Die Flops der Saison 2010/11

Kickwelt FlopDie Saison 10/11 ist jetzt endgültig vorbei und deshalb nehmen wir uns wieder die Zeit, sie mittels unserer Tops und Flops der Saison ausführlich Revue passieren zu lassen. Die jeweils „Gekürten“ sind zum Teil objektiv und mit Fakten belegbar, teilweise aber auch subjektiv, was selbst in der Kickwelt-Redaktion für reichlich Diskussionsstoff sorgte.

1.) FC Bayern München
Egal ob es am Ende noch zur CL-Quali reichte, es war eine Seuchensaison beim FC Bayern. Die Gründe dafür alle noch einmal aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Hauptfaktoren waren die Zwietracht zwischen Trainer und Präsidium, eine zweifelhafte Personalpolitik und viel Unruhe im weiteren Umfeld. Wir sind uns aber sicher, dass sich das in der neuen Saison wieder ändern wird, denn aktuell läuft sehr viel in die richtige Richtung (Transfers etc.).

2.) Die vier „Nordlichter“ aus Hamburg, Wolfsburg und Bremen
Nördlich von Hannover fanden sich direkt vier Verlierer-Teams wieder, die wir hier zusammenfassen: St. Pauli stieg ab, der große Lokalrivale Hamburger SV dümpelte mit einer Truppe ohne Teamgeist im Mittelfeld der Liga herum. Es stellt sich die Frage, ob das beim HSV in der neuen Saison besser werden wird, auch wenn der neue Sportdirektor Frank Arnesen einige hoffen lässt. Allerdings kann der auch nicht direkt fast eine komplette Mannschaft austauschen.
Weiter südwestlich die A1 runter sah es noch schlechter aus. Zwar zeigte Werder Bremen Kontinuität und entliess (fast als einziges den Ansprüchen nicht genügendes Team) nicht den Trainer im Laufe der Saison. Aber Thomas Schaaf und Klaus Allofs wirkten oft nur noch hilflos und der Klassenerhalt wurde alles andere als souverän geschafft. Für die neue Saison wünschen wir der sportlichen Leitung, dass endlich einmal ein Top-Transfer in der Abwehr gelingt. Ohne den wird sich in der neuen Saison auch nicht viel ändern.
Das vierte Nordlicht, dass geografisch nur minimal nördlich von Hannover liegt, ist der VfL Wolfsburg und wird gleich separat behandelt.

3.) VfL Wolfsburg
Die „Wölfe“ werden deswegen einzeln gehandelt, weil in keinem anderem Verein soviel falsch gemacht wurde wie bei der VW-Truppe. Vor der Saison ging mit „Zwetschge“ Misimovic der Erfolgsgarant der letzten beiden Jahre. Mit Nachfolger Diego kam ein Akteur, der für uns unter den Spielern einer der absoluten Flops der Saison ist. Wenig Impulse im Spiel, fiel er, wie schon aus Bremer Zeiten bekannt, hauptsächlich durch versteckte Fouls auf, die nicht einmal alle von den SR geahndet wurden. Vor dem letzten Saisonspiel setzte er seinem Verhalten durch sein „Abhauen“ noch die Krone auf, die eine weitere Zusammenarbeit zwischen ihm und Magath wohl ausschließen lässt.
Weitere Fehler: der neue und wohl auch überforderte Trainer McLaren setzt in der Abwehr auf den jungen Kjaer, da Barzagli, der zwei Jahre vorher Leistungsträger war, verkauft wurde. Dazu konnte Torwart Diego Benaglio nie mehr an seiner Form der vorletzten Saison anknüpfen. Im Gegenteil: der Schweizer entwickelte sich zum absoluten Sicherheitsrisiko, allerdings konnte Ersatzmann Marvin Hitz ebenfalls nicht überzeugen, so dass Benaglio weiter im Kasten blieb.
Wir sind uns sicher, dass Felix Magath die Schwachstellen erkannt hat und sich da in den nächsten Woche noch einiges tun wird. Natürlich hat auch Ex-Manager Dieter Hoeneß einen großen Anteil am Misserfolg in dieser Saison, neben der Trainerverpflichtung Mc Laren schlugen die meisten Transfers nicht ein, wobei seine Panik-Wintereinkäufe (6 Spieler aus 5 Nationen) wohl ins Manager-Lehrbuch unter die Rubrik „Wie man es nicht machen sollte“ kommen.

4.) Schiedsrichter im allgemeinen
Zwar gibt es ein paar Lichtblicke (siehe Tops), aber im Großen und Ganzen gab es in der letzten Saison viel zu viele Fehlentscheidungen. Ganz oben zu nennen ist in unseren Augen dabei das Trio Babak Rafati, Dr. Jochen Drees und Guido Winkmann, die regelmäßig daneben lagen und man nicht mehr von Aussetzern sprechen kann.
Dazu kommt, dass der Topmann Wolfgang Stark auch in einem „Leistungsloch“ war (Vorrunde), was er durch übertriebene Präsenz, die teilweise in Arroganz mündete kompensieren wollte. Die Quittung war die Auszeichnung „Unbeliebtester SR“ (von den Spielern im Winter). Stark fing sich aber wieder und agierte zuletzt wieder überzeugend.

5.) Fans von Eintracht Frankfurt
Eigentlich haben die stimmungsvollen Frankfurter Fans bei uns in der Redaktion einen guten Ruf. Doch grobe „Aussetzer“ wie bei den letzten Spielen führen dazu, dass wir die Eintracht-Fans diesmal hier einordnen, da Platzstürme oder Bedrohung von Spielern natürlich nicht tragbar sind.
Man wird abwarten müssen wie sich das weiter entwickelt. Jedenfalls wird die zweite Bundesiga in der nächsten Saison durch die „Zugänge“ Frankfurt, St. Pauli, Dresden, Rostock und Braunschweig sowie einigen schon etablierte Teams zu einer, um es mal vorsichtig auszudrücken, „interessanten“ Liga für Anhänger von Risikospielen.

6.) Christoph Daum
Und gleich noch einmal geht ein Platz in der Flop-Liste an die Hessen. Daum kam als der große Retter (Manager Bruchhagen entließ Vorgänger Michael Skibbe nach dem einzigen Rückrundensieg!). Das erste Training wurde live vom HR übertragen und was kam danach? Außer einer obligatorisch guten Leistung gegen den FC Bayern nichts mehr und so wird der Daum in unseren Augen immer mehr zum „Däumling“. Denn wenn man sich seine Trainer-Vita in den letzten Jahren anschaut, ist da nicht mehr viel von den Erfolgen aus den 90-gern zu sehen.

7.) Michael Ballack
Ja, auch der ehemalige „Capitano“ von Jürgen Klinsmann taucht bei den Flops der Saison auf. Warum? Weil bei seinem selbstgesetzten Anspruch erst einmal eine Führungsrolle bei Bayer 04 das Ziel sein sollte, bevor die unsäglichen Diskussionen über ein Comeback im DFB-Team nötig sind. Ballack hat natürlich auch durch Verletzungen geplagt in Leverkusen nicht einmal ansatzweise beweisen können, dass Jogi Löw wieder auf ihn setzen sollte. Wir können uns nur an ein richtig gutes Saisonspiel von Ballack erinnern und das war bezeichnenderweise im Heimspiel gegen Absteiger St. Pauli.
Eklatant ist auch der Fakt, dass einem der (ehemals?) torgefährlichsten Mittelfeldspieler der Welt in 17 Saisonspielen nicht ein Treffer gelang. Vielleicht würde Ballack ein Abgang von Vidal nach München gut tun, denn dann könnte er vielleicht wieder zum Chef in der Defensiv-Zentrale werden. Allerdings sind dort mit Simon Rolfes und Lars Bender zwei weitere starke Spieler im Team. Ballacks Zukunft bleibt ungewiss, aber wir lassen uns da gerne eines besseren belehren.

8.) 1899 Hoffenheim
Auch die Kraichgauer müssen hier diesmal erwähnt werden. Vor nicht mal zwei Jahren waren sie die Shooting-Stars der Liga, die schönen Fußball zelebrierten, aber spätestens nach dem Abgang von Ralf Rangnick war nichts mehr davon zu sehen. Auch wenn man sich das Saisonergebnis noch schön redete mit dem (unwichtigen) Hinweis „beste Rückrunde in der Bundesligageschichte.“ Für uns spielt kaum eine BL-Mannschaft unattraktiveren Fußball und daran muss in der neuen Saison von Holger Stanislawski gearbeitet werden.

9.) ARD/ZDF-Berichterstattung
Wir sparen uns an dieser Stelle erneut einzelne Personen zu „bashen“, aber prinzipiell gilt hier: es muss sich dringend etwas bei ARD und ZDF tun, damit man auch nur annähernd den Anspruch haben kann, den Fußballfan wirklich mit einem guten Produkt zu bedienen. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen (Mehmet Scholl als Experte in der ARD, Michael Steinbrecher als Moderator im ZDF und vielleicht noch ARD-Kommentator Tom Bartels), wo man noch wirkliche Qualität entdecken kann. Gerade das ZDF muss noch einiges tun, wenn man nicht ab nächsten Jahr durch eine grottige CL-Berichterstattung Pay-TV Sender sky weitere Kunden „vermitteln“ möchte.
Ein positiver Ansatz zeigt sich gerade in der ARD: mit Matthias Opdenhövel wurde ein Moderator verpflichtet, der sicherlich konkurrenzfähig ist. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob Opdenövel sich damit wirklich einen Gefallen getan hat, denn die „Platzhirsche“ Delling und Beckmann werden um ihre Vormachtstellung kämpfen. Und ein besseres Samstag-Abend-Format für ihn wie „Schlag den Raab“ (um mal kurz in einen anderen Bereich abzuschweifen) muss erst einmal geboren werden.

10.) Zvonimir Soldo respepktive der 1. FC Köln
Der Kölner Ex-Trainer verkörperte eindrucksvoll das, was man in der Vorrunde „Misserfolg“ nennen konnte. Sicherlich ist Soldo ein „feiner Kerl“, aber ihm fehlt komplett die heutige nötige Ausdrucksstärke in der Außendarstellung. Danach kam dann Frank Schaefer, der zwar Liebling der Fans war und auch für den Umschwung sorgte, aber anscheinend nicht mit dem Druck klarkam (bzw. klarkommen wollte).
Das größte Problem in Köln dürfte aber die Macht der lokalen Medien sein, die ständig neue Zwiste hervorrufen bzw. entdecken. Die Posse zuletzt um Volker Finke ist ein gutes Beispiel. Auch wir kürten zunächst Finke als „Flop der Woche“, im Gespräch im aktuellen Sportstudio mit Michael Steinbrecher konnte dieser aber einiges an ihm gerichteter Kritik widerlegen. Der Erfolg gab Finke am Ende recht, aber es bleibt abzuwarten, wie das Ganze nächste Saison weitergeht.

11.) Marko Arnautovic
Er wurde vor der Saison für ca. 6 Millionen Euro von Bremen verpflichtet, aber genau wie Diego bei Wolfsburg fiel auch der Österreicher hauptsächlich durch Undiszipliertheiten auf – allerdings im Vergleich zu Diego noch mehr abseits des Platzes. Werder, das normalerweise jeden Spieler „von der schiefen Bahn zurückholen kann“, ist hier bisher mehr oder weniger komplett gescheitert.

12.) Oliver Kahn und Lars Ricken
Wir haben gute Experten bei den Tops und wir haben schlechte Experten bei den Flops: Kahn fügt sich beim ZDF leider ins Bild der Rest-Redaktion ein. Er wirkt viel zu statisch, wobei man ihm zu Gute halten muss, dass er mit Katrin Müller-Hohenstein auch jemand an seiner Seite hat, die Kahn teilweise (zu Recht) nicht so richtig ernst nimmt.
Ricken wirkt bei sky immer sehr steif und hölzern, allerdings sind seine Einsatzzeiten (glücklicherweise) auch hauptsächlich auf die etwas stiefmütterlich behandelte Europa League beschränkt.

13.) Wilfried Sanou und Sebastian Schachten
Die kickwelt-Redaktion hat diese beiden Spieler als die „schlechtesten“ BL-Spieler erkoren, die in dieser Saison im Oberhaus aktiv waren. Diese Meinung ist subjektiv, ist aber nicht so einfach aus der Luft gegriffen. Schachten versucht es jetzt eine Klasse tiefer bei St. Pauli und dieser Schritt wäre auch dem (Ver-)Dribbler Sanou zu empfehlen.

14.) Innenministerkonferenz
Ja, auch die Innenministerkonferenz ist ein Flop der Saison, denn schon seit Jahren sträuben sich vor allem die SPD-regierten Bundesländer unter Führung von Kurt Beck gegen eine Liberalisierung des Wettmarktes. EU-Gerichte haben eindeutig entschieden, dass das deutsche Modell nicht rechtens ist und die neue Lösung ist auf halber Stecke stehen geblieben.
Den Profi-, aber auch den Amateurvereinen entgehen aktuell große Einnahmen, auch wenn sich Vereine wie Freiburg und Hoffenheim in der momentanen unsicheren Rechtslage dazu entschlossen haben, mit dem Wettanbieter „tipico“ zusammen zu arbeiten. Auch sport1 und sky senden Spots von „tipico“ und „bet-at-home“, was hoffentlich nur der Anfang ist, denn eine (kontrollierte) Liberalisierung des Wettmarkts hilft vielen. Die Argumentation mit der „Suchtprävention“ ist in unseren Augen eine reine Farce, da es nur darum geht, das deutsche Lotto-Lobbysystem zu schützen.

15.) Mikael Silvestre
Mit großen Erwartungen auf beiden Seiten kam Silvestre aus London nach Bremen. Kaum einer verkörperte aber die Schwächen in der Abwehr bei den Grün-Weißen so wie der Franzose. Zwar war er am Ende der Saison etwas stabiler, aber trotzdem darf der ehemalige Weltklassespieler in unserer Flop-Liste nicht fehlen.

16.) Jugendschutz
Noch einmal etwas Politisches, was zwar nicht direkt mit der Bundesliga zu tun hat (die Probleme gab es im DFB-Pokal und in der CL), aber das Bundesland NRW hat sich mit der Regelung bzgl. Julian Draxler in unseren Augen ziemlich lächerlich gemacht. Nach 23 Uhr darf der 17-jährige Draxler dank dieser unsinnigen Entscheidung nicht mehr spielen.
Hier zeigt sich einmal wieder, dass in Deutschland Bürokraten oft Dinge entscheiden, die abseits der Realität sind. Wir sind der Meinung, wenn ein junger Mann das Zeug hat, für eine BL-Mannschaft auf dem Platz zu stehen, hat er auch die Reife, das noch nach 23 Uhr zu tun.

17.) Timo Hildebrand, Lothar Matthäus und Peter Neururer
Diese drei Protagonisten haben es trotz der ganzen Wechsel-Arien auf der Torwart- und Trainerposition nicht geschafft, einen neuen BL-Verein zu finden. Hildebrand „musste“ nach seinem Auscheiden in Hoffenheim zu Sporting Lissabon wechseln und versauert dort auf der Bank. Matthäus liebäugelt seit Jahren auf einen BL-Trainerjob, parkt momentan aber „nur“ als Nationaltrainer von Bulgarien. Und über die nette „Plaudertasche“ Peter Neururer ist eigentlich alles gesagt, der wird wohl demnächst in Liga 4 oder 5 auftauchen…

18.) Nuri Sahin
Sahin in der Flopliste? Wieso denn das? Ganz einfach, der zukünftige Real-Akteur ist DER Elfmeter-Trottel der Saison, denn er verschoss gleich drei Elfer für Dortmund! Das war eine der ganz wenigen negativen Schlagzeilen war, die der Meister in dieser Saison produzierte. Wenigstens hat der BVB nächste Spielzeit wohl kein Elfmeter-Problem mehr, da Trainer Klopp sicherlich einen sicheren Schützen finden wird.

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