Uli Hoeneß (Präsident FC Bayern)

Kickwelt FlopUnser Flop der Woche ist diese Woche Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Warum? Nicht wegen der Neuer-Sache oder wegen den 1860-Verflechtungen, sondern weil Hoeneß ohne Not Torhüter Thomas Kraft eine weitere Zukunft beim FC Bayern „verbaut“ hat.

Uli Hoeneß war hier auch schon Top der Woche wegen seiner Verdienste für den FC Bayern, aber in den letzten Wochen ist in unseren Augen viel von seinem Glanz gebröckelt. Die komplette kickwelt-Redaktion (inkl. aller Bayern-Fans) ist der Meinung, dass das Bemühen um Manuel Neuer vollkommen legitim ist und der Wechsel für Neuers Karriere die absolut richtige Entscheidung wäre. Beim FC Bayern könnte im Tor eine neue Epoche beginnen.
Und in der Geschichte mit 1860 und den angeblichen Lügen halten wir uns bedeckt. Da steckt auf jeden Fall mehr dahinter, als der „normale“ Fan verstehen kann/will.

Was aber in unseren Augen das Fass zum Überlaufen gebracht hat, waren die Aussagen des Bayern-Machers nach der endgültigen van-Gaal-Entlassung letzten Sonntag. Anstatt einfach mal zu schweigen, wie er es Tage vorher noch tun wollte, nutzte der gebürtige Ulmer die Gelegenheit, um gegen den holländischen Star-Trainer nachzutreten, wie er es damals auch schon bei Klinsmann tat.
Auch das möchten wir nicht weiter bewerten, weil wir nicht wissen, wie das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer wirklich war. Gerade die angeblichen „Führungsspieler“ Lahm und Schweinsteiger beziehen dazu ja keinerlei Stellung, sondern „eiern“ nur herum, wenn es darum geht, einen Standpunkt zu beziehen. Den Franzosen Ribéry als Maßstab zu nehmen, den Hoeneß als Referenz heranzog, ist in unseren Augen ein Fehler.

Was Hoeneß sich aber wirklich vorwerfen muss, sind die Aussagen in Bezug auf Thomas Kraft. Die Äußerungen „Mit dem Torwartwechsel fing die Scheiße erst an“ und vorher war (sinngemäß) die Abwehr stabil, sind erstens nicht wahr, denn auch schon in der Vorrunde verhielt sich die FCB-Verteidigung teilweise wie ein Hühnerhaufen.
Zweitens hat Kraft diese Schelte nicht verdient, auch wenn Hoeneß ihn angeblich nicht damit angreifen wollte. Nach diesen Worten ist Thomas Kraft beim FC Bayern aber verbrannt – ähnlich wie damals Michael Rensing, allerdings mit dem Unterschied, dass Kraft bis auf die Spiele gegen Hannover und eben jetzt Nürnberg eine ansehnliche Rückrunde spielte (beim Gegentor am Samstag in Nürnberg ist in unseren Augen Philipp Lahm übrigens eine gehörige Mitschuld zu geben).
Einem jungen Spieler sollte der eine oder andere Fehler zu verzeihen sein, gerade wenn es um die Torwartposition beim FC Bayern geht. Thomas Kraft musste mit mehr Druck klarkommen als alle anderen, die nach Oliver Kahn folgten und hat das zumindest nach außen sehr gut umgesetzt. Das hätte auch Uli Hoeneß anerkennen müssen – unabhängig davon, ob man in Zukunft auf Neuer setzt.

Früher war es so, dass Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge gerne ihre Aussagen nach dem Motto „böser Polizist, guter Polizist“ gegenseitig revidierten. Dieses Spiel mit den Medien funktionierte auch lange Zeit sehr gut. Seit einiger Zeit haben beide aber die Rollen getauscht. Während Rummenigge vormals eher die nennen wir sie einmal „aggressiven“ oder populistischen Aussagen tätigte und Hoeneß diese dann kurz danach entkräftete, so ist das heute eher anders herum. Hoeneß haut am Sonntag alles in die Pfanne und Rummenigge muss am Montag bei „Stichwortgeberin“ Janina Nottensteiner im Blickpunkt Sport vom Bayerischen Fernsehen einen Teil der Wogen glätten.

Wir warten jetzt nur darauf, dass Louis van Gaal zurückschlagen wird und ein Argument dürfte er auch in der Tasche haben. Ihm wurde immer vorgeworfen, sich vom Vorstand nichts sagen zu lassen bzw. keine „Lehren“ anzunehmen. In einem Fall hat er es aber doch getan: im Fall Breno. Wie vor einigen Jahren Rensing von Hoeneß ohne Grund zum zukünftigem Nationalkeeper hochgejubelt wurde, so ging der Ex-Manager in den letzten beiden Jahren mit Breno vor – da konnte van Gaal kaum anders, als es mal mit dem Brasilianer zu probieren.
Das Ergebnis kennen alle, die das CL-Rückspiel gegen Inter gesehen haben. Wir von kickwelt sagen deshalb hypothetisch, aber sehr bestimmt: Louis van Gaal hat in dieser Saison zwei Hauptfehler gemacht, ohne die er wohl noch im Amt und der FC Bayern möglicherweise nicht nur auch noch in der Champions League wäre: der Streit und das Zerwürfnis mit dem für die Mannschaft ungemein wichtigen Mark van Bommel sowie das Einsetzen von Breno in der Innenverteidigung.

Noch ein Wort zur aktuellen Situation beim FC Bayern: egal, ob es irgendwelche Sympathie-Kundgebungen der Gegengerade gibt, die wirklich aktiven Fans stehen aktuell nicht zu ihrem Präsidenten und seiner Politik. Hoeneß´ Versuch, alles auf die Ultra-Gruppierung „Schickeria“ zu schieben, ist genauso falsch wie ungerecht. Zwar eckten die jungen Ultras schon öfters mit Verein und Gesetz an, aber hier geht es wirklich um mehr als „nur“ die Schickeria.
Zaunfahnen sind auch ein kleiner Gradmesser für die Meinung der Fans, aber immerhin war in Nürnberg zu erkennen, dass sämtliche Bayern-Zaunfahnen im Gästeblock (circa 50 Stück) verkehrt herum aufgehangen wurden bis auf eine. Diese Fahne gehört dem Fanclub „Red Munichs“ und deren Vorsitzender ist niemand anderes als Andi Brück, seines Zeichens hauptamtlicher Fanbeauftragter des FC Bayern. Das lassen wir auch mal so unkommentiert stehen.

Wie wird es weitergehen beim FC Bayern? Die Führung muss zu ernsthaften Gespräche bereit sein und außerdem auf die Fans zugehen. Das soll keinen Einfluss auf Manuel Neuer haben, hier müssen die Fans auf den Verein zugehen, aber in anderen Punkten muss der Verein eben auch auf die Fans entgegen kommen.
Uli Hoeneß ist es zuzutrauen, dass er diesen Spagat hinbekommt und „seinen“ FC Bayern wieder vereint mit dem Ziel „Spaß“ und „Erfolg“, wie er es selbst am Sonntag sagte, aber genau da muss auch er ansetzen und den offenen Dialog mit den Fans suchen.

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