Sport Inside (WDR)

Kickwelt TopSchon ein paarmal bekamen wir Zuschriften, dass unsere „Tops und Flops“ die öffentlich-rechtlichen Sender zu stark kritisieren. Wir sehen das etwas anders und sehen unsere Kritik sowohl für die ARD und besonders für die ZDF-Fußballberichterstattung als sehr berechtigt an. Diese Woche wollen wir beim „Top der Woche“ verdeutlichen, dass wir auch bei den ÖR-Sendern gute Berichterstattung honorieren können, denn unser Top ist die WDR-Sendung „sport inside“, die (fast) immer montags um 22:45 Uhr im WDR Fernsehen ausgestrahlt wird.

Klar hätte man sich diesmal wieder Mario Gomez für seine drei Tore, Andries Jonker fürs „Ruderrumreissen“ trotz privater Sorgen oder Stefan Kuntz für sein beherztes Eingreifen „gegen“ die eigenen FCK-Fans mit unserem Titel „Top der Woche“ küren können.
Aber wir gehen bewusst wieder einen anderen Weg, denn wir hatten die WDR-Produktion „sport inside“ schon länger auf dem Schirm, aber nach der Ausstrahlung am Montag ist es nun soweit. In 30 Minuten gibt es immer gut recherchierte Hintergrund-Berichte aus der Sportwelt (nicht nur Fußball), die ohne die gängige Effekthascherei auskommen.

Am Montag gab es drei Themen: ein Bericht über Armut nach der Profikarriere, wo die Autoren Inka Blumensaat und Henning Rütten unter anderem die Situation von Ex-BVB-Profi Günter Breitzke beleuchteten (der alles verloren hat und heute von 600 Euro im Monat leben muss). Außerdem wurden Martin Schneider (Spieler u.a. in M´gladbach und Nürnberg), der „weiße Brasilianer“ Ansgar Brinkmann und Ex-Torjäger Ailton besucht und ihre aktuelle Situation beleuchtet.

Dazu zeichnete Marc Schlömer in einem sehr ausgewogenen Bericht die Situation von Borussia Mönchengladbach nach. Neben Präsident Rolf Königs (den man nur sehr selten vor der Kamera sieht) kamen dabei auch die Mitglieder der Opposition zu Wort und der Autor blieb dabei sehr sachlich, was in unseren Augen zu einer wirklich guten Lagebeschreibung des abstiegsbedrohten Traditionsvereins führte.

Zwischen diesen beiden Berichten gab es noch ein Portrait von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. Verantwortlich dafür als Autor war Klaus Fiedler, der schon in der Vergangenheit oftmals zeigte, dass solche Portrait-Features absolut seine Stärke sind. Steinhaus wurde von Fiedler sowohl privat, als auch bei der Arbeit auf dem Platz begleitet.
Im Spiel Ahlen gegen Rostock in der dritten Liga wurde Steinhaus dabei mit einem Mikro ausgestattet, wodurch der Zuschauer auch mitbekommen konnte, wie die Hannoveranerin auf dem Platz mit den Spielern kommuniziert. Das Steinhaus als Frau in der Männerwelt sehr geachtet ist, war schon vorher klar, aber durch diesen Bericht dürfte auch dem letzten Skeptiker Argumente genommen wurden sein, dass in der nächsten Saison vielleicht die erste Frau als Schiedsrichtern in der ersten Liga pfeifen und nicht nur als vierte Offizielle an der Seitenlinie agieren darf.

Das Format „sport inside“ ist ein Beispiel dafür, dass mit den öffentlich-rechtlichen Gebührengeldern auch wirklich sinnvolle Dinge produziert werden, mit denen sich diese Sender eigentlich von den Privatsendern abheben sollten. Darauf sollten ARD mit ihren angeschlossenen dritten Programmen und das ZDF auch ihr Hauptaugenmerk richten. Erinnert sei hier an dieser Stelle an die Sendung „Der Sport-Spiegel“ (den man durchaus als Vorläufer von „sport inside“ ansehen könnte), die das ZDF allerdings 1996 endgültig absetzte, was schon damals als großer Fehler angesehen wurde.

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