Erwartete Tore (xG, “expected goals”) sind seit 2017 die wichtigste neue Kennzahl im professionellen Fußball. Kickwelt veröffentlicht xG-Werte pro Spieler und pro Bundesliga-Verein wöchentlich.
Was xG misst
xG bewertet jede einzelne Torchance nach historischer Wahrscheinlichkeit. Ein Strafstoß hat einen xG-Wert von rund 0,76 (76 % Trefferquote in der Bundesliga über 10 Jahre). Ein Schuss aus 25 Metern aus halblinker Position bei Standard-Verteidigerdruck hat einen xG-Wert von etwa 0,04.
Summiert über ein Spiel ergibt sich der xG-Spielwert eines Vereins. Über eine Saison ergibt das den xG-Tabellenstand, der oft realistischer ist als die echte Tabelle.
Faktoren, die in den xG-Wert einfließen
- Distanz zum Tor
- Winkel zum Tor
- Körperteil (Fuß, Kopf, Brust)
- Spielsituation (offene Aktion, Standard, Konter, Strafstoß)
- Anzahl Verteidiger zwischen Schütze und Torlinie
- Distanz zum nächsten Verteidiger
- Geschwindigkeit der Vorlage
Moderne xG-Modelle nutzen über 15 Eingangsgrößen pro Schuss. Kickwelt arbeitet mit dem öffentlich dokumentierten StatsBomb-Modell, kalibriert auf Bundesliga-Daten 2014-2025.
xG vs. tatsächliche Tore — was die Differenz aussagt
Verein schießt mehr Tore als erwartet (z. B. Bayern Saison 2022/23 mit +5 xG-Differenz):
- Überdurchschnittlich klinische Stürmer (Lewandowski, Kane, Müller)
- Glück bei Standard- und Distanzschüssen
- Möglicherweise nicht nachhaltig — Mean-Reversion in Folgesaison
Verein schießt weniger Tore als erwartet (z. B. Schalke 2021/22 mit -8 xG-Differenz):
- Stürmer in Krise oder zu jung für die Bundesliga
- Verletzungspech bei Stammspielern in entscheidenden Phasen
- Häufig ein Frühindikator für Trainerwechsel
Wo xG versagt
- Pokalspiele über 90 + 30 Minuten: zu kleine Stichprobe, ein Fehlschuss verzerrt das Modell
- Konter-lastige Mannschaften: xG unterschätzt offene Räume gegen aufgerückten Gegner
- Standardsituationen: Eckenspezialisten wie Mainzer Onisiwo erzielen reproduzierbar mehr aus Standards, als Modelle vorhersagen
xG in der Praxis nutzen
Drei sinnvolle Anwendungen für Fans und Tipper:
- Saisonprognose: xG-Tabelle nach Spieltag 17 sagt die Endtabelle besser vorher als die echte Tabelle nach Spieltag 17
- Stürmer-Vergleich: ein Stürmer mit 8 Toren bei xG 12 ist nicht zwingend besser als einer mit 6 Toren bei xG 8 — letzterer schafft mehr Chancen, ersterer ist nur effizienter
- Trainer-Bewertung: xG-Differenz misst Effizienz, xG-Volumen misst Spielanlage. Beides muss zusammen betrachtet werden.
Wo Kickwelt-xG verfügbar ist
Saisonübersicht je Verein, Spielzeitvergleich pro Stammspieler, Pro-90-Minuten-Werte für Substitutionsanalysen — wöchentlich aktualisiert in der Statistik der Woche.