Sportliche Leitung des FC Bayern München

Kickwelt FlopDas Ausscheiden gegen Inter Mailand war bitter und die Gründe dafür sind teilweise hausgemacht und ein Teil davon hätte vermieden werden können, wenn man nicht in den letzten Jahren gravierende Fehler gemacht hätte. Die Verantwortung dafür trägt die sportliche Leitung des FC Bayern und deswegen geht der Titel Flop der Woche eben darum an Christian Nerlinger und Louis van Gaal, die zumindest nach außen die sportliche Leitung des FC Bayern München darstellen.

Im ersten Moment war für viele Bayernfans und auch für neutrale Beobachter Breno der Hauptsündenbock für die Niederlage gestern. Aber trägt Breno wirklich die Hauptschuld? Breno wurde von vielen Experten, seit er in München ankam, sehr kritisch gesehen. Der Brasilianer verfügt zwar über eine sehr starke Physis: er ist sehr robust und schnell und geht oft kompromisslos in die Zweikämpfe. Genau da liegt aber auch sein Problem, denn durch sein Zweikampfverhalten ist praktisch jeder Zweikampf im Strafraum ein Risiko. Wenn er sich dann selbst zurücknimmt, passieren Dinge wie beim 2:3. Natürlich kann man sagen, er braucht noch Erfahrung und irgendwann kommt das. Wir sagen: dieser Spieler ist kein Spieler, der den Ansprüchen des FC Bayern genügen kann, wenn man wirklich auf Dauer in der Champions-League erfolgreich sein will.

Im Folgenden möchten wir ein paar Personalien ansprechen, die aus unserer Sicht für die aktuelle Situation verantwortlich sind. Das Thema Mark van Bommel sparen wir uns dabei, da es hier vor ein paar Wochen schon Thema war. Zunächst einmal beschäftigen wir uns mit weiteren ehemaligen Bayern-Spielern, bevor wir auf die aktuellen Spieler eingehen. Klar ist, dass man nicht nur die Abwehr für die sportliche Talfahrt verantwortlich machen kann, aber die verfehlte Ein- und Verkaufspolitik in diesem Bereich ist sicherlich der Schlüssel zum Problem.

Martin Demichelis: zu Zeiten von Ottmar Hitzfeld war der Argentinier noch einer der besten Abwehrspieler der Liga. In der Klinsmann-Zeit begann sein Abstieg durch Verletzungen. Bei van Gaal war er dann plötzlich auch nach Verletzung außen vor – auch deswegen, weil van Gaal in der Innenverteidigung darauf Wert legt, dass die beiden Spieler jeweils „fußbezogen“ spielen, das heißt auf der linken Seite spielt ein Linksfuß und rechts ein Rechtsfuß. Dieses Prinzip wurde spätestens in den letzten Wochen nach Badstubers Verletzung über den Haufen geworfen, aber Demichelis, dem man einfach etwas mehr Vertrauen hätte geben sollen, hat sich mittlerweile in ähnlicher Weise wie van Bommel nach Spanien geflüchtet.

Auch bei Lucio war dies ähnlich, allerdings konnte man da noch das Argument zählen lassen, dass man dafür eine vergleichbar hohe Ablösesumme kassierte und Lucio aufgrund seiner taktischen Defizite schon vorher nicht unumstritten war. Bei Inter Mailand brachte ihn dann aber José Mourinho wieder auf den richtigen Weg zurück und er avancierte dort wieder zu einem Innenverteidiger von internationaler Klasse.

Geht man noch weiter zurück, muss auch der Verkauf von Mats Hummels nach Dortmund sehr kritisch gesehen werden. Die Ausleihe zunächst machte sicherlich Sinn, aber dann wurde definitiv auf das falsche Pferd gesetzt. Während man Breno hoffnungsvoll in Nürnberg parkte, wurde gleichzeitig der aktuelle beste Abwehrspieler der Liga, Hummels, nach Dortmund mehr oder weniger verramscht. Das Thema Hummels dürfte nach dessen langfristiger Verlängerung in Dortmund wohl auch jetzt endgültig beendet sein für den FC Bayern.

Genug zu den „verflossenen“ Namen, jetzt gehen wir kurz auf die aktuellen Abwehrspieler ein:

Kraft/Butt: beide sind sicherlich sehr gute Torhüter und Kraft dürfte auch noch eine große Zukunft vor sich haben. In den letzten Wochen, als es darauf ankam, war er aber bis auf das Hinspiel gegen Mailand nicht der Rückhalt, der ein guter Torhüter sein sollte. Kraft kann man sicherlich dabei keinen Vorwurf machen. Für die neue Saison gibt es für uns trotzdem keine Alternative: sollte der FC Bayern wirklich „Epochales“ planen, muss trotz der teilweisen Fanproteste Manuel Neuer an die Isar wechseln.

Lahm: Lahm ist der neue Kapitän des FC Bayern, aber zumindest nach außen trägt er die Binde nur spazieren. Von den Leistungen einmal ganz zu schweigen, denn Lahms wirklich große Auftritte im Trikot des FC Bayern sind auch schon so lange zurückliegend, seit er von links nach rechts wechselte. Dazu kommt natürlich auch, dass er wohl der einzige Spieler im Kader des FC Bayern ist, der auf seiner Position konkurrenzlos ist, was wohl nicht an seiner Leistung liegt, sondern an fehlenden Alternativen (siehe dazu auch unsere Statistik der Woche).

Innenverteidigung: für Daniel van Buyten gilt das, was eigentlich auch für Demichelis gilt, allerdings auf einem etwas anderem Niveau. Der Belgier ist ein solider Bundesligaspieler, aber sicherlich kein Mann von internationaler Klasse, wenn es darum geht, die Champions League zu gewinnen. Dazu kam bei ihm noch, dass ihn die eigenen Fans in der Vorrunde auspfiffen, was bei diesem doch sehr verdienten Spieler in unseren Augen auch überhaupt keinen Stil hatte. Dazu hatte er wohl mit privaten Problemen zu kämpfen.

Über Breno ist weiter oben schon alles gesagt, bleiben noch Anatoliy Tymoshchuk und Holger Badstuber. Der Ukrainer wurde als Notnagel in der Innenverteidigung eingesetzt, obwohl er eigentlich im zentralen Mittelfeld seine Heimat hat. Dort machte er seine Sache über weite Teile der Saison sehr gut, musste dann aber im Zuge der letzten Spiele auch seinen Stammplatz wieder abgeben. Holger Badstuber ist eine weitere tragische Figur in der Bayern-Abwehr. Letzte Saison schaffte er den Sprung von 0 auf 100 und durfte sogar mit nach Südafrika zur WM. Danach fand er auch aufgrund einer langwierigen Verletzung nie zu seiner alten Form und wurde zuletzt wieder von van Gaal teilweise auf der linken Außenbahn eingesetzt. Durch schlechte Leistungen dort wurde er noch zusätzlich verunsichert. Potenzial hat Badstuber auf jeden Fall, aber es müsste durch behutsame Aufbauarbeit wieder geweckt werden.

Die vierte Position in der Viererkette ist sicherlich ein weiterer Knackpunkt im Bayern-Spiel: mit Contento wollte man in die Saison gehen. Der junge Deutsch-Italiener zeigte sehr gute Ansätze, wurde aber auch durch Verletzungen zurückgeworfen und muss noch endgültig beweisen, dass er auf dem von Bayern gewünschten Niveau eine dauerhafte Lösung sein kann. Außerdem durften dann noch Gustavo, Pranjic und sogar Braafheid in dieser Saison ran. Van Gaals ehemaliger Wunschspieler Braafheid blieb jede Bundesligatauglichkeit schuldig. Gustavo und Pranjic sowie Badstuber teilten sich in den letzten Wochen den Posten. Den besten Eindruck dabei machte dabei noch der Kroate Pranjic, der einige starke Auftritte lieferte, aber eigentlich eher der linke Mittelfeldmann ist und defensive Defizite zeigt, gerade dann, wenn mit Franck Ribéry jemand vor ihm spielt, der wenig bis gar keine Unterstützung liefert.

Als letzten Punkt sprechen wir noch die Besetzung der Doppel-Sechs im Mittelfeld an. Seit van Bommel weg ist, spielt Schweinsteiger wieder wie vor zwei Jahren: ohne Selbstvertrauen und ohne wirkliche Klasse. Kroos soll sein Partner auf dieser Position werden oder Gustavo. Wir sehen auch diese Personalplanung sehr kritisch und halten die Lösung für diese Position weiter unten parat.

Fassen wir zusammen: es ist Einiges falsch gelaufen in der Personalpolitik in der Abwehr des FC Bayern. Van Gaal geht spätestens zum Saisonende, Heynckes wird wohl kommen und Nerlinger wird wohl bleiben. Was ist zu tun, damit es wieder nach oben geht? Neben Neuer muss in der neuen Saison mindestens ein Innenverteidiger her und ein Mann für die linke oder rechte Außenbahn. Lahm wäre ja variabel einsetzbar. Dazu braucht es im Mittelfeld einen Spieler, der in van-Bommel-Manier dazwischen gehen kann und das Team wachrüttelt. Den idealen Mann dafür könnte „Don Jupp“ direkt aus Leverkusen mitbringen: Arturo Vidal erfüllt alle diese Attribute und könnte beim FC Bayern der neue Aggresiv-Leader werden, alleine müsste man ihn dazu erst einmal wollen und bekommen.

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