Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl, ARD

Kickwelt TopDer Top der Woche ist diesmal das ARD-Moderations-Duo Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl. Beide waren in der Kombination das erste Mal bei einem Länderspiel (Ukraine gegen Deutschland) vor der Kamera und machten trotz kleinerer Fehler ihre Sache sehr gut.

Die Frage ist, was man von einem Moderator eines Länderspiels erwartet. Wir erwarten genau das, was Opdenhövel und Scholl gemacht haben: allgemeine Infos zum Spiel, Analysen der entscheidenden Szenen und dazu sollte auch einfach unterhalten werden. Beide harmonierten dabei schon fast perfekt bei ihrem ersten Einsatz. Man hätte fast glauben können, dass Opdenhövel in Scholl den passenden Nachfolger zu Stefan Raab gefunden hätte, für den er jahrelang erfolgreich „Schlag den Raab“ moderierte. Natürlich gehört zu einem Fußballspiel noch etwas anderes, aber auch die nötige Seriösität ist bei den beiden vorhanden.

In seinem ersten Interview mit Jogi Löw blieb der Ex-Pro7-Mann ruhig und stellte im Gegensatz zum sonstigen „ZDF-Gewäsch“ auch unangenehme Fragen. Löw schien sogar etwas überrascht, was ihm da diesmal an Wind entgegen blies. Trotzdem schien er sich in der Runde am Ende viel wohler zu fühlen als vier Tage später beim ZDF. Dort zeigten Katrin Müller-Hohenstein und Oliver Kahn genau, wie man es (wiederholt) nicht machen sollte. Auch wenn beide regelmäßig in Interviews betonen, wie wohl sich beide miteinander fühlen, so merkt man einfach, dass es nicht passt. Kahn ist sicherlich als Experte zu gebrauchen, hat aber mit Müller-Hohenstein eine Partnerin, die er, auch wenn er sich noch soviel Mühe gibt, einfach nicht ernst nehmen kann. Das führt dann auch dazu, dass Kahn fehlbesetzt wirkt. Jetzt wollen wir aber nicht wieder auf dem ZDF rumhacken, das hat diese Woche Jörg Heinrich von der Münchner Abendzeitung hier schon aufs Beste erledigt.

Im Gegensatz dazu müssen Opdenhövel und Scholl keine Nettigkeiten austauschen, sie machen im Zweifelsfall genau das Gegenteil. Als Scholl zugab, sich im ukrainischen Fußball nicht auszukennen, konterte sein Moderationspartner: „Du weißt schon, dass Du hier der Experte bist.“ Klar werden jetzt viele sagen: Ein Experte für ein solches Spiel sollte sich wirklich damit auskennen, aber alleine schon die Tatsache, dass Scholl diese Wissenslücken zugibt, hebt ihn vom Rest der sonstigen Experten ab. Diese versuchen oft, Wissen vorzutäuschen oder – noch schlimmer – angelesenes Wissen zu vermitteln. Scholl braucht das nicht. Als ihn Opdenhövel auf Cristiano Ronaldo ansprach, sagte er nur süffisant: „Wenn der früher schon gegen uns gespielt hätte, hätte Jens Jeremies gesagt: „Dass mir den keiner anfasst, der gehört mir.“ Mit solchen Aussagen macht sich „Scholli“ einfach unentbehrlich bei der ARD und man kann froh sein, dass seine Trainerkarriere erst einmal ruht, denn genau solche Aussagen erwarten wir, erst recht an einem Abend wo es zumindest für Deutschland um „nichts“ ging.

Eine Kritik müssen sich die beiden Herrschaften aber noch gefallen lassen: Das Gespött über Petr Cechs Gesichtsmaske war unangebracht, weil dieser sich eine Woche vorher einen Nasenbeinbruch zugezogen hatte. DAS hätte man als ARD-Experte bzw. Moderator sicherlich auch wissen können oder sogar müssen, aber im Rahmen der gesamten Sendung ist dieser Punkt verzeihlich – genau wie die Tatsache, dass Scholl etwas ungeschickt versuchte, unseren Flop der Woche Hamit Altintop nach dessen Aktion zu verteidigen.

Wir wünschen uns auf jeden Fall viel mehr von den beiden und hoffen, dass dieses Duo die neue 1a-Lösung der ARD wird für die EM, so dass man zumindest bei diesen Spielen auch mal vor und nach dem Spiel einschalten kann, was beim ZDF nur mit masochistischen Tendenzen möglich ist.

Scholl reiht sich für uns endgültig in die Gilde der wirklich guten Experten ein, zu denen wir sonst aktuell noch vor allem Jens Lehmann, aber auch Thomas Strunz und Matthias Sammer zählen. Das  sind alles ehemalige Spieler, die nicht nur immer für einen lockeren Spruch zu haben sind, sondern auch wirklich Ahnung von ihrem Job haben – egal ob sie zum Beispiel den ukrainischen Fußball kennen oder nicht.

Opdenhövel ist in seiner Interpretations-Rolle einer Fußball-Moderation (fast) einzigartig. Wir wissen, dass man ihn entweder lieben oder hassen muss, aber man kann der ARD nur nochmal dazu gratulieren, sich die Dienste von „Opdi“ gesichert zu haben. Neben der ARD hat auch sky vor kurzem den Schritt gewagt, einem – um es mal vorsichtig zu sagen – „Unterhaltungsmenschen“ die Chance auf eine Sendung zu geben und Oliver Pocher erfüllt diese Aufgabe beim Format „Samstag LIVE“ bisher hervorragend, auch wenn er vorher schon von vielen tot geschrieben wurde. Sicherlich kann man nicht nur mit solchen Typen agieren, aber diese Typen machen den Unterschied im Einheitsbrei.

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