherlich anerkennen, aber im Laufe der Zeit gingen die Gäule dann etwas mit ihr durch. Eine Überleitung, „Es kommt einfach keine Ruhe beim FC rein, erst der Overath-Rücktritt und jetzt das“, so zu formulieren, ist ziemlich daneben und das sollte sie auch spätestens direkt danach gemerkt haben. Mehr ist zu diesem Thema nicht zu sagen.

2. der Fall Deniz Aytekin: Wie man vor laufenden sky-Kameras bemerkte, erfuhr der Schiedsrichter von 96-Trainer Mirko Slomka von Rafatis Suizid-Versuch. Wir wissen nicht genau, zu welchen Zeitpunkt das war, aber es spricht nicht für die DFL-/DFB, wie sich das Thema verbreitete. Aytekin hätte sicherlich früher oder später sowieso davon erfahren, aber das hätte eigentlich schnell von offizieller Seite stattfinden müssen. Ganz schlecht war auch der Hinweis auf der Anzeigetafel in Köln (siehe Foto), die anstatt die Zuschauer richtig zu informieren nur noch weiter verunsicherte und das im Zeitalter des mobilen Internets.

3. das generelle, fast heuchlerische Verhalten der Medien am letzten Wochenende den Schiedsrichtern gegenüber: Überall, wo es strittige Entscheidungen gab, hörte man Sätze wie „das war für den Schiedsrichter ganz schwer zu sehen“ oder „da kann man dem Schiedsrichter keinen Vorwurf machen“. An sich sind solche Aussagen natürlich zu begrüßen, aber in der Häufigkeit, wie diese Sätze fielen, sind wir sicher, dass dieselben Kommentatoren in zwei oder drei Wochen wieder in ein anderes Horn blasen – zumal jetzt erst recht, wenn nach „gut“ recherchierten Bild-Artikeln rein private Dinge für den Suizid eine Rolle spielten.

Durch Rafati schafften es übrigens die „klatschende Mehrheit“ der Fans von Hansa Rostock nicht hier rein. Trotzdem soll noch kurz erwähnt werden (andere haben das ja schon zur Genüge abgefrühstückt), dass wieder einmal ein Ostverein bzw. deren Fans sämtliche Fans in Misskredit gebracht hat. Die Raketen, die in den St.Pauli-Block flogen, sind schon nicht tolerierbar, aber die Reaktion der anderen Stadionbesucher ist erschreckend. Vergleiche können hinken, aber wir können uns in der Redaktion noch gut an die Ereignisse Anfang der 90er in Rostock-Lichtenhagen erinnern. Damals griffen einige rechte Chaoten ein Ausländerwohnheim an, die Zahl der Gaffer jedoch, die denen zujubelte und klatschte, war ungleich höher. Aber auch das sind gesellschaftliche Probleme, die (eigentlich) nicht hier hin gehören.

Leider auch nicht geschafft haben es die Rechenkünstler der Sat1-Sportredaktion incl. Moderator Johannes B. Kerner und „Experte“ Franz Beckenbauer. Letzterer zweifelte nach über 30 Minuten nach dem Spiel immer noch am definitivem Weiterkommen von Bayer Leverkusen. Ob hier „die Lichtgestalt“ alleine die Schuld trägt oder auch die Redaktion, können wir nicht beurteilen. Da die anderen beiden Themen aber wichtiger sind und das Thema Regelkunde beim Weiterkommen hier schon einmal thematisiert wurde, nennen wir Sat1 doch in Zukunft einfach das Bafana-Bafana der deutschen Sportmedien. Verzeihen kann man es dem Sender aber alleine schon deswegen, weil man sich ja eigentlich egal wer spielt hauptsächlich auf den FC Bayern konzentriert und da kann das Wissen über andere Vereine schon einmal leiden.

Schön ist es aber auch, dass es Flops wie Sat1 gibt, da bleibt doch auch immer noch etwas zum Lachen übrig – auch wenn es sonst diese Woche viele wirklich schlechte Nachrichten gab.

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