Michael Steinbrecher, ZDF

Kickwelt TopAm letzten Samstag war es mal wieder soweit, das ZDF-Sportstudio wurde zu einer reinen Diskussionsrunde mit aktuellem Bezug. Thema war die angeblich zunehmende Gewalt in deutschen Stadien und gleichzeitig die aktuell laufende Pyro-Debatte. Moderator war Michael Steinbrecher und gerade das ZDF hätte niemand besseres aufbieten können als den 46-jährigen Journalisten.

Ein Lob gebührt zwar auch der kompletten Redaktion, die nicht im üblichen boulevardesken Niveau auf den „Gewaltzug“ aufsprangen, sondern auch „schlagende Argumente“ der Gegenseite darstellten. Als Gäste waren der aktuelle DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert  und Bernhard Witthaut (Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei) auf der einen Seite und Jannis Busse (Sprecher der Initiative „Pyrotechnik legalisieren“) und Philipp Markhardt (Sprecher der Initiative „Pro Fans“) auf der anderen Seite. Dazu hatte das ZDF mit dem Fanforscher Jonas Gabler und dem ehemaligen DFB-Sicherheitsbeauftragten Helmut Spahn zwei weitere Top-Gäste mit fundierter Meinung zum Thema. Dazu kam auch noch Mainz05-Manager Christian Heidel, der in unseren Augen aber eigentlich fehl am Platz war. Heidel stand auf der anderen Seite für das Halbwissen, was im Moment viel im Umlauf ist und sollte er vom ZDF aus diesem Grund eingeladen worden sein, war auch das ein kluger Schachzug der Mainzelmännchen.

Unser Preisträger Steinbrecher konfrontierte Große Lefert und Witthaut mehrfach mit Widersprüchen in deren Handeln und Reden und man merkte ihm richtig an, dass er hier den „richtigen Fans“ (egal ob pro oder contra Pyro) eine Stimme geben wollte. Am Ende der Diskussion durften sich neben Steinbrecher besonders zwei Gäste als Sieger sehen: Spahn und Markhardt, der besonders seinen direkten „Kontrahenten“ Witthaut alt aussehen ließ. Nicht wenige dürften gedacht haben, warum hat der DFB einen solchen Mann in die Wüste geschickt. Dort ist Helmut Spahn mittlerweile Sicherheitschef für die WM 2022. Ob er selbst wegen finanziellen Aspekten diesen Schritt gemacht hat oder ob beim DFB sein Handeln nicht gerne gesehen wurde, können wir nicht beurteilen. Was wir aber beurteilen können, ist, dass Spahn seinen Job eher als Bindeglied zwischen Verband und Fans gesehen haben dürfte und Große Lefert mit seiner Polizei-Vergangenheit (war vorher u.a. Pressesprecher der NRW-Polizei) nur die Interessen seines Arbeitgebers zu vertreten scheint. Vielleicht war das ja auch genau Spahns Fehler und noch einmal, vielleicht kehrt unter dem designierten DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach ein Umdenken ein. Überhaupt wäre eine Rochade Spahn – Große Lefert wünschenswert, egal was am Ende bei den aktuellen Kampagnen rauskommen würde.

Michael Steinbrecher war derjenige, der alle Parteien ausführlich zu Wort kommen ließ und dabei niemand mit Vorurteilen begegnete und eben genau das machte diese Diskussionsrunde aus. Wieder einmal hat damit das ZDF bewiesen, dass sie zwar nicht die besten Kommentatoren im Fußball-Bereich haben (das wurde hier oft bemängelt), aber redaktionell einiges dafür machen, damit auch der geneigte TV-Fan erfahren kann, welche Probleme es im deutschen Fußball aktuell gibt und welche vielleicht nur von anderen Medien hochstilisiert werden. (Thema zunehmende Gewalt)

Positiv zu bewerten ist auch, dass das ZDF nicht den obligatorischen „Fan-Forscher“ Gunther A. Pilz mit ins Boot holte, der regelmässig populistisch vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen in und an den Stadien warnt, selbst aber wohl soweit entfernt vom aktuellen Geschehn sein dürfte wie der SC Freiburg von einem Champions-League-Platz. Stattdessen gab Jonas Gabler wirkliche Einblicke als unabhängiger Beobachter der Szene.

Eins wurde am Ende des Sportstudios auch wieder klar: Egal, wieviel Positives oder Negatives alle in den 60 Minuten vorher vorgebracht hatten, ein guter Fußballer war nicht in den Reihen. Wahrscheinlich hätte hier Steinbrecher auch eine gute Figur gemacht als ehemaliger Amateur-Oberligaspieler, aber natürlich trat der Moderator nicht selbst an. Wir freuen uns jedenfalls, erneut einem ZDF-Mann eine solche Auszeichnung zukommen zu lassen, sind aber auch klar der Meinung, dass er der einzige aktuelle Sportstudio-Moderator ist, dem das zuzutrauen ist. Wir möchten uns nicht ausdenken, was passiert wäre, wenn Katrin Müller-Hohenstein die „Leitung“ gehabt hätte, aber das soll heute nicht unser Thema sein.

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Keine Kommentare

  1. Ich habe mir das ZDF-Sportstudio angesehen und muss wirklich ein großes
    Lob an Herrn Steinbrecher aussprechen. Mit Ruhe leitet er die Gesprächsrunde
    und lässt wie richtig im Bericht beschrieben alle zum Zuge kommen.
    Steinbrecher for president :) oder vielleicht for „Wetten Dass ??“ ???

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